Brüssel - Anhand einer Studie haben Wissenschaftler der EU-Kommission die befürchteten negativen Auswirkungen eines Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten bestätigt.
In der zweiten Maihälfte steht die fünfte Verhandlungsrunde an.
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Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay - das sind die so genannten Mercosur-Staaten. Über ein Freihandelsabkommen wird bereits seit Jahren debattiert. Landwirte fürchten allerdings Verluste. Eine Studie von Wissenschaftlern der EU-Kommission hat die Sorgen europäischer Landwirte jetzt bestätigt: Der Zusatznutzen für Verbraucher und Verarbeitungswirtschaft wiege den Verlust pro Kopf betrachtet nicht auf. Besonders stark hätte der Rindfleischsektor zu leiden.
In der Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) kommen die
Experten unter Leitung der Agrarökonomin Dr. Alison Burrell zu
dem Schluss, dass die wirtschaftlichen Verluste und Anpassungszwänge im
Hinblick auf die EU hauptsächlich vom Agrarsektor getragen würden.
Gewinne für andere Wirtschaftsgruppen wären hingegen weit verstreut und
würden sich schnell verflüchtigen. "Es ist klar, dass auf der Basis von
Pro-Kopf-Berechnungen die Verluste für EU-Agrarerzeuger den Nutzen für
die Verarbeitende Industrie der EU oder die europäischen Verbraucher bei
weitem überwiegen", heißt es in dem Bericht, der auf der Internetseite
der Generaldirektion Landwirtschaft veröffentlicht wurde. Vorläufige
Ergebnisse der Studie waren den Mitgliedstaaten hinter verschlossenen
Türen bereits im Mai präsentiert worden.
Verschiedene Ausgangsszenarien
Die Höhe der Ausfälle hängt von den zugrundeliegenden Szenarien ab. Die
JRC-Forscher unterscheiden das bislang letzte Angebot der EU von 2004,
die höhere Forderung der Mercosur-Staaten nach Marktzugang von 2006,
ferner beides jeweils kombiniert mit einem Abschluss der Doha-Runde
sowie ein Welthandelsabkommen ohne eigene bilaterale Übereinkunft.
- Die
Gesamtverluste für den EU-Agrarsektor werden auf wenigstens 1,0 Milliarden Euro
beziffert.
- Ein Doha-Abschluss allein schlüge mit minus 4,6 Milliarden Euro zu
Buche.
- Im Extremszenario, dass sich die EU trotz eines Doha-Abkommens
auf die Mercosur-Forderungen von 2006 einlässt, stünden sogar
Einschnitte von 7,75 Milliarden Euro im Raum.
Rindfleischsektor am stärksten betroffen
Wie bereits in anderen Studien würde der Rindfleischsektor besonders
getroffen: Die Gemeinschaft müsste sich auf zusätzliche Importe von bis
zu 525.000 Tonnen Rindfleisch einstellen. Im Zuge dieses Ansturms würde die
EU-Erzeugung um 280.000 Tonnen sinken, was zu Wertverlusten in Höhe von
4,6 Milliarden Euro führen würde. Die Gesamtverluste für die
EU-Fleischproduktion werden im Extremszenario auf mehr als 5,8 Milliarden Euro
beziffert, wovon 0,8 Milliarden Euro auf die Geflügelhaltung entfielen.
Insgesamt könnte die Fleischproduktion der Gemeinschaft um bis zu
600.000 Tonnen schrumpfen.
Ferner berechnen die Forscher deutliche Anstiege
der Obst- und Gemüselieferungen aus Südamerika, ebenso der Zuckermengen.
Mehr oder weniger unverändert blieben hingegen die EU-Weizenimporte aus
der Mercosur-Region. Die EU-Einfuhren von Ölsaaten aus Brasilien und
Argentinien würden bei einem liberalisierten Agrarhandel sogar sinken.
Diesen Effekt führen die Wissenschaftler auf einen Abbau der
Tierbestände in der Gemeinschaft zurück.
Die kompletten Studienergebnisse finden Sie hier ...