Donnerstag, 24.05.2012
Bio
| 12.12.2011
Wissenschafter schlagen Verbesserungen bei Bio-Kontrollsystemen vor
Hohenheim - Biolebensmittel müssen besser kontrolliert werden. Das fordern Wissenschafter anlässlich des Skandals um rund 700.000 t fälschlich als Bioware deklarierter Produkte in Italien.
In Großbritannien ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen.
© Mühlhausen/landpixel
Dem Fälscherring gehörten nach aktuellem Stand der Ermittlungen auch Verantwortliche der Zertifizierungsstellen an. "Die Überwachung dieser Stellen gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Systems und muss dringend verbessert werden", betont Professor Stephan Dabbert. Unter seiner Leitung hatte sich die Universität Hohenheim an dem EU-Forschungsprojekt CERTCOST beteiligt.
Im Rahmen des Projektes untersuchten Wissenschafter aus fünf EU-Mitgliedstaaten sowie aus der Schweiz und der Türkei drei Jahre lang das europäische Öko-Kontrollsystem. Auf Basis der Studie haben sie einen 6-Punkte-Plan für notwendige Verbesserungen entwickelt.
Wichtigster Punkt ist eine einheitliche Überwachung der Kontrollstellen. Bisher gibt es in der EU keine Standards für die Ahndung von Verstößen und keinen einheitlichen Sanktionskatalog. Das Überwachungsniveau ist daher zwischen den Mitgliedstaaten nicht vergleichbar.
Forderung: Potienzielle Risiken sollten besser kontrolliert werden
Darüber hinaus fordern die Wissenschafter mehr
risikoorientierte Kontrollen. Auch sollten die Mitgliedstaaten
überprüfen, ob die Aufgabenverteilung und Zusammenarbeit der
verschiedenen staatlichen und privaten Kontrollinstitutionen verbessert
werden kann. Für die Zukunft sollte die Gemeinschaft sich ein
europäisches Forum zum regelmäßigen Austausch über die Durchführung der
Öko-Kontrollverordnungen aufbauen. Wirtschaftsbeteiligte der Biobranche
sollen besser informiert werden über die Anforderungen des
Kontrollsystems. Kritisch bewerten die Forscher das neue EU-Ökosiegel,
das kaum bekannt sei. Die erfolgreichen nationalen Zeichen sollten
deshalb so lange weiter verwendet werden, bis es gelungen ist, für das
neue EU-Siegel ein vergleichbares Verbrauchervertrauen aufzubauen.
Bio Austria: Chargenbezogene Zertifizierung notwendig
Der Obmann der österreichischen Dachorganisation Bio Austria, Rudi
Vierbauch, verurteilt die Bio-Lebensmittelfälschung in Italien aufs
Schärfste: "Das betrügerische Verhalten Einzelner gefährdet die
Glaubwürdigkeit des gesamten Bio-Marktes und fügt all jenen Schaden zu,
die sich mit viel Engagement und Ehrlichkeit der Produktion
hochwertiger und nachhaltig produzierter Bio-Lebensmittel verschrieben
haben", ist Vierbauch empört.
"Nun gilt es, die 100%ige Nachvollziehbarkeit von ausgestellten
Bio-Zertifikaten im grenzüberschreitenden EU-Warenverkehr durch eine
chargenbezogene Zertifizierung abzusichern, um keinerlei Spielraum für
kriminelle Machenschaften zu lassen. Bio Austria hat diese
Zertifizierung bereits in seinem Qualitätssicherungs-System integriert.
Unsere Zertifikate werden nur für 100% reine Chargen ausgestellt",
betont Vierbauch. Eine solche chargenbezogene Zertifizierung, wie sie
Bio Austria bereits durchführt, sei für ganz Europa notwendig. "Damit
garantieren die Biobäuerinnen und -bauern den Konsumenten die
größtmögliche Sicherheit", ist der Obmann überzeugt.
aiz
Um ein Kommentar zu schreiben müssen Sie sich einloggen.