Mais Der Preis für Silomais

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Die Nachfrage nach Silomais dürfte in diesem Jahr besondere Impulse bekommen. Rinderhalter müssen Ertragseinbußen beim Grünlandaufwuchs kompensieren und Betreiber von Biogasanlagen haben kräftig aufgestockt. Der folgende Beitrag zeigt, dass der Preis für Silomais dennoch Grenzen hat, da dieser nicht alternativlos ist.

Der Preiskorridor für Silomais wird von seinem Erzeugerwert und seinem Substitutionswert eingegrenzt. Foto: Raupert
 
?Stehend, ab Feld?, so lautet die gängige Verrechnungsgröße für Silomais. Etwas uneinheitlicher sind die Vorstellungen hinsichtlich dessen Preiswürdigkeit, da hier naturgemäß die Interessen auseinandergehen. Der Anbieter bzw. Verkäufer möchte einen Preis erzielen, mit dem er mindestens die Anbaukosten für den Silomais abdecken kann. Darüber hinaus interessiert ihn aber die beste Verwertung, nämlich die Frage, ob er den Mais als Silomais verkaufen oder alternativ besser Körnermais ernten soll. Der Nachfrager bzw. Käufer wird maximal bereit sein, den Preis zu bezahlen, den er für den Einsatz alternativer Produktionsmittel bezahlen muss. Der Preiskorridor für Silomais wird demnach von seinem Erzeugungswert und seinem Substitutionswert eingegrenzt.
 
Keine Preisvorgaben
 
Die Berechnungen dienen der Orientierung, sie stellen weder eine Marktanalyse, noch eine Preisvorgabe dar. Die Zahlen dienen der Illustration, auf jedem Einzelbetrieb sieht die Kalkulation anders aus. Große Unterschiede bestehen beispielsweise bei den Düngungskosten, den Kosten der Arbeitserledigung, den Flächenkosten usw. Es wird auch kein Bezug auf die absolute Verwertung genommen, also auf die Frage, ob bei derzeitigen Milch- oder Rindfleischpreisen die Zahlung entsprechender Preise sinnvoll ist. Wichtiger Hinweis: Im Folgenden werden aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit alle Werte netto, also ohne Mehrwertsteuer, dargestellt.
 
Um den Bruttopreis zu erhalten, müssen Pauschalierer 10,7 % und Regelbesteuerer 7,0 % MWSt. beim Verkauf hinzurechnen. In Tabelle 1 sind für fünf Ertragsstufen die Erzeugungskosten für Silomais dargestellt. Hierbei wurden die Düngungskosten nach Entzug auf Mineraldüngerbasis angesetzt. Es errechnen sich bei diesen Werten je nach Standort (350 bzw. 650,- ?/ha Flächenkosten) notwendige Mindesterlöse für den Silomaisverkauf ab Feld von 1.000 bis 1.392 ?/ha. Der Verkäufer hat die Option, den Aufwuchs als Körnermais zu ernten und zu verkaufen. Abhängig von der Ertragsstufe müssten bei gleichen Kostenansätzen Nettoerlöse zwischen 20,89 ?/dt und 13,91 ?/dt Körnermais erzielt werden, um in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Silomaisverkauf gleichzuziehen (siehe Tabelle 2).
 
Aus Sicht des Käufers stellt sich die Frage: Lohnt sich der Zukauf von Mais oder können die notwendigen Zukaufsanteile besser durch andere Futtermittel ersetzt werden? So kann beispielsweise statt Silomais mehr Getreide in Verbindung mit Stroh oder Trockenschnitzeln eingesetzt werden. Werden zum Beispiel 10 kg Silomais aus der Tagesration einer Milchkuh mit 25 kg Tagesleistung durch 2,1 kg zusätzlichen Weizen und 1,4 kg Futterstroh ersetzt, so fallen für Weizen und Stroh je Kuh täglich 51 Cent an. Dies entspricht einem Vergleichspreis für Silomais frei Trog von 5,10 ?/dt. Um auf die Verrechnungsgröße ?Stehend, ab Feld? zurückzurechnen, müssen von diesem Wert die Kosten für Ernte, Lagerung und Verluste abgezogen werden.
 
Analog verfährt man in der Bullenmast. Es ergeben sich somit Preise für Silomais ab Feld je nach Ertragsstufe zwischen 3,42 und 3,96 ?/dt, wenn es um den Vergleich mit Weizen in der Fütterung geht. Die Ergebnisse werden in Tabelle 3 dargestellt. Nährstoffanalysen helfen In diesem Jahr ist beim Mais hinsichtlich Ertrag und Qualität mit erheblichen Differenzen zu rechnen. Käufer und Verkäufer sind auf der sicheren Seite, wenn der Silomais gewogen und auf Nährstoff- sowie Trockensubstanzgehalt untersucht wird. Die Zusammenstellung von Futterrationen für die Tiere wird dadurch erheblich erleichtert und die Preisfindung wird auf eine sichere Basis gestellt.
 
Langfristig anders rechnen
 
Die bisherigen Überlegungen beziehen sich auf den Silomais, der aktuell zum Verkauf steht. Wer langfristig Silomais anbauen und anbieten möchte, muss anders rechnen. Hier kommt es darauf an, dass mit dem Silomaisverkauf nicht nur die eigenen Erzeugungskosten, sondern auch der Überschuss der durch den Silomais in der Fruchtfolge verdrängten Kultur abgedeckt wird. Vereinfacht gesagt: Die Kulturen treten in Konkurrenz zueinander. Dies hat zur Folge, dass der Silomais in einem klassischen Weizenanbaugebiet mit höheren Nutzungskosten zu kämpfen hat als ein Silomais, der in für Mais prädestinierten Niederungslagen vermarktet werden soll.
 
In Tabelle 4 ist am Beispiel des Stoppelweizens dargestellt, welchen Preis Silomais in Abhängigkeit von seiner Ertragserwartung erzielen muss, um die Konkurrenzfrucht je nach Ertrags- und Erlöserwartung verdrängen zu können. Die richtige Vorgehensweise zur Preisfindung soll an einem fiktiven Beispiel erläutert werden: Ackerbauer Willi Krume hat 10 ha überschüssigen Silomais anzubieten. Er schätzt den zu erwartenden Ertrag auf ca. 600 dt/ha bei 30 % Trockenmasse. Seine Betriebszweigauswertung weist für den Silomais bis zur Ernte Erzeugungskosten von 1.369 ?/ha aus. Dies ist seine Mindestforderung, um alle bis hierher anfallenden Kosten abdecken zu können.
 
Für Körnermais wird ihm schon jetzt ein Preis von 20 ?/dt geboten. Nach Abzug der zusätzlichen Ernte-, Transport- und Trocknungskosten verbliebe bei einem Körnermaisertrag von 110 dt/ha ein Überschuss von 305 ?/ha. Wenn diese Alternative wirklich besteht, sollte die Forderung für Silomais 1369 plus 305 gleich 1674 ?/ha bzw. 2,79 ?/dt betragen. Die Nachfrageseite wird die Alternativen zum Silomais prüfen und eigene Berechnungen anstellen. Im nächsten Jahr will Bauer Krume nur dann Silomais anbauen und verkaufen, wenn er gegenüber dem Weizenanbau keine Einbußen zu befürchten hat. Auf seinem Standort sind regelmäßig 90 dt Weizenertrag zu erwarten. Er kann schon jetzt für die nächste Ernte einen Weizenpreis von 18 ?/dt absichern. Demnach muss er für 1 ha Silomais 1554 ? erzielen, das entspricht bei 600 dt Ertrag einem Mindestpreis von 2,59 ?/dt. Wenn es ihm nicht gelingt, zu diesen Konditionen einen Abnehmer zu finden, wird er auf den Maisanbau verzichten.
 
Fazit
 
Die Preisfindung von Silomais wird von vielen Faktoren beeinflusst. Seine Alternativen bestimmen den Korridor. Die Eckpunkte setzt hier der Weizen, da er sowohl in der Fütterung als auch in der Fruchtfolge konkurrieren kann. Darüber hinaus gibt es weitere Aspekte, die die Überlegungen beeinflussen. So wurde hier aus Vereinfachungsgründen z. B. nicht auf Futterrationen, Vorfruchteffekte, Arbeitsspitzenentzerrung, Risikosplitting, Eigenmechanisierung, Energiemais mit Substratrückführung usw. eingegangen. Letztendlich gilt: Käufer und Verkäufer müssen anhand der betriebsindividuellen Gegebenheiten ihren eigenen Verhandlungsspielraum ausloten.
 
 
{BILD:61202:png} Tab. 1:    Kosten, die der Verkäufer decken muss
 
 
{BILD:61202:png} Tab. 2:    Körnermais als Alternative
 
 
{BILD:61202:png} Tab. 3:    Was Silomais ab Feld kosten darf
 
 
{BILD:61202:png} Tab. 4:    Silomais oder Weizenanbau
 
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