Familie Bauer Uwe- plötzlich berühmt

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Die Kuppelshow "Bauer sucht Frau" sorgt für Rekordeinschaltquoten. Doch wie ist es, wenn man dort mitmacht? Die LAND & Forst besuchte einen Teilnehmer aus Niedersachsen, der in der Show sein Glück gefunden hat.

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Uwe fand seine Iris mit Hilfe der Kuppelshow "Bauer sucht Frau". Zurzeit läuft der Umzug.
Der Angriff kommt ganz plötzlich. Ein kräftiger Mittvierziger zerrt heftig an Uwes Ärmel, so dass er sich umdrehen muss. "Mensch, bist Du nicht der aus dem Fernsehen? Der Bauer?" Uwe nickt und grinst dem Rotgesichtigen entgegen. Der ist für einen Moment sprachlos, kramt dann sein Smartphone aus der Hosentasche. "Kann ich Dich mal fotografieren?" Uwe bleibt freundlich und lächelt in die Kamera. Sein Fan zieht zufrieden ab.

Tatort EuroTier. "Bauer Uwe" ist mit einem Bus voller Berufskollegen nach Hannover gekommen. Auf der Messe möchte er sich nach Neuheiten für seinen Schweinestall umschauen. Denn schließlich mästet er 2.000 Tiere. Doch dazu kommt er kaum. Denn Uwe ist berühmt.

In der siebten Staffel der RTL-Show "Bauer sucht Frau" fand er sein Liebesglück. Knapp acht Millionen  Zuschauer verfolgten Woche für Woche, wie Iris aus Bayern zu Uwes Traumfrau wurde. Dabei war zuerst auch noch Charlyn, eine Sozialpädagogin aus Oberfranken, im Rennen. "Das gehört zum Konzept", weiß der 43-Jährige. Genauso wie viele andere Dinge. "Bauer Uwe" hat in der Sendung keinen Nachnamen und wird zu Beginn der Staffel 2011 als "sanfter Schweinebauer" aus dem Emsland vorgestellt.
Seinen Berufskollegen mag das komisch vorkommen. Seit zwei Jahren ist er nämlich Vorsitzender des Landvolks Dötlingen, vorher war er zwölf Jahre Stellvertreter. In dieser Funktion sitzt er auch im Kreisvorstand des Landvolks Oldenburg. Deshalb sprechen ihn dort alle mit Uwe Abel an.
Ungewohnte Einsamkeit

Er lebt in einem 44-Seelen-Dorf bei Dötlingen. Besucher kommen auf der Zufahrt an einem Sportheim, einer Hundeschule und einem Tischler vorbei. Eine Handvoll Häuser und Höfe reihen sich auf den ersten 100 Straßenmetern aneinander, dann folgen nur noch Wiesen und Felder so weit das Auge reicht.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass Uwe hier trotz der vertrauten Umgebung einsam war. Schließlich hat er kurz hintereinander seine Eltern und Großeltern verloren, die mit auf dem Hof lebten. Danach strukturierte der Landwirt seinen Betrieb um - statt Milchvieh setzt er nun voll auf Schweinemast. Ein neuer Stall wurde gebaut. Doch alles Rackern half nicht gegen die ungewohnte Einsamkeit.

Freunde schlugen ihn bei der Kuppelshow vor. Und RTL biss an. "Er saß da so einsam und so traurig. Da ging mir einfach das Herz auf", erinnert sich Iris (44). Sie ist von Anfang an ein Fan von "Bauer sucht Frau", weil die Sendung "so romantisch und nett ist." Bestimmt 100 Mal sieht sie den Trailer mit Uwes Vorstellung im Internet an, bevor sie die Bewerbung schreibt.

Nach einem Telefoninterview folgt ein Brief direkt an Uwe. Dem fällt sofort der liebevoll gestaltete Umschlag mit Schweinchenmotiv auf. Außerdem entspricht die gebürtige Rheinländerin äußerlich seinen Vorstellungen. Er mag nämlich Frauen, die "lieber fünf Kilo mehr auf den Rippen haben, als zu wenig".

Iris wird zum Casting nach Berlin eingeladen. Da die Sachbearbeiterin den Ablauf der Sendung genau kennt, stellt sie ihrerseits Bedingungen: Keine Aufnahmen im Badeanzug, keine Szenen im Nachthemd. Die Produktionsfirma beißt trotzdem an - schließlich will Uwe "seine" Iris kennen lernen.

Auch Uwe war es wichtig, nicht als "doofer Klischeebauer" gefilmt zu werden. "Wir haben auf unsere Dialoge geachtet, um keine Steilvorlagen zu geben", sagt er rückblickend. Die Produktionsfirma hat die Gesprächsinhalte ebenso wenig vorgegeben wie die Kleidung. "Man hat es selbst in der Hand, wie man sich darstellt", sagt Iris. Beiden ist allerdings völlig klar, dass am Ende die Einschaltquote zählt. Und für die passende Dramaturgie werden aus sechs Stunden Filmmaterial am Ende nur 1:45 Minuten Sendezeit herausgeschnippelt.

Im Sommer wird geheiratet

Hausbesuch bei Uwe. Im Wohnzimmer stehen Kartons herum. Iris hat ihre Wohnung in München bereits aufgelöst. Bald zieht sie endgültig auf den Hof. Bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. Eine neue Küche ist bestellt, Fliesen ausgewählt, der Maler terminiert. Iris kommt gerade von der Anprobe. Auf die Frage, ob es sich um "das Kleid" handelt, lächelt sie nur verschmitzt und greift über den Tisch nach Uwes Hand: "Auf jeden Pott passt ein Deckel."
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