Rind Zeit sparen mit dem neuen Melkstand

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Jede Melkzeit dauerte drei Stunden und das bei lediglich 80 Kühen. So entschieden sich Uwe und Henning Herbst aus Gelliehausen, Landkreis Göttingen, vor drei Jahren, ihren Melkstand umzubauen.

Wo vorher sechs Kühe standen, werden nun 18 Tiere gemolken.
Die beiden Cousins schlossen sich 1995 zur Herbst GbR zusammen. Jetzt bewirtschaften sie gemeinsam den Milchviehbetrieb mit rund 100 Kühen, der weiblichen Nachzucht, 55 ha Grünland und 135 ha Acker. 1998 erweiterten sie den Boxenlaufstall auf 150 Plätze, so hatte auch das Jungvieh Platz im Stall. Gemolken wurde im Doppel-3er-Auto-tandem. Nicht nur die langen Wege waren ein Problem, erzählen die beiden Milcherzeuger.

Mit steigender Milchleistung dauerte auch die Melkzeit mit jeweils rund 3 Stunden zu lange, der Melker war nicht ausgelastet. 2010 beschlossen sie, den Melkstand umzubauen. "Zu der Zeit lag der Milchpreis bei gerade mal 20 Cent, daher sollte der Umbau vor allem kostengünstig sein", berichtet Uwe Herbst. Und Henning ergänzt: "Wir wussten genau, wie wir es wollten, aber bei den technischen Details und dem Vergleich der verschiedenen Firmen-Angebote haben wir uns Unterstützung von Dr. Michael Hubal, Berater bei der LWK  Niedersachsen geholt."

Platz optimal genutzt

Die Entscheidung fiel auf einen Doppel-9er-Parallel-Melkstand. Der passte genau auf den Platz der bisherigen Tandem-Boxen, statt sechs Plätze sind jetzt 18 auf fast der gleichen Fläche vorhanden. Die Melkzeit hat sich von drei auf eine Stunde reduziert. Die Melkgrube musste nicht umgebaut werden. Diese ist mit 1,80 m zwar schmal, reicht aber völlig aus, um bequem melken zu können. Lediglich der bisherige Technikraum mit dem Kühltank fiel dem Umbau zum Opfer, auf dieser Fläche verlässt die eine Gruppe jetzt den Melkstand. Die Frontabgrenzung des Melkstandes hebt sich dafür druckluftgesteuert senkrecht nach oben (Schnellaustrieb).

Für die Milcherzeuger ist es auch von Vorteil, dass das Melkstandgerüst freitragend ist. "Daher sind keine Pfosten in die Stand- oder Lauffläche einbetoniert. Das vermeidet Unfälle und ist für die Kühe sicherer," begründet Henning Herbst. Sind alle Plätze belegt, drückt das Frontsegment die Kühe vorsichtig ein paar Zentimeter nach hinten an die dort befestigte Kotrinne und positioniert die Kühe optimal für den Melker. Gemolken wird zu zweit. Während einer im Melkstand ist, kontrolliert und reinigt der Andere die Boxen und treibt die Kühe zum Melkstand. Da die meisten aber freiwillig kommen, hat derjenige häufig noch Zeit, im Melkstand "auszuhelfen".

Auffällig ist, wie ruhig die Tiere sind. Kein schubsen oder drängeln beim Reingehen, keine ängstlichen oder hektischen Bewegungen beim Verlassen. "Die Kühe mussten sich zwar umgewöhnen, aber nach ein paar Tagen war das kein Problem mehr, auch die letzte hatten es nach zwei Wochen raus", sagt Uwe Herbst. Schwieriger war die Umbauphase für die Menschen, erinnern sich die Landwirte. Vor dem Stallgiebel ist  eine Betonplatte. Geplant war, mit einem Weidemelkstand dort zu melken. "Wir dachten, im Sommer ist es trocken und warm, dann geht das", beschreibt Beate Herbst lachend. Henning ergänzt: "Acht Wochen hat der Einbau gedauert, sechs davon hat es geregnet. Rund um die Platte sind die Kühe im Matsch versackt."

Keine Leistungsgruppen

Eine Selektionsschleuse gibt es nicht, auch keine unterschiedlichen Leistungs-gruppen. Lediglich die trockenstehenden Kühe werden aus der Herde genommen. Damit die Färsen nach dem Kalben gut mit dem System zurechtkommen, kommen sie schon einige Wochen vor dem Kalben in die Herde. Kraftfutter gibt es im Melkstand nicht. Beim Melken werden eine Reihe Daten erfasst, darunter Bewegungsaktivität, Bluterkennung und Milchmenge. Es wird für jedes Tier ein 7-Tage-Durchschnitt der ermolkenen Milch gebildet. Wenn dieser während eines Melkvorgangs unterschritten wird, gibt der PC ein Signal. Dass das System funktioniert, zeigen die Leistungsdaten. Die abgelieferte Milchmenge liegt bei 10.300 kg/ Kuh und Jahr, bei 4,2 % Fett und 3,35 % Eiweiß.
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