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[ » LAND & Forst » Content » Aus den Regionen » Lindemann gegen Agrarwende - Panscherei wohl schon länger bekannt (Mit Bildern) = ]
Freitag, 25.05.2012
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Aus den Regionen | 19.01.2011

Lindemann gegen Agrarwende

Hannover (dpa/lni) - Niedersachsens neuer Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) hat einer Agrarwende angesichts des Dioxin-Skandals eine Absage erteilt. Ursache des Skandals seien keine Systemfehler oder falsche Strukturen, sondern kriminelles Handeln, sagte Lindemann nach seiner Vereidigung in einer Regierungserklärung im Landtag in Hannover. Nötig seien strengere Kontrollen. Unterdessen geht das Ministerium davon aus, dass die Panscherei mit dioxinhaltigen Fetten in Tierfutter bereits weitaus länger läuft als seit März 2010.
   
Der Dioxin-Skandal sei letztendlich wohl eine Panne beim illegalen und systematischen Vermischen technischer Fette mit Futterfetten, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne und bestätigte einen Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Letztendlich sei die verbotene Praxis aufgeflogen, weil eine zu große Menge des belasteten Fettes untergemischt worden sei. «Das ist die Logik, die dahinter steckt.»  Anders lasse es sich nicht erklären, dass die Firma Harles und Jentzsch ihre Fette jeweils so lange beprobt habe, bis die Dioxin-Grenzwerte unterschritten wurden. Dies erkläre wiederum, dass bei 2.500 routinemäßigen Proben von Tierfutter in Niedersachsen im Laufe des Jahres 2010 zunächst keine Grenzwertüberschreitungen entdeckt wurden.
 
Der Verdacht einer langen Praxis liege zudem nahe, weil die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Lieferanten der technischen Fette in Emden und dem schleswig-holsteinischen Auslöser des Dioxin-Skandals bereits seit längerem bestehen. Verboten ist das Vermischen kontaminierter und unbedenklicher Fette seit 2003.
   
Die Notwendigkeit eines umfassenden Strukturwandels in der Landwirtschaft liefere der Skandal nicht, betonte Lindemann. Eine nostalgische Verklärung traditioneller Produktionsweisen diene weder der Landwirtschaft noch dem Verbraucher. Frühere Agrarskandale hätten auch Bio-Betriebe betroffen. Unverzichtbar seien funktionierende Qualitätsmanagementsysteme und staatliche Kontrolle. Auch das Argument, Lebensmittel seien zu billig, ziehe nicht, sagte der neue Minister. «Höhere Lebensmittelpreise ändern nichts an dem Anreiz, minderwertige Rohstoffe zu verwenden und eine bessere Qualität vorzutäuschen», meinte Lindemann. «Hier hilft nur Kontrolle und Strafverfolgung.»
   
Ministerpräsident David McAllister (CDU) hatte den Agrarexperten Lindemann im Dezember als Nachfolger für die kurz zuvor zurückgetretene Ministerin Astrid Grotelüschen (CDU) in das schwarz-gelbe Landeskabinett berufen. Der 63 Jahre alte Jurist gilt seit langem als ausgewiesener und kompetenter Agrarfachmann. Von 1983 bis 2003 arbeitete er als Referats- und Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium in Hannover. Dann stieg er zum Staatssekretär auf. 2005 machte er Karriere im Bund, als Aigners Vorgänger Horst Seehofer (CSU) ihn nach Berlin holte. Vor einem Jahr wurde er aus dem Bundesagrarministerium abberufen.
   
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