Aus den Regionen Welcher Strohpreis ist angemessen?

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Vor zwei Jahren stieg der Strohpreis mangels Verfügbarkeit qualitativ guter Partien stark an, im letzten Jahr fiel er zwar wieder ab, hielt sich aber durch die hohen Nährstoffersatzkosten weiterhin auf überdurchschnittlichem Niveau. Wer jetzt einen angemessenen Preis kalkulieren will, sollte das nachfolgende Schema anwenden.
 
Basis für die Preisfindung beim Strohverkauf war bislang meist der Wert für die mit dem Stroh abgefahrenen Nährstoffe, auf die bei Verkauf als Ballen vom Feld, bzw. sogar aus dem Lager dann noch die oft nur gefühlten Maschinenkosten hinzu gerechnet wurden. In den letzten Wintern wurde plötzlich von dem gewohnten Verfahren abgewichen. Viele hatten sich offenbar darauf verlassen, sie könnten – so wie eigentlich immer - Stroh auch später noch günstig kaufen und die Verkäufer auf den Lagerkosten sitzen lassen. Da aber während und nach der Ernte 2007 die Bedingungen für die Strohbergung ungünstiger als üblich waren, wurde wohl doch nicht so gut vorgesorgt wie sonst; warum auch – am Strohverkauf war ja bislang nicht gerade gut zu verdienen.
 
Der nachfolgende Beitrag bleibt zwar auch auf der kostenorientierten Kalkulationsebene für die Ermittlung eines angemessenen Strohpreises, da sich aber die Nährstoff- und die Maschinenkosten doch deutlich geändert haben, kann auch hier die Kenntnis aktueller Zahlen nicht schaden. Nur so lässt sich vermeiden, das Stroh unter Fortschreibung der bisherigen Beträge aufgrund der gestiegenen Nährstoff- und Maschinenkosten nunmehr deutlich unter einem kostendeckenden Ansatz abgegeben wird.
 
Stroh ab Feld wird günstiger
 
Wer sich mit der Strohbergung nicht zusätzlich belasten möchte, weil er in der Zeit ohnehin durch Arbeitsspitzen gut ausgelastet ist und mangels eigenen Strohbedarfes sowieso nicht mehr über entsprechende Bergetechnik verfügt, kann das Stroh – wie bereits vielfach üblich – ab Feld zum „selber Pressen“-Preis verkaufen. Dennoch sollte er sich zumindest den Wert der durch die Abfuhr entzogenen Nährstoffe erstatten lassen.
 
Die pauschale Festlegung der Nährstoffgehalte gestaltet sich schwierig, da Untersuchungsergebnisse hier Streubreiten von bis zu 100% in Abhängigkeit von Düngungsverhalten in den letzten Jahren, der Fruchtfolge und auch der Bodenart ausweisen. Ausgehend von den in der Übersicht 1 dargestellten Pauschalwerten für die angenommenen durchschnittlichen Nährstoffentzüge von 5,5 kg Stickstoff, 3,5 kg Phosphat, 18 kg Kaliumoxid und 2,5 kg Magnesiumoxid pro t Stroh und einer durchschnittlich geborgenen Strohmenge von 4,5 t pro Hektar ergeben sich z. T beträchtliche zusätzliche Nährstoffentzüge, die zu bewerten und auch auszugleichen sind. Diese Entzüge machen sich zwar sicher nicht sofort, aber vermutlich bereits mittelfristig über den verringerten Bodenvorrat in Form von Ertrags- und/oder Qualitätseffekten bemerkbar, so dass ein Ausgleich, z. B. über entsprechende Zufuhren an mineralischen Düngern, sinnvoll erscheint. Werden dafür in einer am unteren Limit orientierten Bewertung die Kosten der preiswertesten mineralischen Düngemittel in Ansatz gebracht, so beläuft sich allein der Nährstoffwert auf 22,79 €/t Stroh und damit bei 4,5 t Strohentzug pro Hektar schon auf über 102 € pro Hektar. Wer dann auch noch etwas daran verdienen will (15% Gewinnaufschlag), muss seinen Verkaufspreis schon mit 115 bis 120 €/ha kalkulieren.
 
Wer diesen Ausgleich des Nährstoffentzuges dann auch tatsächlich über eine zusätzliche Mineraldüngung vornimmt, kann pro Arbeitsgang weitere 10,50 €/ha für Maschinenkosten und Lohnansatz berücksichtigen.
 
Wenn der Strohentzug zu Vereinfachungen in der Bewirtschaftung führt und damit eventuelle Kosteneinsparungen im Maschinenbereich (Verzicht auf den Strohhäcksler am Mähdrescher und leichtere Einarbeitung der Ernterückstände mit jeweils ca. 10 €/ha) oder beim Pflanzenschutz (Verzicht auf eine Fungizidmaßnahme im Anbau von Getreide nach Getreide, ggf. ca. 30 €/ha) verbunden ist, könnten diese Einsparungen vielleicht gegen gerechnet werden. Dies sei aber hier der individuellen Einzelfallbeurteilung überlassen. Aber selbst im Fall der vollständigen Anrechnung dieser Vorteile dürfte der Hektar Stroh nicht unter 80 €/ha abgegeben werden. Dem stehen manchmal aber auch Nachteile gegenüber. Nach Regenperioden kann die Bergung Bodenverdichtungen und höhere Arbeitserledigungskosten für die nachfolgenden Arbeitsgänge verursachen. Wenn der Aufkäufer mit Ernte und Bergung nicht nachkommt und defekte Ballen auf der Fläche einfach liegen lässt, erschwert oder verzögert dies die Stoppelbearbeitung. Da einige Landwirte immer noch auf die Bezahlung der letzten Ernte warten, haben sich Vorkasse bzw. Barzahlung bei unbekannten Geschäftspartnern wieder mancherorts bewährt.
 
Berge- und Bringservice nur gegen Aufpreis
 
Diejenigen, die noch über freie bzw. zusätzlich beschaffbare Arbeitskapazitäten und eigene Technik zur Strohbergung verfügen, sollten diese zur besseren Auslastung auch entsprechend zum Einsatz bringen und das Stroh in einer höherwertigeren Aufbereitungsstufe anbieten. Dabei sind prinzipiell alle Zwischenstufen der Kette bis hin zur Lagerung und termingerechten Anlieferung an den Abnehmer denkbar. Um die unterschiedlichen Möglichkeiten darzustellen, ist der Aufbau der weiteren Kostenermittlung in der Übersicht 1 so angelegt, dass jederzeit eine Zwischensumme gebildet werden kann, um den an dieser Stelle notwendigen Mindestpreis zu ermitteln.
 
Der Vollkostenansatz für das „Stroh pressen“ basiert auf den Kosten einer „normalen“ Quaderballenpresse inklusive des Lohnansatzes (hier: 16,50 €/AKh für 0,34 AKh/ha) und verteuert das Stroh um 58,35 €/ha bzw. ca. 13 €/t. Das Aufladen per Teleskoplader mit Ballenzange wird mit 0,45 AKh/ha veranschlagt und schlägt mit Vollkosten von 19,53 €/ha zu Buche. Dies bedeutet, dass für „Stroh gepresst und aufgeladen“ mindestens 180 €/ha fällig werden, um eine Kostendeckung zu erreichen.
 
Soll das Stroh dann auch noch gebracht werden, so erhöht sich der Kostensatz bei 5 km Transportentfernung um weitere 16,55 €/t bzw. 75 €/ha (32 €/ha + 43 €/ha für Schlepper und Anhänger in Parallelfahrt beim Aufladen bzw. für den eigentlichen Transport). Weitere Entfernungen sollten bei Schleppertransport mit ca. 0,84 €/t und zusätzlichem Entfernungskilometer in Ansatz gebracht werden. Gegenüber dem letzten Jahr sind auch hier die Kosten rückläufig, da der Diesel nun nicht mehr mit 1,50 €/l sondern nur noch mit 1,15 €/l kalkuliert werden muss.
 
Inklusive maschinellem Abladen (z. B. bei eigener Einlagerung) steigen die Kosten um weitere 3,47 €/t bzw. knapp 16 €/ha. Nun sind am Lager des Kunden schnell schon mehr als 300 €/ha notwendig, um die Kostendeckung zu erreichen. Wer also 4,5 t Stroh direkt vom Feld anliefert, sollte, um daran auch noch etwas zu verdienen, etwa 305 €/ha dafür berechnen (68 €/t). Es ist noch gar nicht lange her, dass für diesen Preis zumindest Roggenkorn zu haben war.
 
Das Lagern mit berechnen
 
Bei Kartoffeln und Getreide machen es alle: In der Ernte wird das Produkt günstiger verkauft als zu späteren Terminen, weil zusätzlich Kosten für die Lagerung anfallen. Beim Stroh ließen sich aber in der Vergangenheit nicht immer höhere Preise für gelagerte Ware erzielen, weil viele Landwirte in abgeschriebenen Altgebäuden eingelagert haben und hier sogar auch noch den Zinsanspruch für das gebundene Kapital vernachlässigen.
 
Für Stroh, dass 6 Monate in einer einfachen Halle gelagert wurde, steigen die Kosten um weitere 35 €/t, die für Abschreibung, Zinsansatz, Versicherung und Unterhaltung, aber auch für (geringe) Verluste und Zinsaufwand für das länger gebundene Umlaufkapital berechnet werden sollten.
 
Eine Feldrandlagerung der Strohballen kommt zwar trotz höherer Ansätze für Verluste (hier: 9%) mit 16,19 €/t an zusätzlichen Kosten deutlich günstiger, dafür leidet aber die Qualität etwas stärker, so dass derart gelagertes Stroh nicht mehr überall Verwendung finden kann und insbesondere von den Pferdehaltern als sehr wichtige Kundengruppe wegen der höheren Staubbelastung verschmäht werden.
 
Wer gutes (also in der Halle) abgelagertes Stroh verkaufen will, muss dafür inzwischen mindestens 90 €/t verlangen, wenn er eine vollständige und umfassende Kostenberechnung durchführt und außer seinen Kosten auch noch einen kleinen Zuschlag für seinen Einsatz und das Risiko erhalten will.
 

Übersicht 1:  Vollkostenkalkulation für Stroh in Quaderballen

Strohwert bei einem Ertrag von:  4,5 t/ha
EUR/ha
EUR/t
N
5,5 kg/t
 
25 kg/ha
0,69 EUR/kg
17,04
3,79
P2O5
3,5 kg/t
 
16 kg/ha
0,57 EUR/kg
9,00
2,00
K2O
18,0 kg/t
 
81 kg/ha
0,78 EUR/kg
63,14
14,03
MgO
2,5 kg/t
 
11 kg/ha
1,19 EUR/kg
13,39
2,98
Nährstoffersatzwert ab Feld
 
 
 
 
102,56
22,79
Mineraldüngerausbringung
 
 
 
0,15 AKh/ha
10,48
2,33
Stroh pressen
 
 
 
0,34 AKh/ha
58,35
12,97
Strohballen laden
Teleskoplader
 
0,45 AKh/ha
19,53
4,34
 
Schlepper+Anhänger
0,45 AKh/ha
24,36
5,41
5 Entfernungs-km fahren
20,5 km/h
 
 
0,43 AKh/ha
34,51
7,67
abladen
 
 
 
0,27 AKh/ha
15,62
3,47
Bereitstellungskosten
frei Lager
reine Kostendeckung
265,41
58,98
inkl. 20
% Gewinnaufschlag
305,22
67,83
Zuschlag für jeden zusätzlichen Entfernungs-km
0,05 AKh/ha
3,77
0,84
Zuschlag bei vorheriger Lagerung für 6 Monate in
Halle
158,78
35,29
Feldrandlager
72,84
16,19

 Quelle:  Eigene Berechnung z. T. nach KTBL;  Ansätze: 16,50 €/AKh, 1,15 €/l Diesel (inkl. 1% Öl)

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