München - Vergangenen Mittwoch hat EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos die Kommissionsvorschläge zur Reform der gemeinsamen Agrarpolitik vorgestellt. Doch was sagen die Betroffenen? agrarheute.com hat nachgefragt.
Wohin geht die deutsche und europäische Agrarpolitik? Darüber diskutieren die heimischen Landwirtschaftsminister heute und morgen in Konstanz.
© oekolandbau.de
In unserer Umfrage wollten wir wissen, was Sie an der geplanten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik kritisch sehen. 670 User fühlten sich angesprochen und haben sich an der Umfrage beteiligt.
Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, soll künftig Greening auch in der 1. Säule stattfinden. Konkret bezieht sich das Greening auf drei Punkte:
- Grünlanderhaltungsgebot
- mindestens sieben Prozent ökologische Vorrangfläche auf Ackerflächen eines Betriebes
- Fruchtartendiversifikation: mindestens drei Kulturen auf
Ackerflächen mit mindestens fünf Prozent und maximal 70 Prozent Anteil
(jährlich)
30 Prozent der Direktzahlungen will die Kommission an diese Maßnahmen binden.
Diese Pläne sorgen nur bei einem kleinem Teil unserer User für Mageschmerzen: Knapp 15 Prozent sehen das Greening kritisch.
Während das Greening an sich für viele Leser noch unbedenklich ist, ändert sich die Meinung, sobald es um Flächenstillegungen - wie sie im Rahmen des Greenings vorgesehen sind - geht, gravierend:
44,5 Prozent der Umfrageteilnehmer können das nicht gut heißen.
Auch landlive-User Freigeist regt sich in unserer Community darüber auf: "Der Vorschlag von EU-Kommissar Ciolos, dass wir
in der EU 7% der bewirtschafteten Fläche stilllegen sollen, macht mich
fassungslos.
Ich frage mich, auf welchem Planteten unsere Vertreter in Brüssel leben. ... Die Vernichtung wertvoller Agrarflächen geht ungebremst weiter.
Baugebiete, Ausgleichsflächen und Zwangsstillegungen sind Ausdruck einer
satten Gesellschaft, die sich den Luxus der Bodenverschwendung leisten
kann. Die selben Organisationen, welche sich für die Landrechte
afrikanischer oder indischer Kleinbauern stark machen, fordern hier
ungeniert den 'kalten' Landentzug zum Nachteil der heimischen
Bauersfamilien.
Was muss geschehen, bis der Wahnsinn ein Ende hat?
Laut Welthungerbericht hungern 925 Mio. Menschen auf der Welt.
Das ist in Brüssel offenbar noch nicht angekommen. ..."
DWEWT ist allerdings nicht der Meinung, dass der Welthunger von zu geringen Produktionsflächen stammt und kontert: "Hunger in der Welt hat bisher nichts mit zu geringer
Produktion zu
tun."
Kaum umstritten: Deckelung der Direktzahlungen
Die Kommission plant zudem, die Direktzahlungen zu deckeln. Konkret sehen die Kappungsgrenzen folgendermaßen aus:
- 150.000 bis 200.000 Euro: 20 Prozent
- 200.000 bis 250.000 Euro: 40 Prozent
- 250.000 bis 300.000 Euro: 70 Prozent
- ab 300.000 Euro: 100 Prozent
Auch mit diesen Zukunftsaussagen können agrarheute.com-User leben: Nur 5,8 Prozent haben dagegen Bedenken.
Mäßiger Unmut gegenüber sinkenden Direktzahlungen
Landwirte in Deutschland werden aus EU-Töpfen künftig weniger Geld erhalten als bisher. Das liegt daran, dass die Direktzahlungen EU-weit angeglichen werden. Bis 2019 beträgt die Kürzung schrittweise vorraussichtlich vier Prozent.
Ein knappes Viertel unserer Umfrageteilnehmer (22,4 Prozent) steht dem allerdings kritisch gegenüber.
Ein bisschen Bedenken haben (fast) alle
Völlig bedenkenlos stehen allerdings nur die wenigsten agrarheute.com-User der künftigen gemeinsamen Agrarpolitik gegenüber: lediglich 12,5 Prozent blicken völlig sorglos in die Zukunft.
Ob es bei den vergangene Woche vorgelegten Plänen bleibt, bleibt abzuwarten. Im kommenden Jahr werden Parlament, Verbände und Kommission weiter über die Neuausrichtung diskutieren.
Hören Sie hier ein Interview mit dem Bauernverbandspräsident
Gerd Sonnleitner zu den Kommissionsvorschlägen über die Zukunft der
Gemeinsamen Agrarpolitik. mehr...
Details zu den Kommissionsplänen lesen Sie hier ...