Donnerstag, 24.05.2012
Das richtige Bauvorhaben gekonnt umsetzen
Münster - Zukunftsorientiertes Bauen steht im Zentrum der diesjährigen KTBL-Tagung. Doch wohin geht der Trend? Wie wird der Kaptialbedarf gedeckt? Prof. Dr. Bernd Hallier vom EHI Retail Institute in Köln informiert.
Landwirte nutzen die AFP-Förderung vor allem für Investitionen in eine besonders tiergerechte Haltung von Milchkühen.
© Mühlhausen/landpixel
Landwirtschaftliche Bauvorhaben umfassen ein weites Handlungsfeld. Eine der verbindenden Gemeinsamkeiten von landwirtschaftlichen Bauvorhaben ist,
dass mit der Investition das eingesetzte Kapital langfristig in ein Objekt gebunden wird.
Zur Deckung des Kapitalbedarfs wird neben Eigenmitteln, Eigenleistungen und Fördermitteln
regelmäßig ein nennenswerter Anteil als Fremdkapital in Form klassischer Bankdarlehen
herangezogen.
Investitionsklima in der Landwirtschaft auf stabilem Niveau
Gemäß dem Statistischen Jahrbuch für die Landwirtschaft bewegen sich die Investitionen
in Bauvorhaben der Landwirtschaft im mehrjährigen Durchschnitt mit 1,66 Milliarden Euro
auf einem stabilen Niveau mit geringen Schwankungen (BMELV 2010).
Das aktuelle
Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar für das 4. Quartal 2010 zeigt eine deutliche
Belebung der geplanten Investitionen der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland.
Offenbar schätzen landwirtschaftliche Unternehmer die künftigen Marktentwicklungen
als stabil ein und nutzen die aktuellen Regelungen zur Erzeugung von Energie
aus Sonne und Biogas. In einer Studie kommen Pelikan et al. zu dem Ergebnis, dass insbesondere
die Sektoren der Veredelungswirtschaft (Schweine- und Geflügelfleisch) im internationalen
Wettbewerb über günstige Voraussetzungen verfügen (Pelikan et al. 2010).
Nach
Beobachtung der Deutschen Kreditbank AG (DKB) werden in diesen Bereichen aktuell
viele Investitionsvorhaben für die Schaffung neuer Produktionskapazitäten geplant und
durchgeführt. Neubau- und Ersatzinvestitionen im Bereich der Milcherzeugung finden
ebenfalls in nennenswertem Umfang statt. Nach Einschätzung der DKB sind die Erzeuger
in diesem Segment bestrebt, zum voraussichtlichen Auslaufen der Milchmengenbegrenzung
im Jahr 2015, mit möglichst günstigen Startbedingungen aufwarten zu können.
Wenngleich Pelikan et al. die internationalen Wettbewerbsbedingungen der deutschen
und europäischen Milcherzeugung als eher ungünstig einstufen, so müssen die Autoren
doch feststellen, dass die Produktionsreserven in anderen Teilen der Welt nicht ausreichen
werden, um Europa von der Netto-Exportposition zu verdrängen.
Investitionstrends
Aus Sicht der DKB stellen sich die Investitionsvorhaben zu den verschiedenen Betriebszweigen
wie folgt dar:
- Geflügelfleisch
Steigender Pro-Kopf-Verbrauch und günstige Exportaussichten ermutigen
die Verarbeitungsunternehmen zu Investitionen in neue Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten.
Damit verbunden ist nach Beobachtung der DKB eine intensive
Suche nach Erzeugern, die neu in die Geflügelproduktion einsteigen wollen oder
bereit sind, bestehende Anlagen zu erweitern. In diesem Zuge sind die Verarbeiter
bestrebt, neue Kapazitäten außerhalb der bisherigen Erzeugungszentren aufzubauen.
Dazu motivieren sowohl Gesundheits- und Hygieneaspekte als auch zunehmende
Schwierigkeiten der Genehmigung und Akzeptanz in den bisherigen Veredelungshochburgen.
- Schweinefleisch
Bedingt durch den hohen Ferkelimport aus Dänemark und den Niederlanden
befinden sich die Sauenhalter nach wie vor unter hohem Wettbewerbsdruck.
Die Schweinemastkapazitäten wurden bereits stark aufgestockt, sodass Deutschland
inzwischen Netto-Exporteur in diesem Segment geworden ist. Weitere Mastkapazitäten
befinden sich in Vorbereitung, häufig auch von Ferkelerzeugern, die damit den
Schritt zum geschlossenen System vollziehen wollen. Sauenhaltung finden nach Einschätzung der DKB im Regelfall nur im Rahmen der
Erhaltsatzinvestitionen statt.
- Milcherzeugung
Bestandsanlagen in Ostdeutschland, die in der ersten Hälfte der
1990er-Jahre modernisiert wurden, weisen in den nächsten Jahren erneut Instandsetzungsbedarf
auf. Dabei wird auch der vollständige Neubau und die Umnutzung der
Altanlage für die Jungrinderhaltung in Erwägung gezogen. Bestandsaufstockungen
und damit verbundene Anlagenerweiterungen bilden einen weiteren Schwerpunkt.
In Westdeutschland ist der Strukturwandel weiterhin ein Investitionsmotor. Einzelbetriebliches
Wachstum oder Unternehmenszusammenschlüsse sind hier Auslöser für
Baumaßnahmen.
- Erneuerbare Energien
Den Neubau von Biogasanlagen schätzt die DKB für 2011 auf
dem Niveau des Jahres 2010 ein. Für die Zeit danach ist aktuell eher eine abwartende
Haltung der Investoren zu verzeichnen. Verunsicherung erzeugt die laufende politische
Debatte über Anpassungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Von zunehmendem
Interesse ist die Errichtung von Anlagen zur Biogasaufbereitung und
-einspeisung in das Erdgasnetz. Aufgrund langer Planungs- und Genehmigungsphasen
ist hier jedoch nicht mit einem sprunghaften Anstieg des Anlagenbestandes zu
rechnen.
Fazit
Die allgemeinen Prognosen zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen
Landwirtschaft stimmen die Unternehmer positiv und motivieren offenbar zu steigenden
Investitionen auch in Gebäude und bauliche Anlagen. Dabei kann der beträchtliche
Kapitalbedarf insbesondere in Wachstumsbetrieben meist nicht ohne Kreditmittel einer
Bank gedeckt werden. Auch wenn es sich bei vielen Bauvorhaben um ausgesprochene
Spezialimmobilien mit stark eingeschränkter Alternativverwendung handelt, kann
grundsätzlich die Finanzierbarkeit mit klassischen langfristigen Darlehen bestätigt werden.
Darlehenslaufzeiten orientieren sich an der Nutzungsdauer. Besicherungsmodelle
können auf das Investitionsobjekt beschränkt werden, ohne dass Risikoaufschläge bei
Zinssatz oder Eigenmitteleinsatz erforderlich werden.
Von zentraler Bedeutung ist eine umfassende und plausible Vorhabenskonzeption
und Planung, die mit der gebotenen kaufmännischen Sorgfalt und Vorsicht aufgestellt
wurde und entsprechende Annahmen zur künftigen Entwicklungen wichtiger Parameter
macht.
Eine offene Kommunikation zwischen
Landwirt und Bank ist dabei Grundvoraussetzung
für eine erfolgreiche Zusammenarbeit vor, während und nach Realisierung
der Maßnahme.
Eine besondere Bedeutung misst die DKB der Beobachtung der Liquiditätslage im
Unternehmen zu. Wie die nähere Vergangenheit zeigt, ist dies nicht nur in Investitionsphasen
ein wichtiges Thema und kann über die Zukunftsfähigkeit eines Betriebszweiges
entscheiden.
Sehen Sie heute auf agrarheute.com ein Interview mit dem Präsidenten des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL), Prof. Dr. T. Jungbluth.
Die KTBL-Tage 2011 finden noch bis zum 7. April in Münster/Westfalen
statt. Anmelden können Sie sich im Internet auf den Seiten der KTBL. zur Anmeldung ...
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