Freitag, 25.05.2012
Maiswurzelbohrer: Erstmals in Hessen aufgetreten
Gießen - Erstmals wurden in Hessen der Westliche Maiswurzelbohrer gefunden. Momentan setzt der Pflanzenschutzdienst darauf, den Quaratäneschädling auszurotten.
Erstmals wurden im Rahmen eines Monitorings Käfer in einer Falle in Hessen gefunden.
© Landwirtschaftskammer NRW
Ende August 2011 wurde in Hessen das erste Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers durch Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes festgestellt. Auf einem Betrieb in der Gemeinde Groß-Gerau Wallerstädten wurden im Rahmen des Monitorings in einer Falle innerhalb von zwei bis drei Tagen 50 Käfer gefunden. Eine genaue Zahl der gefundenen Käfer wird erst am kommenden Mittwoch, wo auch eine Informationsveranstaltung für die Landwirte der Umgebung stattfindet, bekannt.
Schäden im Bestand wurden bislang noch keine festgestellt, berichtet Wolfgang Willig vom Pflanzenschutzdienst Gießen.
Ziel ist den Schädling auszurotten
Da dieser Käfer weltweit ein sehr bedeutender Maisschädling ist, hat die
Europäische Union ihn als Quarantäneschadorganismus eingestuft. Wird
der Maiswurzelbohrer erstmals gefunden, sind EU-Vorschriften zu
berücksichtigen.
Mit dem Auftreten in Hessen werden daher jetzt Maßnahmen ergriffen, die
im ersten Schritt eine Ausrottung des Schädlings zum Ziel haben. "Im
Gegensatz zu Baden-Württemberg, wo das Aufkommen des Schädlings deutlich
stärker ist, fahren wir im Moment noch eine Ausrottungsvariante",
erklärt Wolfgang Willig gegenüber agrarheute.com.
Geschockt sind die betroffenen Landwirte laut Willig nicht: "Der
Maiswurzelbohrer war in Baden-Württemberg und Hessen bereits da. Deshalb
war es klar, dass er auch zu uns kommt. Wir müssen damit leben und
dürfen den Befall nicht unter den Tisch kehren. Die Landwirte sind hier
auch sehr kooperativ", erklärt der Experte.
Festlegen einer Befalls- und Sicherheitszone
Um den Befallsort wird eine Befallszone mit einem Radius von 2
Kilometern gezogen.
Außerdem wird zusätzlich eine weitere Zone, die so genannte
Sicherheitszone, mit einem Radius von 5 km um die Befallszone herum
festgelegt.
Innerhalb der Sicherheitszone wird der Quarantäneschädling nach
Bestimmungen der EU bekämpft. "In der angrenzenden Sicherheitszone
setzen wir auf einen Fruchtwechsel und den Verzicht auf Maisanbau",
erklärt Wolfgang Willig.
Ein Großteil der Flächen des Landwirts Christoph Landau befinden sich in der betroffenen Region. Für seinen Milchviehbetrieb hat auch er Silomais angebaut. Dass die Landwirte erst sechs Tage nach dem Fund Bescheid bekommen haben ärgert Landau etwas. Für ihn bedeutet das Auftreten des Maiswurzelbohrers nun, den Mais aus der Sperrzone 1 so schnell es geht vom Feld zu bringen. In den nächsten beiden Jahren will er komplett auf einen Maisanbau im gesamten Sperrgebiet verzichten.
"Zum Glück habe ich noch eine Fläche außerhalb, da werden wir dann in
den nächsten Jahren verstärkt Mais anbauen", erzählt er agrarheute.com.
Auf den Flächen in der betroffenen Zone will er auf Hirse
umsteigen und hofft dabei, dass sein Vieh die Hirse frisst und die
Milchleistung erhalten bleibt.
Regelungen für die Befallszone
- Alle Maisbestände innerhalb der Befallszone werden unverzüglich durch
einen Beauftragten des Regierungspräsidiums Gießen mit einem Insektizid
gegen die Käfer behandelt. Bei Bedarf werden die Behandlungen bis zum 1.
Oktober 2011 wiederholt, damit die Maisbestände befallsfrei bleiben.
- Nicht vollständig abgereifte Maisbestände dürfen erst nach dem
Stichtag 1. Oktober geerntet werden. Es gilt ein Verbringungsverbot für
Grün- oder Silomais bis zum 1. Oktober.
- Um eine Verschleppung von Eiern, die sich im Boden befinden, zu
vermeiden, sind Maschinen und Geräte, die in der Befallszone auf
Maisfeldern eingesetzt wurden, vor Verlassen dieser Zone vollständig von
Erde und eventuel anhaftenden Maisrückständen zu reinigen.
- In der gesamten Befallszone darf in den Jahren 2012 und 2013 kein Mais
angebaut werden. Auf allen Flächen ist Maisdurchwuchs jeweils bis zum
15. Juni des Jahres zu vernichten.
Regelungen für die Sicherheitszone
- Die Bekämpfung der Käfer, wie sie für die Befallszone beschrieben
wurde, gilt auch für die Sicherheitszone.
- In der Sicherheitszone ist eine Fruchtfolge einzuhalten, bei der Mais
in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf der selben Fläche jeweils nur
einmal angebaut wird.
Die genauen Zonen im Bereich Groß Gerau Wallerstädten finden Sie auf der Flurkarte. mehr...
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