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Der Betriebsleiter des Milchguts Triebtal KG in Trieb (Sachsen) glaubt nicht daran, dass die Politik die Milchmengen begrenzen wird, weil sie es nicht "will und auch nicht kann". "Wir brauchen ein Marktinstrument, welches ohne neue bürokratische Institutionen Wirkung bringt in Richtung marktgerechte Produktion." Nach Meinung Stöckels könnten die Molkereien bis 80 Prozent der Quotenerfüllung einen Zuschlag zum Durchschnittspreis von 11 Prozent zahlen. Bei einem monatlichen Durchschnittspreis von 30 ct/kg netto zum Beispiel würden solche Unterlieferer dann 33,3 ct/kg erhalten. Dies entspräche dann einem A-Preis. Beträgt die Quotenausnutzung 90 Prozent, sinkt der Durchschnittspreis auf 31,48 ct/kg ab. "Im Gegenzug erhalten Landwirte, die ihre Quote überliefern, gestaffelte Preisabschläge", schlägt der Aufsichtsratsvorsitzende der Vogtlandmilch vor. "Für jeden Liter über 80 Prozent Quotenerfüllung erhält der Milcherzeuger nur noch den halben A-Preis, also 16,67 ct/kg."
Beispiel: Ein Landwirt verfügt über 300.000 kg Milchquote. Bis zu einer Anlieferungsmenge von 240.000 kg erhält er nach Stöckels Vorschlag den höheren Milchpreis, in diesem Beispiel von 33,33 ct/kg, macht zusammen 79.992 Euro. Für jedes Kilo Anlieferung darüber bekäme er nur noch 16,67 ct/kg. Liefert er exakt 300.000 kg ab, würde er für die restlichen 60.000 kg noch 10.002 Euro erhalten. Somit würde er bei Erfüllung seiner Quote von 300.000 kg noch den Molkereidurchschnittspreis bekommen. In diesem Beispiel sind 30 ct/kg [(79.991 Euro + 10.002 Euro)/300.000 kg] unterstellt. Je mehr der Landwirt über seine Quote hinaus liefert, desto niedriger wird sein Auszahlungspreis.
Je nach einzelbetrieblicher Überlieferung kommen so unterschiedliche monatliche Auszahlungspreise zustande (siehe nebenstehende Grafik). Wer zum Beispiel 10 Prozent überliefert, bekäme nur noch 28,8 ct/kg ausgezahlt. Kräftige Überlieferer mit 150 oder 200 Prozent müssten sich dann mit 25,6 beziehungsweise 23,3 ct/kg zufrieden geben. Zusätzlich würde für die Überlieferer unter Umständen noch Superabgabe anfallen, falls die nationale Garantiemenge überliefert werden sollte.
Anreiz zur Überlieferung wäre erheblich eingeschränkt
Selbst wenn die Milchquote 2015 wegfallen sollte, hält Stöckel sein System noch für durchführbar. "Dann würden sich die Abschläge jeweils an der vereinbarten Liefermenge orientieren", empfiehlt der Milchbauer. Ihm ist bewusst, dass ein derartiges Preissystem zunächst natürlich die Quotenpreise tendenziell eher nach oben bringen würde. "Spätestens wenn die Quote 2015 aber wegfällt, zieht dieses Gegenargument nicht mehr." "Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht hätten viele Milcherzeuger bei meinem Vorschlag Interesse daran, ihre Quoten einzuhalten oder zu unterliefern, um einen höheren Durchschnittspreis zu erzielen. Unterlieferer werden jeden Monat mit höherem Milchpreis belohnt, weil sie den Markt entlasten!", ist sich Stöckel sicher. Der bisherige Anreiz, bei gleichem Preis zu überliefern, wäre erheblich eingeschränkt. Die Chance, bei den Handelsketten höhere Preise für Milchprodukte durchzusetzen, würde sich erhöhen und damit der Milchpreis für alle.
Weniger produzieren bringt höhere Preise und mehr Gewinn
Stöckel weiß allerdings, dass sein Konzept nur aufgeht, wenn alle Molkereien in Europa diesen Abrechungsmodus übernehmen. Unabhängig von individuellen Preisregelungen der Molkereien und von gesetzlichen Regelungen sollte sich seiner Meinung nach auf Bestreben der Erzeugergemeinschaften in allen Molkereien dieser Abrechnungsgrundsatz vereinbaren lassen. Der sächsische Milchbauer fordert: "Produzieren wir lieber 95 Prozent Menge, aber für 35 bis 40 ct als 105 Prozent für 20 bis 25 ct/kg! Machen wir endlich Schulterschluss zwischen Bauernverband, BDM, Erzeugergemeinschaften und Molkereien! Drosseln wir unsere Milchproduktion im 1. Quartal 2009, um den nächsten Preisverhandlungen unserer Molkereien mit dem LEH eine Chance zu geben. Handeln wir wie OPEC und Düngerindustrie: weniger produzieren bringt höhere Preise und mehr Gewinn."
Was halten Sie von diesem Vorschlag? Schreiben Sie uns Ihre Meinung reddlz@dlv.de, Fax: 089 / 12705-546, stimmen Sie in unserer aktuellen Online-Umfrage in der rechten Spalte ab. Oder diskutieren Sie unter http://www.landlive.de/boards/thread/10619/?, Rubrik Preise, Verbraucher, Handel und Politik mit Ihren Berufskollegen darüber. (dlz)

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