Milch & Rind
01.11.2009
Künftig freiwillige Impfung im Gespräch

Bundesländer rücken von der Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit ab

Stuttgart - Bei der Bekämpfung der Blauzungenkrankheit sind die Bundesländer in der Mehrheit vom bisherigen Kurs abgerückt.

lp_Impfung_rind.jpg Impfung
(Foto: Mühlhausen/Landpixel.de)

Wie Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk am vergangenen Freitag mitteilte, haben sich die Länder am Tag zuvor mehrheitlich gegen die Fortführung der Blauzungen-Pflichtimpfung ausgesprochen. Der Stuttgarter Agrarressortchef selbst hatte daran festhalten wollen. Dem Vernehmen nach sollen zehn Bundesländer für die Abschaffung der Pflichtimpfung plädiert haben; ein entsprechender Antrag soll im Bundesrat eingebracht werden. Dem bayerischen Gesundheitsministerium zufolge hat das Bundeslandwirtschaftsministerium signalisiert, dass es diesen Kurswechsel mittragen werde.

Hauk informierte, dass jeder Tierhalter ab 2010 selbst entscheiden könne, ob er seine Tiere gegen die Blauzungenkrankheit impfen lassen wolle. Gleichzeitig gab der Minister zu bedenken, dass mit einer möglicherweise eintretenden Impfmüdigkeit die Fälle von Blauzungenkrankheit bei den Wiederkäuern wieder ansteigen dürften. Dies sei neben dem Leiden für die Tiere auch mit einem wirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Landwirte verbunden. Es sei deshalb dringend angezeigt, auch 2010 und darüber hinaus die Tierbestände gegen die Blauzungenkrankheit impfen zu lassen, empfahl Hauk.

Experten stehen freiwilliger Impfung kritisch gegenüber

Fachleute sehen eine freiwillige Impfung gegen die Blauzungenkrankheit kritisch. Um die Krankheit auszurotten, sind nach Expertenschätzung mindestens 80 Prozent der Tiere zu impfen. Nach dem erstmaligen Auftreten der Infektion in Deutschland im August 2006 waren im Jahr darauf mehr als 20.000 und 2008, als bereits geimpft wurde, noch 5.125 Krankheitsfälle bestätigt worden. Dagegen wurden in diesem Jahr bisher nur noch rund 140 Infektionen festgestellt.

AbL: Kriminalisierung der Impfgegner einstellen

Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) stellte angesichts des geplanten Kurswechsels fest, dass der bäuerliche Widerstand gegen die Impfpflicht bei der Blauzungenimpfung berechtigt gewesen sei. In den vergangenen Monaten seien nachweislich viele Impfschäden bei landwirtschaftlichen Nutztieren von verantwortlichen Politikern und Ämtern bagatellisiert und verleugnet worden, kritisierte AbL-Bundesgeschäftsführer Georg Janßen. Er forderte den Bundesrat auf, in seiner nächsten Sitzung einen klaren Beschluss zur Aufhebung des Impfzwangs zu fassen. Zudem müssten die verantwortlichen Stellen die Kriminalisierung der bäuerlichen Impfgegner sofort einstellen.

Bioland: Entscheidung schnell umsetzen

Auch Bioland begrüßte das Mehrheitsvotum der Bundesländer, künftig die Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit abzuschaffen. Die Entscheidung für eine Freiwilligkeit der Impfung und die damit verbundene Stärkung der Verantwortung der Tierhalter sei sachgerecht und überfällig, meinte Bioland-Präsident Thomas Dosch. Man gehe davon aus, dass Bund und Länder diese Entscheidung nun schnellstmöglich formal umsetzten. Damit müsse auch die Kriminalisierung der Landwirte aufhören, die sich der Impfpflicht widersetzt hätten, forderte auch Dosch. (AgE)


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Wirtschaftlicher Schaden durch Blauzungenimpfung
"Dies sei neben dem Leiden für die Tiere auch mit einem wirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Landwirte verbunden." Das ist ja witzig. Durch die Blauzungenimpfung ist den Landwirten ja wirtschaftlicher Schaden entstanden, zudem "durften" die Tiere auch darunter leiden...
Kommentar von Thomas – 03. November 2009 um 01:20h
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