Freitag, 25.05.2012
Verarbeitete Eier: Bundesrat prüft verschärfte Kennzeichnung
Berlin - Der Bundesrat berät in seinen Fachausschüssen, die Bundesregierung zu einer Verschärfung der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung aufzufordern.
Eier werden konstant nachgefragt.
© hapo/www.landpixel.de
Hintergrund ist die schleppende Umsetzung des Verbots von konventionellen Käfigen für die Legehennenhaltung ab 2012 in zwölf der 27 EU-Mitgliedstaaten. Der Bundesrat als Vertretung der Länder berät in seinen Fachausschüssen, die Bundesregierung zu einer Verschärfung der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung aufzufordern. Künftig soll der Verbraucher auch bei Lebensmitteln wie Nudeln oder Backwaren eindeutig erkennen können, aus welcher Haltungsform darin verarbeitete Hühnereier stammen. Die Vorschrift soll auch für importierte Nahrungsmittel gelten.
Darüber hinaus soll die Regierung aufgefordert werden, sich in Brüssel für eine EU-weit gültige Ausdehnung der Angaben zur Haltungsart einzusetzen. Der Fachausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz wird sich frühestens in seiner nächsten Sitzung am 20. Januar 2012 mit dem Antrag befassen. Dann ist das EU-weite Käfighaltungsverbot seit knapp drei Wochen in Kraft.
BMELV will keine Ausnahmen
Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) hatte in der vergangenen Woche
seine Ablehnung einer Vermarktung von Eiern aus nicht ausgestalteten
Käfigen bekräftigt. Gefordert wird ein konsequentes Vermarktungsverbot
konventioneller Käfigeier auch innerhalb der Mitgliedstaaten, die mit
der Umsetzung im Verzug sind, und auch für den Einsatz in verarbeiteten
Lebensmitteln. „Hiervon darf es keine Ausnahmen geben“, so das
Ministerium. Genau dafür plädiert bekanntlich EU-Gesundheitskommissar
John Dalli. Den Vorstoß Großbritanniens, Eier ab dem Jahreswechsel mit
ultraviolettem Licht auf für Legebatterien typische Rollspuren zu prüfen
und die Ware gegebenenfalls eine Handelsklasse herunterzustufen, hält
man in Berlin für bislang nicht praxistauglich. Selbst wenn Spuren einer
Käfighaltung mit ultraviolettem Licht auf den Eierschalen nachgewiesen
werden könnten, bleibe immer noch unklar, ob es sich dabei um
ausgestaltete oder konventionelle Käfige gehandelt habe. Sicherheit gebe
nur eine Kontrolle vor Ort. Auch die Kennzeichnung der Eier der Ziffer
„3“ gebe keinen Hinweis darauf, aus welchem Typ Käfighaltungen die Eier
stammten. London hatte zuvor „harte Aktionen“ angekündigt, um
sicherzustellen, dass auf den britischen Markt keine illegalen Eier
gelangen.
Lebensmittelindustrie soll Beitrag leisten
Mehr Erfolg verspricht sich das deutsche Ministerium von
Selbstverpflichtungserklärungen der Ernährungswirtschaft, wie sie auch
Großbritannien anstrebt. Die Lebensmittelindustrie müsse ihren Beitrag
leisten und gegenüber dem Handel und den Verbrauchern für Transparenz
sorgen, hieß es. Die Unternehmen sollten mit ihren Lieferanten
ausschließlich die Lieferung von Eiern aus nichtkonventioneller
Käfighaltung vereinbaren. Die Verbraucher lehnten Batterieeier
mehrheitlich ab und sollten sich auch bei verarbeiteten Lebensmitteln,
die nach EU-Recht nicht gekennzeichnet werden müssten, darauf verlassen
können, dass keine entsprechende Ware verwendet werde.
Dallis Sprecher stellte mit Blick auf den britischen Kanonendonner
klar, dass die Brüsseler Behörde keine einseitigen Handelsbeschränkungen
der Mitgliedstaaten, beispielsweise durch zusätzliche Grenzkontrollen,
dulden wird. Dallis Bekenntnis zur schnellen Einleitung von
Vertragsverletzungsverfahren wird in Berlin nach wie vor begrüßt. Eine
konsequente Umsetzung des geltenden Rechts müsse in ganz Europa
gewährleistet werden - notfalls durch Strafzahlungen jener
Mitgliedstaaten, die sich nicht an EU-Recht hielten. Nach Angaben der
Kommission dürften Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland,
Italien, Lettland, Malta, die Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien,
Spanien, Ungarn und Zypern die fristgerechte Umsetzung des Verbots
verpassen, aber „täglich gehen neue Informationen ein“. Irland will
verbleibende Bestände von Legehennen aus konventioneller Käfighaltung bis zum Ende des Monats
keulen.
Sehen Sie dazu unser Video: "Biogas und Hähnchenmast passen hervorragend zusammen"
aiz/AgE
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