Donnerstag, 24.05.2012
Frost: Gefrorene Tränken, Ackerkulturen im Stress
Kalt, kälter, Februar 2012. Seit knapp zwei Wochen hat der Frost Deutschland fest im Griff. Der macht Landwirten zu schaffen. Sie fürchten Frostschäden, Leitungen frieren ein.
Der Frost hat auch seine idyllischen Seiten.
© meisterleise/aboutpixel.de
Während Nutztiere die tiefen Temperaturen ganz gut verkraften, leidet die Technik und verschafft Landwirten zusätzliche Arbeit. Die frostigen Temperaturen sorgen auch für Unsicherheit auf den Äckern. Zwar sind die Winterkulturen kältetolerant. Die vielerorts fehlende Schneedecke gibt die Pflanzen aber dem trockenen Wind preis. Dadurch haben Ackerkulturen derzeit doppelt Stress: Frost trifft auf Trockenheit.
Viehhaltung: Tiere kälteunempfindlich, Maschinen leiden
Die Nutztiere selbst kommen mit der Kälte gut klar. Im
Gegenteil, Kühe fühlen sich bei niedrigen Temperaturen sogar wohler als
in der Wärme. Auch für Rinder und Pferde sowie Schafe und Ziegen sind
die aktuellen Minus-Temperaturen kein Problem, soweit diese Tiere im
Stall und keiner Zugluft ausgesetzt sind.
Viele Maschinen sind bei den niedrigen Temperaturen aber nur eingeschränkt
nutzbar. Das führt vielfach zu Verzögerungen bei Stallarbeiten, berichtet der Bauernverband. Außerdem müssen eingefrorene Tränken und Wasserleitungen aufgetaut werden.
"Die anhaltende Kälte geht immer tiefer in die Gebäude", berichtet Kreislandwirt Jürgen Hirschfeld der Goslarschen Zeitung.
In der Schweine- und Geflügelhaltung sind Klima- und Heizungsanlagen üblich. Zu Verzögerungen könnte es in den nächsten Tagen
hier und da beim Verkauf von Schlachtschweinen kommen, da die Tiere
wegen der Kälte nur eingeschränkt ausgestallt und transportiert werden
können. Dies könnte Preissteigerungen zur Folge haben.
Ackerbau: Zu viel Frost, zu wenig Schnee
Für eine Prognose, wie sich der Frost auf Raps und Wintergetreide auswirkt, ist es noch zu früh. Grundsätzlich verkraften Wintersaaten tiefe Temperaturen ganz gut. Vor allem Winterraps zeichnet sich durch seine Wiederstandsfähigkeit aus.
Problematisch ist jedoch die vielfach zu dünne Schneedecke. Schnee schützt die Pflanzen nicht nur vor Frost, sondern sorgt auch für die nötige Feuchtigkeit. "Schnee wärmt die Pflanzen, doch jetzt kann der scharfe Ostwind sie zusätzlich austrocknen", sagt Hirschfeld.
Gemüsebauern haben bislang kaum Probleme. Die
modernen Gewächshäuser sind für tiefe Temperaturen ausgelegt und
erlauben fast überall eine Gemüseerzeugung ohne Unterbrechung. Allerdings stiegen die Heizkosten und damit die Produktionskosten überproportional an.
Eine positive Wirkung haben die Tiefstemperaturen jedoch: Schädlingen, die bislang ganz gut durch den warmen Winter gekommen sind, geht es jetzt an den Kragen.
Gülle noch nicht ausbringen
Am 31. Januar ist die Düngesperrfrist zu Ende gegangen. Düngemittel mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff und Phosphat (auch Festmist) dürfen außerhalb der Sperrfrist nur ausgebracht werden, wenn der Boden aufnahmefähig ist, mahnt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. In vielen Regionen Deutschlands muss deshalb wegen des durchgängig gefrorenen Bodens noch gewartet werden. Verstöße sind bußgeldbewehrt und Cross Compliance relevant.
pd/ez
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