KTBL-Tage: Zukunftsorientiertes Bauen für die Tierhaltung
Münster/Westfalen - Beim Bau von Stallanlagen setzen Landwirte auf den technischen Fortschritt. Antworten, wie zukunftsorientiertes Bauen aussieht, erhielten Landwirte auf den KTBL-Tagen.
250 Teilnehmern besuchten die Veranstaltung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL). "Früher richteten sich die Fragen der Verbraucher nach der Produktqualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse, heute zeigen mehr Fragen das Interesse an der Art der Produktion", unterstrich Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Präsident des KTBL, die Aktualität der Tagung.
Clemens Neumann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Bonn unterstützte die Aussage und betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Wissenschaft und Wirtschaft für die deutsche Tierhaltung. So wird "die steigende Nachfrage dazu beitragen, dass die Tierhaltung weiter wachsen wird, aber Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz gewährt werden müssen".
Landwirtschaftliches Bauen - ein Markt mit Potenzialen
Der Verbraucher wird zunehmend in wichtige landwirtschaftliche
Entscheidungen mit einbezogen. So referierte Prof. Dr. Bernd Hallier vom
EHI Retail Institute in Köln über die Veränderungen in den Beziehungen
zwischen Vorstufen, Handel und Konsumenten. Nach der Ablösung der
Tante-Emma-Läden durch große, anonymisierte Warenhäuser gewinnt in
jüngster Vergangenheit das Internet weiter an Bedeutung. So können
Youtube, twitter und Co. aktueller und schneller informieren als
offizielle Medien. Bisherige direkte Beziehungen zwischen Vorstufen und
Handel werden durch die dreidimensionale Beziehung zwischen Vorstufen,
Handel und Verbraucher abgelöst.
Lebensmittelsicherheit, Tierschutz und Wohlergehen der Tiere sind
wichtige Marktanforderungen an die landwirtschaftliche Produktion, über
deren praktische Umsetzung Dr. Gereon Schulze Althoff von der VION Food
Group in Düsseldorf berichtete.
Zukunftsfähige Bauten lassen sich nur mit den nötigen liquiden Mitteln
verwirklichen. Das landwirtschaftliche Bauvorhaben nach wie vor ein
attraktiver Markt für Banken sind, davon überzeugte Dr. Wulf-Dietmar
Storm von der Deutschen Kreditbank AG aus Berlin. Eine offene
Kommunikation zwischen
Landwirt und der Bank ist dabei die
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit vor, während und
nach Realisierung der Maßnahme.
Die Suche nach dem richtigen Standort
Wo liegen die Aufgaben und Möglichkeiten der Bauleitplanung und welche
Auflagen gilt es beim privilegierten Bauen in der Landwirtschaft zu
beachten? Eine Analyse planungsrechtlicher Steuerungsinstrumente für die
Auswahl von Standorten für Tierhaltungsanlagen bot Prof. Dr. Wilhelm
Söfker aus Bonn. Bei den laut Baugesetzbuch (BauGB) privilegiert
zulässigen Vorhaben können Fragen zur städtebaulichen Entwicklungen im
Außenbereich auftreten, wenn Stallbauten ohne vorherige Abstimmung mit
den anliegenden Gemeinden und deren Bauleitplanung errichtet werden.
Nähere Ausführungen zur Entwicklung und Erschließung zukunftsträchtiger
Standorte erläuterte Jürgen Baier von der Landgesellschaft Mecklenburg-
Vorpommern mbH aus Leezen. Aufgrund wachsender Bestandsgrößen bei neuen
Stallbauten werden immer häufiger Genehmigungen nach
Bundesimmissionsschutzgesetz und Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz
erforderlich. Außerdem sei mit schwierigen Rahmenbedingungen wie der
häufig gegebenen Stadtnähe oder vorhandenen Stallbauten zu rechnen. Wie
ratsuchenden Landwirten geholfen werden kann, stellte Baier anhand der
wichtigsten Schritte im Bauvorhaben vor, von der Entwicklung eines
geeigneten Standortes bis zur Vorbereitung des Genehmigungsverfahrens.
Die gesellschaftlichen und rechtlichen Anforderungen an den Neubau von
Stallanlagen sind sehr unterschiedlich und enden nicht selten in
Auseinandersetzungen zwischen den Akteuren. Wie bereits im Vorfeld ein
konstruktives Miteinander von Bauherren, Planern und Anwohnern
geschaffen werden kann, stellte Marcus Hehn vom Bauern- und
Winzerverband Rheinlad-Nassau e.V. aus Koblenz, anhand von Mediations-
und Konfliktmanagementtechniken vor. Wichtig sei ein unabhängiger
Moderator, der zwischen den Akteuren vermitteln, Konflikte klären und
Akzeptanz schaffen kann. Ängste werden behoben und eine Vertrauensbasis
geschaffen.
Beiträge der Tierhaltung zur Luftreinhaltung
Wie können Bioaerosole in der Außenluft zuverlässig umweltmedizinisch
bewertet werden? Dies beantwortete Prof. Dr. Thomas Eikmann von der
Justus-Liebig-Universität in Gießen und betonte, dass eine Festlegung
von wissenschaftlich basierenden Grenzwerten aus methodischen Gründen
bei Bioaerosolen nicht möglich sei. Trends in der
Umwelt- und Mikrobiologie müssen aufmerksam verfolgt werden, um
gegebenenfalls Rücksicht auf neue Wirkungsbewertungen nehmen zu können.
Wie zahlreiche andere Sektoren trägt die deutsche Landwirtschaft zur
nationalen Treibhausgasbelastung bei. Die Höhe der landwirtschaftlichen
Treibhausgasemissionen hängt dabei nicht nur von den einzelnen Quellen
der landwirtschaftlichen Produktion ab, sondern auch davon, ob vor- und
nach gelagerte Bereiche der Landwirtschaft mit in die Berechnung mit
einbezogen werden. Berechnungen zum Minderungspotenzial von
Treibhausgasemissionen in Tierhaltung und Wirtschaftsdüngermanagement
stellte Helmut Döhler vom KTBL in Darmstadt vor.
Dr. Eva Gallmann von der Universität Hohenheim, Stuttgart, erläuterte
die aktuellen Möglichkeiten zur Beurteilung und Minderung von
Geruchsimmissionen. Da es bei Erzeugung und Verarbeitung von Produkten
tierischer Herkunft zu Geruchsfreisetzungen kommt, seien im Vorfeld der
Stallplanung Beurteilungen von Geruchsimmissionen anhand quellseitiger,
wirkungsbezogener oder rezeptorbezogener (z.B. direkte
Anwohnerbefragung) Ansätze sinnvoll.
Besondere bauliche Anforderungen an Tierhaltungsanlagen
Wassergefährdende Stoffe aus der Landwirtschaft wie Jauche, Gülle,
Festmist und Silagesickersaft dürfen nicht in oberirdische Gewässer oder
ins Grundwasser gelangen. Wirtschaftsdünger sind dabei ein wertvolles
Produktionsmittel, das mindestens sechs Monate gesammelt werden muss.
Hinweise zur richtigen Lagerung wassergefährdender Stoffe und der
Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen gab Lutz Heuer von der
Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz aus Bad Kreuznach. Es käme
besonders darauf an, dass die Lager gegenüber den zu erwartenden
Beanspruchungen standsicher und dauerhaft dicht sind und nach den
allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet werden.
Neben den gesetzlichen Vorgaben ist es ratsam, beim Stallbau auf eine
energieeffiziente Bauweise zu achten.
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky von
der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg verglich
unterschiedliche Haltungsverfahren in der Tierhaltung und stellte
mögliches Energieeinsparungspotenzial in der Rinder- und Schweinehaltung
vor. So könne beim Melken durch den Einsatz von drehzahlgesteuerten
Vakuumpumpen der Stromverbrauch gesenkt werden, da diese ihren
Stromverbrauch nur nach dem tatsächlichen Bedarf ausrichten.
Da Brände in der Landwirtschaft keine Seltenheit sind, ist die
Einhaltung von Brandschutzauflagen wichtig, um materielle Werte zu
erhalten und die gehaltenen Tiere zu schützen.
Dr. Frank Riesner vom
Ingenieurbüro für Brandschutz in Wismar referierte über die
bauordnungsrechtlichen Anforderungen und hob die Vorgaben und
Schwierigkeiten bei der Tierrettung in großen Stallbauten anschaulich
hervor. So müssten nach den rechtlichen Vorgaben Tausende von Tieren
innerhalb weniger Minuten gerettet werden.
Dr. Lars Schrader vom Friedrich-Loeffler-Institut in Celle, schilderte
anhand zahlreicher Beispiele aus Schweine-, Rinder- und Geflügelhaltung,
welche Anforderungen die Tiergerechtheit an zukunftsfähige Stallanlagen
stellt und wie der Verbraucher durch den Kauf von Produkten mit
speziellen Tierschutzlabeln seinen Beitrag dazu leisten kann.
Was zukunftsweisende Stallbauten auszeichnet
Einen Einblick in die praktische Umsetzung von zukunftsweisenden
Kooperations- und Stallbaukonzepten bot Friedrich Behrens von der Domäne
Fürstenhof. Anhand einer Bio-Erzeugergemeinschaft zeichnete er den Weg
von der Anpassung der Legehennenhaltung an die aktuellen
tierschutzrechtlichen Anforderungen nach.
Dass sich die Haltungsansprüche von Milchvieh an die Stallgebäude nicht
absehbar ändern werden, stellte Dr. Steffen Pache vom Sächsischen
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Köllitsch fest. Die
Wahrung des Umweltschutzes und die zunehmende Automatisierung in Melk-
und Futtertechnik zählen zu den aktuellen verfahrenstechnischen Trends.
Die Schweinehaltung unterliegt wie die Milchviehhaltung bundesweiten
regionalen Besonderheiten. Während in den neuen Bundesländern freie
Flächen für Neubauten zur Verfügung stehen, stehen viele Landwirte im
Westen vor der Frage, wie sich alte Bauten optimal an neue Planungsideen
anpassen.
Peter Spandau von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-
Westfalen in Münster gab Einblicke in aktuelle Haltungssysteme,
Fütterungs- und Klimatechniken. So ließe sich in der Ferkelerzeugung bei
der Gruppenhaltung niedertragender Sauen ein Trend in Richtung Fress-
Liegebuchten erkennen und im Deckzentrum eine segmentweise Absperrung
des Ebergangs von den Sauen. In der Schweinemast findet die
Großgruppenhaltung mit Sortierschleuse weiter Zustimmung, setzt aber
eine intensive Beschäftigung mit der PC-Software voraus.
Der 168-seitige Tagungsband "Zukunftsorientiertes Bauen für die
Tierhaltung" ist beim KTBL erhältlich. Die
Folien der Vorträge sind im Downloadbereich der "Fachinfo" auf der
Homepage des KTBL unter www.ktbl.de verfügbar.
ktbl
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