Hof- und Dorfleben Bauern begeistern 500.000 Besucher

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Der große Einsatz hat sich gelohnt: Mehr als 500.000 Besucher haben sich am Sonntag auf 105 Höfen im ganzen Land einen Einblick in moderne Landwirtschaft verschafft.

Die Anstrengungen der Betriebsleiter und ihrer vielen Helferinnen und Helfer zur Vorbereitung des Tages wurden von dem großen Interesse belohnt, zumal auch das Wetter hielt. Die positive Resonanz ist Ansporn zugleich und belegt: Die Landwirtschaft ist das Herz des ländlichen Raumes.

Wührden „Was bedeutet denn nun die Nummer?“, Ministerpräsident David McAllister will es genau wissen. Christoph Garbade hält die Rote Zora, die Leitkuh in der Herde, und erklärt den Aufdruck der Ohrmarke als Personalausweis für Rinder: DE für Deutschland, 03 für Niedersachsen, Betriebsnummer und eine fortlaufende Nummer. In dem 55 Einwohner zählenden Dorf am Stadtrand von Bremen steht die Milchviehhaltung im Mittelpunkt. Das mobile Melkhus des Landvolk-Kreisverbandes Osterholz besteht seine erste Bewährungsprobe. Landvolkvorsitzender Reinhard Garbade hat das ganze Dorf mobilisiert. Diese Gemeinschaftsleistung rückt Pastorin Katharina Ziegler im Eröffnungsgottesdienst auf dem Hof Lindemann einfühlsam in den Mittelpunkt ihrer Predigt und erkennt zudem an: Dorfleute leben nahe dran an Gottes Schöpfung.

Hurrel Es war eine Idee der Bürger von Hurrel, dass ihr Dorf im Landkreis Oldenburg, das auch immer wieder am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilgenommen hatte, diesmal landwirtschaftliche Betriebe zum „Tag des offenen Hofes“  für Besucher öffnet.  „Zwei Betriebe erschienen uns dafür besonders geeignet“, so Jürgen Seeger vom Kreislandvolk Oldenburg, während Hunderte von Besuchern sich bei Mittagsimbiss und Kuchen auf dem Betriebsgelände und in der Scheune von Schwarting sichtlich wohlfühlten: der Betrieb von Heino und Karin Schwarting und der Betrieb von Erwin und Christa Haverkamp.

Zusammen konnten die engagierten Landwirte den Besuchern Einblicke in die Rinder- und Schweinemast sowie Milcherzeugung geben. Wer noch nie Milchschafe und Milchziegen oder einen Melkstand für diese gesehen hatte, konnte dies bei Haverkamps tun. Haverkamps nutzten den Tag des offenen Hofes, um das 20jährige Bestehen ihrer Hofkäserei zu feiern - besser gings nicht. Mit Fahrrad, Kutsche, Trecker oder zu Fuß konnte man gut zwischen den Betrieben hin- und herkommen.

Sehr interessant waren auch die Einblicke in die Legehennenhaltung von Schwarting. In ausgestalteten Käfigen werden die Hennen gehalten, die die Eier für die Direktvermarktung liefern. Und der Eierverkauf läuft gut, auch an diesem Sonntag. „Meine Mutter hat insgesamt 300 Kunden, die sie direkt beliefert, der Rest der Eier geht auch über die Genossenschaft“, schilderte Heiko Schwarting das Engagement der gesamten Familie, immer einen guten Draht zum Kunden zu haben, nicht nur an diesem Sonntag.

Carolinensiel Ostfriesentee mit Kluntjes und Sahne und leckere Torten bekamen die Besucher auf dem Kleehof von Gesa und Hermann Becker in Carolinensiel (Landkreis Wittmund) von den Landfrauen serivert. Familie Becker stellte ihre moderne Milchviehhaltung mit modernem Melkroboter, die Aufzucht von Jungtieren und den Ackerbau, unter anderem mit Pflanzkartoffelvermehrung, vor. Im Landfrauen-Café waren rund 40 Frauen im Einsatz: Vormittags aus den Ortsvereinen Altfunnixsiel und Leerhafe, nachmittags aus Ardorf und Wittmund. „Wir haben gut 70 Torten gebacken und verkauft“, berichtete Hildegard Wilken, die den Landfrauenverein Altfunnixsiel leitet.

Gnarrenburg Vom Kreisverband Bremervörde öffneten der Milchhof Kück und der Kartoffelhof Böttjer ihre Ställe und Scheunen. Mit von der Partie war zudem der Historische Moorhof in Kombination mit einem Handwerkermarkt. Von dort aus gab es auch Führungen auf dem Moorerlebnisfahrt. Besonderen Anklang fand das Torfstechen. Der Moorhof wurde vom Heimatverein restauriert und als Museum eingerichtet. Interessierte konnten eintauchen in das harte und Alltagsleben einer Moorbauernfamilie.
Bei Böttjer wurde die Erzeugung von Kartoffeln in allen Produktionsschritten dargestellt. Der Landwirt bewirtschaftet einen Milch- und Ackerbaubetrieb. Unter dem Motto „Rund um die tolle Knolle“ gab es in der Kartoffelhalle Infos über den Kartoffelanbau im Hochmoor. Angebaut wird die „Königin der Salatkartoffeln“, Sieglinde.

Auf dem Hof Kück gab es ab 10 Uhr einen Gottesdienst. Danach standen den ganzen Tag über neben den Tieren die gläserne Molkerei und das Bauernhofklassenzimmer im Mittelpunkt. 1992 startete Kück mit der Erzeugung von Milchprodukten. Der Betrieb hat einen Molkereistatus und produziert Vorzugs- und  Vollmilch, Milchgetränke, Joghurt, Trinkjoghurt und  Buttermilch. Zu den Kunden zählen 150 Kindergärten und Schulen, über 600 Privathaushalte und einige Firmen. Demnächst soll mit der Herstellung von Quark und Käse begonnen werden.

Seit einem Jahr befindet sich auf dem Hof ein „Klassenzimmer“ mit direktem Blick in die eigene Molkerei. Nach dem Motto „Die Milch - vom Gras ins Glas“ können hier die Produktionsschritte live verfolgt werden. Geschultes pädagogisches Fachpersonal steht zur Anleitung zur Verfügung.

Dalum Bei Familie Otten in Dalum, Landkreis Emsland, kam die Freiwillige Feuerwehr schon mittags kaum mehr nach beim Einweisen der Parkplätze. Bis abends waren es dann über 8.000 Gäste. Darunter waren auch viele Berufskollegen, die sich insbesondere für eine Neuheit interessierten: Familie Otten setzt in ihrer Biogasanlage seit einigen Wochen Zuckerrübenmus ein, das in einer 8.000-qm-Lagune gelagert wird. Der Vorteil für die Biogaserzeugung: die breiige Masse wird direkt in den Fermenter gepumpt, automatisiert und je nach Bedarf. Der Vorteil für Fruchtfolge und Landschaftsbild: die Zuckerrübe ist eine Alternative zum Mais.

Großen Andrang gab es auch im Hähnchenstall: Familie Otten hat einen Besucherraum eingerichtet, große Fensterscheiben ermöglichen einen Blick in den gesamten Stall. Dieser Besucherraum bleibt dauerhaft, hiermit soll auch künftig Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden.

Sprakensehl Familie Röling-Müller im Sprakensehler Ortsteil Masel hatte sich lange und gründlich bei Berufskollegen umgesehen, bevor sie den seit langem gehegten Plan umsetzte: Sie lud für das Landvolk Gifhorn-Wolfsburg auf ihren Hof mit Ackerbau und Pferdehaltung ein. Sehr viel Mühe hatte die Familie darauf verwendet, Informationen über ihre Arbeit zu vermitteln. So klebte an jeder Maschine eine kurze Erklärung, was sie leistet und wofür sie gebraucht wird. Präsentationen mit den eigenen Pferden sorgten für Gedränge an der neuen Reithalle. Landwirtschaftsminister Gert Lindemann, der den Vormittag hier verbrachte, hob besonders den Umstand hervor, dass der Betrieb mit drei Nachbarn kooperiert und sich dadurch auch im Feldbau alle Chancen offen hält. Gemeinsam baut man auf über 420 ha Getreide, Raps, Kartoffeln und Rüben an.

Hoogstede Schon zur Tradition geworden ist es in der Grafschaft Bentheim, am Tag nach dem eigentlichen Tag des offenen Hofes Schulen und Kindergärten einzuladen. In diesem Jahr konnte das Landvolk 535 Kinder von vier verschiedenen Grundschulen der Samtgemeinde und 75 Kindergartenkinder auf dem Hof von Familie Scholten-Meilink in Hoogstede  begrüßen. Fachschüler der einjährigen Fachschule Agrar der Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schule in Nordhorn unterstützen die Familie und erklärten den Kids die moderne Landwirtschaft.
 
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