Agrarpolitik Agrarrohstoffe haben weiter Konjunktur

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Viele Gemeinsamkeiten entdeckten die Vertreter der Agrarwirtschaft und des Sparkassenverbandes auf dem gemeinsamen Agrarforum der Finanzgruppe mit dem Landvolk Niedersachsen in Hannover. Landwirtschaft und Sparkassen haben die Finanzkrise hinter sich gelassen und schauen optimistisch nach vorn. Engpässe hätten die Landwirtschaft in der Phase der Depression schon betroffen, sagte Landvolkpräsident Werner Hilse.

Die Referenten des Agrarforums (v.l.): Norbert Meyer, Bernd Kolb, Werner Hilse, Günter Distelrath und Folker Hellmeyer. Foto: SVN
 
Ablesbar sei dies an einem Rückgang der Bruttowertschöpfung um zwei Prozent im Jahr 2009. Mittlerweile aber ziehe der Umsatz wieder an, die Marke von 200 Mrd. Euro Umsatz solle 2010 „geknackt“ werden. Mit Blick auf stolze Exportbilanzen erinnerte Hilse aber auch daran, dass Deutschland weiter auf Agrarimporte angewiesen sei, deren Wert liege über dem der exportierten Agrargüter.
 

„Wir glauben auch in schlechten Jahren an die Landwirtschaft“, sagte Hilse weiter. Er sah den Fortschritt als Motor für weiteren Strukturwandel und wünschte sich dafür mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Banken sollten die Landwirte auf ihrem Weg in die Zukunft begleiten. Dabei erreichten Investitionen heute schnell ein Volumen von mehr als einer Millionen Euro, meinte Hilse. Er bezeichnete solche Vorhaben als „Generationsaufgabe“ für den investierenden Betriebsleiter.

Eine hohe Investitionsneigung in der Landwirtschaft sah auch Günter Distelrath, Geschäftsführer des Sparkassenverbandes Niedersachsen. Nach Schätzungen der Finanzgruppe wollen Niedersachsens Landwirte in nächster Zeit gut eine Mrd. Euro in die Modernisierung und Erweiterung ihrer Betriebe stecken, unter anderem auch weiter in die Bioenergieerzeugung. Drei Prämissen stünden für die Sparkassen vorn, sagte Distelrath: die Nähe zum Kunden, deren Zufriedenheit und die flächendeckende Präsenz. Zwei von drei landwirtschaftlichen Betrieben haben nach einer aktuellen Umfrage des Sparkassenverbandes eine Geschäftsbeziehung zu einer Sparkasse, die steigerten ihre Kredit- und Darlehenszusagen in den ersten drei Quartalen 2010 um gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 4,9 Mrd. Euro. Mit Blick auf die politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Finanzkrise warnte Distelrath vor einer Überregulierung des Finanzsektors. Zum Schutz von Kunden und Steuerzahlern bewertete er die Eindämmung hoch spekulativer Geschäfte als verständlich. In dem von der Bundesregierung vorgelegten Anlegerschutzgesetz sah er dagegen eine Bevorzugung der Direktbanken und eine Bestrafung der Beratung, wie sie die Sparkassen leisten.

Kriterien für eine richtige Einordnung landwirtschaftlicher Betriebe brachten Claus Stopka von der Sparkasse Nordhorn und der Vechtaer Landvolkvorsitzende Norbert Meyer den gut 350 Zuhörern nahe. Dabei wurde deutlich, dass die Kreditvergabe an Landwirte sich von der Objektfinanzierung, wie dem Stall, zur Subjektfinanzierung gegenüber dem landwirtschaftlichen Unternehmer gewandelt hat. Bei den heutigen Strukturen seien Investitionen zudem häufig mit „Sprüngen“ in der Entwicklung verbunden. Landwirte müssten gegenüber dem Kreditgeber ihre Strategien und Unternehmensziele kommunizieren, aber auch Krisen einplanen. Im Kreditgespräch sollten Betriebsleiter konkrete Daten vorlegen, Entscheidungen begründen, Ziele schließlich aber auch erreichen, sagte Sko-pa. Die landwirtschaftlichen Kreditberater der knapp 1.200 Sparkassen, jede zweite hat immerhin einen Agrarberater, müssen sich im Gegenzug in landwirtschaftliche Bilanzen und die Besonderheiten der Agrarmärkte eindenken. Als eine führte Norbert Meyer den Schweinezyklus an: „Manchmal verdient ein Schweinemäster soviel wie ein Sparkassendirektor, mal soviel wie ein Kreditberater, manchmal aber auch nur Hartz IV“.

Von der Weltkonjunktur als Taktgeber der Agrarmärkte sprach Folker Hellmeyer. Der Chefanalyst der Bremer Landesbank sah auf den Agrarmärkten natürliche Grenzen, Wachstum gebe es aber durch ungebrochene Produktivitätsfortschritte, die allerdings höhere Kosten verursachten. Er erwartete schärfere Auseinandersetzungen um die Nutzung der Rohstoffe, sie würden die Preise treiben. Die Teilnehmer auf den Agrarmärkten müssten sich stärker im Export engagieren und sich sowohl gegen die Risiken des Finanzmarktes als auch die der Politik wappnen, empfahl der Banker und versprach dem Agrarforum einen weiter hohen Trend für Agrarrohstoffe! 
 
 
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