Biogas: Welcher Mais geht am besten?
Oldenburg - 2011 wurden in einzelnen Regionen Niedersachsens wieder mehr Biogasanlagen gebaut. Welcher Mais eigent sich als Substrat am besten? Das hat die LWK versucht, herauszufinden.
Die Tendenz zur Ausdehnung des Maisanbaus zur energetischen Nutzung als Biogas hat sich mit großer Dynamik fortgesetzt.
© Mühlhausen/landpixel
Nach wie vor sind dabei deutliche regionale Unterschiede festzustellen. Auch 2011 nahm sowohl die Zahl der Anlagen, als auch die Erweiterung bestehender Anlagen in den ohnehin schon mit Biogasanlagen und hoher Viehdichte besetzten Regionen weiter zu.
In den typischen Ackerbauregionen Südniedersachsens sowie in den östlichen Landesteilen ist ein Ausbau von Biogasanlagen ebenfalls feststellbar. Im Jahr 2011 wurden auf ca. 311.000 Hektar (12 Prozent der LF) Energiepflanzen angebaut bzw. die Aufwüchse von Grünland genutzt.
Anteil Maisanbau zur Biogasnutzung
Für den Bereich Biogas wurden ca. 250.000 Hektar zu Grunde gelegt. Hierbei hatte der Mais mit ca. 205.000 Hektar den größten Anteil an der genutzten Fläche. Damit macht der Energiemaisanteil gut 1/3 der gesamten Maisanbaufläche Niedersachsens aus. Während die übrigen Non-Food-Verwendungsbereiche im Jahr 2011 konstante bis leicht rückläufige Tendenzen aufwiesen, stieg die Biomasseerzeugung für Biogas in Niedersachsen deutlich um 30.000 Hektar an. Allein die Anbaufläche Mais stieg wiederum um etwa 25.000 Hektar an. Spürbare Zunahmen waren ebenfalls im Bereich "Biogasrüben" festzustellen, wo von ca. 4.500 Hektar niedersachsenweit ausgegangen wird.
Optische und ökologische Aspekte
Im Rahmen freiwilliger Maßnahmen berücksichtigen viele Landwirte mit dem Aussäen von Blühstreifen oder aber dem Anlegen mehrjähriger Kulturen, wie beispielsweise der Durchwachsenen Silphie immer häufiger optische und ökologische Aspekte und tragen damit aktiv zum positiven Image des Energiepflanzenanbaus bei. Da nach wie vor Silomais die dominierende Kultur zur Substratversorgung ist, ist eine gesicherte Substratbereitstellung, sprich Maissilagebereitung, erforderlich. Hierfür ist der Anbau ertragskonstanter Sorten sinnvoll, die auch unter unterschiedlichen Anbau- und Umweltbedingungen ihre Leistungen erbringen.
Leistungsvermögen der Sorten
Das Jahr 2011 lieferte die passenden Umweltbedingungen, um das Leistungsvermögen der Sorten gut darstellen zu können. Die Sortenempfehlung zur Biomasseerzeugung mit Maissilage beruht auf den größtenteils mehrjährigen Ergebnissen der Landessortenversuche, die auch 2011 wieder für die drei Reifegruppen früh (bis S 220), mittelfrüh (S 230 bis S 250) und mittelspät bis spät (ab S 260) an unterschiedlichen Standorten Niedersachsens geprüft wurden. Sorten, die in den Merkmalen Trockenmasseertrag oder auch Energieertrag überdurchschnittliche Leistungen aufwiesen, werden für die Nutzungsrichtung "Biogas" empfohlen. Stark qualitätsbetonte Sorten erreichten in der Regel nicht die entsprechenden TM- bzw. Energieträge. Neben der Ertragsleistung ist sicherlich auch das Abreifeverhalten der Sorten ein entscheidendes Bewertungskriterium, wenn es darum geht für spezielle Standorte sicher abreifende Sorten auszuwählen. Bei der Beerntung werden in der Regel TM-Gehalte oberhalb von 32 Prozent angestrebt.
Maisernte 2011: Stellenweise bis zu 25 Prozent Mehrertrag (Oktober 2011)
Mais Sortenempfehlungen
Auf Basis der Landessortenversuche werden aus der frühen Reifegruppe von den mehrjährig geprüften Sorten Ambrosini, Fabregas und Laurinio für alle Regionen empfohlen; auf Grund hoher Energieertragsleistungen auch Saludo für die östlichen bzw. südlichen Anbauregionen. LG 30218 erhält für die Regionen Nord und Süd, LG 30211 für die Region Nord, sowie Ayrro für die Regionen Nord und Ost eine Anbauempfehlung für den Einsatz in Biogasanlagen. Von den erstmalig im LSV geprüften Sorten bieten sich LG 30223 niedersachsenweit, sowie Stephany für den nördlichen Bereich zum Probeanbau an.
Mittelfrühe Reifegruppe
In der mittelfrühen Reifegruppe steht eine Vielzahl empfehlenswerter Sorten zur Verfügung. Dabei können die empfohlenen Sorten in Mehrnutzungstypen, die über aus ausgewogenes Verhältnis von Ertrag und Qualität verfügen, sowie in stark ertragsbetonte Sorten, die nicht unbedingt für qualitätsbetonte Milchviehrationen zu empfehlen sind, eingestuft werden.
Von den rein ertragsbetonten Sorten werden aufgrund mehrjährig überdurchschnittlicher Leistungen Barros, Amaretto, Fernandez und Agro Yoko für alle drei Anbauregionen Nord, Süd und Ost empfohlen. Die Sorten Grosso, Amaryl, Torres, Farmflex, Ronaldinio und Filippo erhalten eine allgemeine Silomaisempfehlung für die Rindviehfüttung und für den Einsatz in Biogasanlagen. Davon sind Torres und Farmflex qualitativ am stärksten einzustufen. Die Sorten Barros, Grosso und Amaretto sind innerhalb der mittelfrühen Reifegruppe als recht spät abreifende Sorten anzusehen; um das Ertragsvermögen dieser Sorten nutzen zu können, ist dieses bei der Ernteterminierung entsprechend zu berücksichtigen. Regionale Empfehlungen erhalten folgende Sorten: Die stärkebetonte Sorte Ricardinio erzielte im Süden gute Ertragsergebnisse. Argo Lux erreichte im Norden und Süden, sowie Jessy im Süden und Osten gute Leistungen.
Von den einjährig geprüften Sorten erreichten SY Kairo und SY Unitop hohe Erträge bei mittlerer Abreife und sind für den Probeanbau in Niedersachsen geeignet. Eine vorläufige regionale Empfehlung erhält auch P8488 für die nördlichen und östlichen Landesteile.
Sorten der mittelspäten bis späten Reifegruppe
Von den Sorten der mittelspäten bis späten Reifegruppe bietet sich LG 3216 für alle Nutzungsrichtungen an, da sie neben hoher Ertragsleistung auch gute Qualitätseigenschaften aufweist. Das gleiche gilt auch für die 2010 zugelassene Sorte ES Charter.
Als ertragsstärkste Sorten bei gleichzeitig aber auch sehr später Abreife erwiesen sich Cannavaro, Palmer und Puyol, die als reine Biogastypen einzustufen sind. Die seit 2003 in den LSV-Prüfungen stehende Sorte Franki ist dank konstant hoher Ertragsleistungen nach wie vor für die Biomassenutzung empfohlen worden. Rafinio, Cassilas und PR38H20 sind gleichfalls empfohlen. Darüber hinaus überzeugten ES Cargo in der Region Nord, sowie Seiddi in den Regionen Nord und Ost. Atletas und SY Santacruz zählen von den einjährig geprüften Sorten zu den ertragsstärksten Sorten und könnten für den Probeanbau berücksichtigt werden. Hierbei ist Atletas als massenbetonte Sorte einzustufen, während SY Santacruz auch eine vorläufige Anbauempfehlung für die Rindviehfütterung erreichte.
Biogas-Sortenversuchsergebnisse
In Ergänzung zu den Sortenempfehlungen werden auch die sogenannten Biogas-Sortenversuchsergebnisse vorgestellt, in denen neben etablierten Sorten schwerpunktmäßig neue Prüfkandidaten getestet wurden, die möglicherweise künftig in den Landessortenversuchen weiter geprüft werden.
Biogassortenversuch
Im Durchschnitt der Standorte und der beiden Sortengruppen wurde zum mittleren Erntetermin ein TM-Ertrag von 208 bzw. 213 dt/ha erreicht. Spitzenerträge von über 240 dt TM/ha wurden auf den Lehmstandorten Ostinghausen und Poppenburg erzielt. Insbesondere am Standort Ostinghausen zeigte sich, dass durch die spätere Beerntung der frühen Gruppe (2. Termin bei 35,7 Prozent TM-Gehalt) ein deutlicher Ertragszuwachs gegenüber dem 1. Termin mit durchschnittlich 31,5 Prozent TM-Gehalt erreicht werden konnte. Am Standort Schuby hingegen wurden vor dem 3. Erntetermin Frostschäden festgestellt, die zu einem entsprechenden Ertragsrückgang führten.
Generell konnten sich die Versuche während der Vegetation gut entwickeln und Probleme wie beispielsweise Sommerlager traten nicht auf. In der frühen Gruppe untermauerten die in den Landessortenversuchen bereits sehr ertragsstarken Sorten LG 3216, Barros, Amaretto, Farmflex und Agro Yoko ihre überdurchschnittlichen Ergebnisse. Aber auch neue Kandidaten, die teilweise parallel in EU- oder auch Wertprüfungen getestet werden, konnten bereits gute Leistungen erbringen. Hierbei sind vor allem die Sorte Indexx und der Prüfstamm KXA 0172 zu erwähnen. Die Sorte Kandis zeigte ein ausgewogenes Verhältnis von Ertrag und Qualität, während die Sorten LG 30.310 und SY Matinal eher als restpflanzenbetonte Sortentypen einzustufen sind. Alduna, P8488 und die langjährig geprüfte Sorte Subito zeigten ihr bekanntes Leistungsvermögen. Bei dem Qualitätsmerkmal Energiedichte konnten neben Farmflex und Kandis auch MAS 28.F, sowie die im Gesamtertrag allerdings etwas unterdurchschnittlichen Sorten Farmgold, EC 90.475, EC 80.152, Venetia, Fabrik und Loboom gute Ergebnisse zeigen. Zu beachten ist allerdings dass in dieser Versuchsgruppe vorwiegend ertragsbetonte Sorten geprüft wurden.
In der späten Gruppe waren an den Standorten Ostinghausen, Poppenburg, Rockstedt und Wehnen bei späterer Beerntung teilweise deutliche Ertragszuwächse erkennbar. Lediglich in Dülmen-Merfeld sowie auf dem frostgeschädigten Standort Schuby konnten keine positiven Effekte erzielt werden, bzw. war in Schuby sogar ein Ertragsrückgang zu verzeichnen. Das gute Ergebnis der Bezugssorte LG 3216 konnte lediglich durch die Sorten Simao übertroffen bzw. durch Pesandor erreicht werden. Simao konnte damit das im Vorjahr auf Grund von Sommerlager beeinträchtigte Ergebnis wieder deutlich verbessern. Aber auch PR38Y34 erzielte im 2. Jahr gute Ertrags- und Qualitätsleistungen. Die Sorte P0746 konnte an den Prüfstandorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch im zweiten Prüfjahr sehr hohe Erträge bei allerdings sehr später Abreife erreichen. Es wird in diesem für den Mais günstigen Anbaujahr wiederum erkennbar, dass auf ertragssicheren Standorten später abreifende Sorten ihr Ertragsvermögen ausspielen können, sie dafür aber entsprechend mehr Vegetationszeit benötigen.
In den diesjährigen Biogassortenversuchen überzeugten vornehmlich die Sorten, die dieses Jahr auch in den Landessortenversuchen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Aber auch zahlreiche Prüfkandidaten konnten bereits überzeugen. Einige von diesen Sorten, die auch parallel in EU- oder Wertprüfungen stehen, schaffen möglicherweise den Aufstieg in die Landessortenversuche.
Fazit
Mais konnte auch 2011 wieder mit einem sehr hohen Ertragsniveau überzeugen. Die hohe Anzahl geprüfter Sorten bietet gleichzeitig ein breites Spektrum unterschiedlicher Sortentypen. Für die Biogasnutzung werden vorwiegend ertragsbetonte Sorten empfohlen, die entsprechend herausgestellt wurden. Positiv ist aber hervorzuheben, dass auch zahlreiche Sorten zur Verfügung stehen, die neben hoher Ertragsleistung gleichzeitig auch überdurchschnittliche Qualitäten aufweisen, und damit für unterschiedliche Nutzungsrichtungen empfohlen werden können.
An dieser Stelle sei jedoch auch angemerkt, dass insbesondere in stark Mais dominierten Regionen insbesondere für die Biogasnutzung mögliche Anbaualternativen berücksichtigt werden sollten. Hier kommen neben der Getreide-Ganzpflanzensilage auch Kulturen, wie beispielsweise aktuell die Rübe oder künftig möglicherweise die Hirse in Frage. Die Förderung der Akzeptanz für die Biogasnutzung sollte künftig noch stärker berücksichtigt werden, wobei schon viele positive Projekte (Blühstreifen) in dieser Richtung vorhanden sind.
LWK-Niedersachsen/Carsten Rieckmann
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