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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Betriebsführung » Steuer und Finanzen » LWK-Kammerversammlung ]
Freitag, 25.05.2012
Steuer und Finanzen | 28.11.2011 Redaktion agrarheute.com

LWK-Wirtschaftsbilanz: Zwischen zufrieden und verzweifelt

Oldenburg - Die meisten landwirtschaftlichen Unternehmen in Niedersachsen können auf ein zufrieden stellendes Wirtschaftsjahr 2010/2011 zurückblicken.
Die LWK bietet nach Aussagen von Vizepräsident Gerhard Schwetje Kundennähe in Bestform.© Greuner
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Die LWK bietet nach Aussagen von Vizepräsident Gerhard Schwetje Kundennähe in Bestform.
© Greuner
Ein durchschnittlicher Haupterwerbsbetrieb erzielte ein Unternehmensergebnis von 56.700 Euro und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Zahl bedeutet für den Durchschnittsbetrieb eine angemessene Rentabilität, denn Arbeitskraft und eingesetztes Kapital wurden nahezu gleichermaßen entlohnt. „Allerdings erreichten nicht alle Betriebe das 50.000-Euro-Ergebnis, das nötig ist, um mittelfristig wettbewerbsfähig zu bleiben“, präzisierte Gerhard Schwetje, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, in der vergangenen Woche auf der Kammerversammlung in der Oldenburger Weser-Ems-Halle. Mit Blick auf die verschiedenen Betriebsformen zeichnete er ein heterogenes Bild: Während Ackerbauern und Milchviehhalter zufrieden sein können, sind die Veredlungsbetriebe die großen Verlierer. „Schweinehalter müssen im zweiten Jahr in Folge um ihre Existenz fürchten“, so Schwetje. Volatile Märkte schafften nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer.“

Die Ergebnisse im Einzelnen

Für die Ackerbauern (Marktfruchtbetriebe) begann das Wirtschaftsjahr überaus viel versprechend. Zwar brachte die Ernte 2010 nur durchschnittliche Erträge, die internationalen Märkte bescherten allerdings gute Getreide- und Kartoffelpreise. Allerdings verhinderten die um 30 Prozent gestiegenen Rohöl- und Düngemittelpreise ein noch besseres Resultat. Insgesamt konnten die Marktfruchtbetriebe ihre Ergebnisse um 45 Prozent steigern. Mit 77.700 Euro je Betrieb erwirtschafteten sie ein gutes Resultat. Der Rohstoff Milch traf im vergangenen Wirtschaftsjahr auf ein weltweit begrenztes Angebot und eine rege Nachfrage. In der für Milchviehhalter (Futterbaubetriebe) erfreulichen Konsequenz stieg der durchschnittliche Milchpreis auf 33,7 Cent je Kilogramm Milch. Das sind 27 Prozent mehr als im Wirtschaftsjahr 2009/2010. Doch auch hier führten hohe Getreidepreise zu gestiegenen Futtermittelkosten, was die Mehrerlöse schmälerte.
 
Immerhin erwirtschaftete ein durchschnittlicher Milchviehbetrieb ein Ergebnis von 74.000 Euro. Das sind über 50 Prozent mehr als im Wirtschaftsjahr zuvor. Die nur wenig spezialisierten Verbundbetriebe, die sich weder auf Milch- noch auf Fleischproduktion festgelegt haben, konnten mit 39.500 Euro das nur durchschnittliche Vorjahresergebnis bestätigen. Das Ergebnis zeigt, dass Vielfalt in den Betriebszweigen zwar eine gewisse Konstanz bringen kann, Spitzenergebnisse aber nur schwer zu erzielen sind.

Veredlungsbetriebe als Verlierer

Die Veredelungsbetriebe bekamen die heftigen Ausschläge des Schweinezyklus’ massiv zu spüren. Während die Erlöse pro Mastschein mit 131 Euro je Tier den 125-Euro-Tiefpunkt des Vorjahres hinter sich ließen, zeigte sich der Ferkelmarkt äußerst unbeständig. Mit 43 Euro fiel der Preis je Ferkel um weitere sieben Prozent unter den schon viel zu niedrigen Vorjahreswert. Außerdem schlugen immens hohe Futter- und leicht gestiegene Festkosten massiv zu Buche. Die Betriebe mussten im Durchschnitt mit 28.700 Euro ein Minus von fast 30 Prozent gegenüber 2009/2010 verkraften. Dieses Ergebnis zieht im Durchschnitt Eigenkapitalverluste um 15.000 Euro je Betrieb nach sich.
 
Insgesamt halten die meisten landwirtschaftlichen Unternehmen in Niedersachsen einer Rentabilitätsbetrachtung stand. Das schafft Raum für Investitionen. Die Landwirtschaft investierte nach zwei zurückhaltenden Jahren mit 16.800 Euro je Betrieb wieder einmal eine beachtliche Summe.
 
Datengrundlage der veröffentlichen Zahlen ist eine repräsentative Stichprobe von 1.110 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (sogenanntes Testbetriebsnetz), deren Jahresabschlüsse die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung auswertet. Aus dem erwirtschafteten Unternehmensergebnis (Gewinn) müssen die landwirtschaftlichen Unternehmer private Steuern, Versicherungen, Lebenshaltungskosten und Altenteilleistungen sowie Neuinvestitionen bestreiten.

Grupe: Kundennähe in Bestform

„Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist ganz nahe dran an ihren Kunden.“ Das sagte Heinrich Grupe, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf einer Pressekonferenz, die im Anschluss an die Kammerversammlung vergangene Woche in der Oldenburger Weser-Ems-Halle stattfand. Er verdeutlichte das an den Beispielen Dioxin- und EHEC-Krise, die Anfang und Mitte des Jahres Schweinehalter und Gemüsebauern in massive wirtschaftliche Bedrängnis brachten. Den durch die Dioxin-Debatte betroffenen Landwirten habe man durch Managementstrategien sowie Marktanalysen geholfen. Bei der EHEC-Krise habe man mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung den Schaden bei Gemüsebauern schnell und effektiv erfasst und damit die Voraussetzungen für spätere Entschädigungszahlungen geschaffen. „Das war Kundennähe in Bestform“, resümierte Grupe.

LWK bei Umsetzung des Tierschutzplans aktiv

Auch in anderen Bereichen des vorsorglichen Verbraucherschutzes sei die Kammer aktiv. Mit den Dienstleistungen in der Futtermittel- und Lebensmittelanalytik trage die Landwirtschaftskammer mit ihrer LUFA Nord-West wesentlich zur Lebensmittelsicherheit und -qualität bei. Das gelte auch für die Kontrollen im Rahmen des Prüfsystems QS, die in Landwirtschaft und Gartenbau durchgeführt würden. Wenn es um Fragen zu Tiergerechtheit und moderne Tierhaltung gehe, sei der Sachverstand der Kammer ebenfalls gefragt. Das gelte zum Beispiel für den vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister Gert Lindemann initiierten Tierschutzplan. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass alle Veränderungen fachlich fundiert sind und auf wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen basieren“, erläuterte der Vizepräsident. Mit dem geplanten Ausbau der Lehr- und Versuchsanstalt in Echem werde die Kammer künftig in der Lage sein, neue Erkenntnisse sofort dem Praxistest zu unterziehen und danach über die Aus- und Fortbildung zügig und neutral in die Praxis zu übertragen. „Insgesamt sind unsere Weichen klar auf Zukunft gestellt“, so Grupe weiter.

Kooperation mit Partnern ist gefragt

Der seit November letzten Jahres laufende hausinterne Ziel- und Strategieprozess sei die Basis dafür, dass die Kammer ihre Position als wichtiger Akteur auf dem Feld der Landwirtschaft beibehalte und weiter festige. Mit der Umsetzung eines Fünf-Punkte-Plans würden Kundenansprache intensiviert und Abstimmungsprozesse im Haus optimiert. „Um für die Zukunft gewappnet zu sein, ist es ein Gebot der Vernunft, sich intensiv zu vernetzen“, ergänzte Jürgen Otzen, Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Ideal seien Partner, die gleiche Ziele verfolgten und deren personelle und fachliche Möglichkeiten die der Kammer ergänzten. Als ein Beispiel nannte Otzen die gemeinsame Studie mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und anderen Partnern, in der Fragen zum Schnäbelkürzen bei Puten bearbeitet werden.

Abwicklung der Agrarförderung als wichtige Aufgabe

Eine der großen Kammeraufgaben ist nach Auskunft Otzens nach wie vor die Abwicklung der Agrarförderung. Im Auftrag des Landes Niedersachsen seien 2011 rund 50.000 Anträge auf Direktzahlungen und 12.000 Anträge aus dem Bereich der Agrarumweltmaßnahmen bearbeitet worden. Dabei hätten über 20.000 Flächen vor Ort darauf hin überprüft werden müssen, ob die Angaben zu Größe und Nutzung stimmten und Bewirtschaftungsvorgaben eingehalten würden. „Erst wenn die Kontrollen ohne Beanstandungen erfolgt sind, können die Direktzahlungen und Prämien ausgezahlt werden“, so Otzen. Das Gesamtvolumen beliefe sich auf 900 Mio. Euro pro Jahr. Die Markt- und Preisberichterstattung sei kontinuierlich ausgebaut worden. Angesichts volatiler Märkte benötige die gesamte Agrarwirtschaft regelmäßige aktuelle Informationen. „Auf diesem Sektor zählt die Kammer mittlerweile zu den führenden Dienstleistern“, sagte der Kammerdirektor.
 
Den Schwerpunkt der Beratung sah Otzen im zurückliegenden Jahr im Aus- und Aufbau zusätzlicher Betriebszweige: „Unsere Fachleute waren stark gefragt in den Bereichen erneuerbare Energien, besonders Biogas und Photovoltaik, sowie Hähnchenmast und Legehennenhaltung.“ Sehr aktiv sei die Kammer auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau Tätigen. Bei den Ausbildungszahlen in den „grünen Berufen“ gehe man auf absehbare Zeit von einem konstant hohen Niveau aus. Und im Bereich der Weiterbildung sei die Kammer „der größte grüne Anbieter in Niedersachsen“. Im letzten Jahr hätten rund 28.500 Teilnehmer die 550 Veranstaltungen besucht.
 
 
 
pd
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