Donnerstag, 24.05.2012
Schweinehalter in der Preiskrise
Vergangenen Freitag fielen die Schweinepreise je Kilo Schlachtgewicht um sieben Cent - bei im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent höheren Futterkosten. Preisabschläge, die Landwirte "tief ins Mark treffen".
Der Futtermittelverbrauch unterscheidet sich bei Sauen und Kastraten.
© Mühlhausen/landpixel
Vergangenen Freitag lagen die Schweinefleischpreise für das Kilogramm Schlachtgewicht bei nur noch 1,53 Euro. "Die kontinuierlichen Preisabschläge beim Schweinefleisch treffen die baden-württembergischen Schweinehalter tief ins Mark. Selbst Spitzenbetriebe der Mast und der Ferkelerzeugung müssen immer häufiger und in lang anhaltenden Marktphasen zweistellige Verluste je Tier hinnehmen", erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV).
Der Bauernpräsident fordert die Schlachtunternehmen und den
Lebensmitteleinzelhandel auf, die gestiegenen Produktionskosten an den
Verbraucher weiterzugeben. "Das Preistief muss schnell überwunden werden. Jetzt sind klare
Nachfrage- und Preisimpulse der Schlachtbranche und des
Lebensmitteleinzelhandels notwendig, um endlich die Trendwende bei den
Schlachtschweinepreisen einzuleiten. Damit würde auch der Ferkelmarkt an
Stabilität gewinnen", erklärt Rukwied.
Erzeugerpreise schlagen sich auf Konjunkturbarometer nieder
Schweinehalter in der Preiskrise
Die Krise am Schweinemarkt schlägt sich auch im aktuellen Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes nieder. Der Konjunkturindex, der die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen
Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche
Entwicklung der Landwirte zusammenfasst, tendierte im Juni leicht nach
unten.
Die Stimmungslage der deutschen Bauern hat sich auch durch
die Erzeugerpreise auf dem Schweinemarkt verschlechtert. Fast
unverändert negativ wirken ferner die gestiegenen Kosten für
Betriebsmittel wie Energie, Dünge- und Futtermittel.
Auch Bioschweinehalter fordern deutliche Preisanhebung
Eine sofortige Anhebung der Preise für Bioschweine um
0,20 Euro auf 3,20 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) verlangt auch das
Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland. Eine weitere Anpassung auf
3,40 Euro/kg SG habe zum 1. Januar 2012 zu erfolgen, forderte das
Aktionsbündnis.
Es
erinnerte daran, dass Anfang 2011 in zähen Verhandlungen und langen
Sitzungen eine Erhöhung der Erzeugerpreise nur um 0,10 Euro auf etwa
3 Euro/kg SG habe durchgesetzt werden können, weil die Vermarkter schon
bei dieser Erhöhung einen Rückgang der Umsätze voraussagt hätten und die
Hoffnung auf bald wieder fallende Getreide- und Futtermittelpreise
bestanden habe. Fakt sei aber, dass der Getreidepreis nicht gesunken und
auch ein Rückgang nach der Ernte nicht zu erwarten sei.
Eine verhaltene
oder gar verringerte Nachfrage nach Bioschweinefleisch sei ebenfalls
nicht erkennbar - weder national noch europaweit. Im Gegenteil: Einzelne
Abnehmer berichteten, dass sie binnen Jahresfrist ihre
Verarbeitungsmengen verdoppeln wollten. Die Nachfrage übersteige
weiterhin das Angebot. Neue Akteure am Markt könnten nicht ausreichend
bedient werden. Bioschweine ließen sich prima verkaufen. "Nur wir als
Erzeuger - die Ferkelprdozenten und die Mäster - verdienen kein Geld
dabei", beklagte das Aktionsbündnis. Es sei alles anders gekommen, als
es die Vermarkter prognostiziert hätten. Ihre Verluste seien nicht
gekommen, ihre Umsätze nicht gesunken, und sie suchten händeringend nach
billigen 3-Euro-Schweinen.
Betriebe bangen um Existenz
Die schlechten Betriebsergebnisse vergangener Jahre sowie die
verheerenden Preissignale am Schweinemarkt haben bei vielen Landwirten
zur Resignation geführt. "Der erneute Preisabschlag hat die ganze Sparte
erschüttert", betont Rukwied.
Ein großer Teil der Ferkelerzeuger sehe
derzeit keine Perspektive und denke über den Produktionsausstieg nach.
Betroffene Mastschweinehalter erkennen keinen Anreiz mehr, den
Betriebszweig weiter zu entwickeln.
Erst im Mai, in dem üblicherweise die Notierungen für Schlachtschweine
steigenden Trend zeigen, mussten die Schweinemäster binnen zweier Wochen
herbe Preisabschläge von zwölf Cent auf nur noch 1,50 Euro je Kilogramm
Schlachtgewicht hinnehmen. Bis Mitte Juli stiegen die Preise leicht auf
1,60 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Bei den Ferkelerzeugern zeigt
der Preistrend seit Monaten nach unten. Der Preis sank inzwischen auf
nur noch 37,50 je 25-kg-Ferkel. Vielen Betrieben droht nach den
anhaltenden Preisrückgängen der Verlust ihrer Existenz.
pd/AgE
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