Berlin - Am Milchmarkt zeigte der jüngste Preisverfall bei Agrarrohstoffen bislang wenig Wirkung. Zwar gaben die Preise an den internationalen Handelsplätzen nach, jedoch hielten sich Abschläge in Grenzen.
Im Vergleich zum Vorjahr wird in diesem Jahr innerhalb Europas rund ein Prozent mehr Milch produziert. Davon geht die FAO in ihrer aktuellen Prognose aus.
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Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich die Produktion in den ozeanischen Ländern auf ihrem saisonalen Tiefpunkt befindet und somit auch weniger Ware von der Südhalbkugel auf den Weltmarkt fließt. Gleichzeitig hat die lang anhaltende Frühjahrstrockenheit in den USA und Europa die Milchproduktion auf der Nordhalbkugel gedrosselt und somit auch zur Begrenzung des Exportangebotes sowie zur Stabilisierung der Preise beitragen.
Allerdings nehmen die Informationen über eine Abschwächung der globalen
Nachfrage zu. So berichtete die Rabobank, dass China und Russland, die
beiden wichtigsten Antreiber der globalen Nachfrage im ersten Quartal
2011, in den letzten Monaten beträchtliche Bestände angehäuft haben. In
der Folge könnten beide Länder ihre Zukäufe in den nächsten Wochen
drosseln, zumal auch die Verbraucherpreise für Milchprodukte (und andere
Nahrungsmittel) sowohl in den großen Schwellenländern als auch in
Westeuropa kräftig angestiegen sind und die Nachfrage ebenfalls dämpfen.
So kosteten Milchprodukte die Verbraucher in den USA im Mai fast sieben Prozent
mehr als ein Jahr zuvor und auch in Deutschland verteuerte sich das
weiße Sortiment binnen Jahresfrist um knapp fünf Prozent. Auch eine Abkühlung der
globalen Konjunktur hätte sicherlich spürbare Auswirkungen auf den
Konsum von Milchprodukten in den Schwellenländern.
Milchmarkt International: Gefahr einer Preiskorrektur steigt
In ersten Monaten des Jahres 2011 hat der globale Handel mit
Milchprodukten jedoch alle Erwartungen übertroffen. Insbesondere die
starke Konjunktur in den Schwellenländern hat die Nachfrage und damit
auch die Preise angetrieben.
Unter anderem zeigen die bislang
vorliegenden Daten einen überaus kräftigen Zuwachs beim Export von
Vollmilchpulver. Hinter diesem Boom steckt vor allem China. Das Reich
der Mitte hat seine Einfuhren in den ersten vier Monaten - im Vergleich zum
bereits sehr guten Vorjahr - um über 60 Prozent (%) auf über 180.000 Tonnen ausgeweitet
und nimmt damit in diesem Marktsegment, noch deutlich vor Algerien (+ 43
%), eine dominierende Stellung ein.
Profitiert hat von dieser Dynamik
ganz besonders Neuseeland, das seine Exporte um mehr als ein Drittel
erhöhen konnte und damit von Januar bis April fast dreimal so viel
Vollmilchpulver exportiere wie die Europäer.
Der Handel mit
Magermilchpulver entwickelte sich etwas weniger dynamisch. Auch hier
weisen jedoch Algerien und China die stärksten Zuwächse aus. Europäer
und Australier konnten ihre Ausfuhren zu Lasten der USA und Neuseelands
steigern.
Milchmarkt International: Gefahr einer Preiskorrektur steigt
Beim Import von
Butter verzeichneten Russland, der Iran sowie
Ägypten, das stärkste Wachstum. Bei den Butterexporteuren gewannen vor
allem die USA und Neuseeland Marktanteile hinzu.
Auch bei Käse zeigte
sich der Weltmarkt in den ersten vier Monaten 2011 sehr aufnahmefähig. Der
weltgrößte Käseimporteur
- Russland weitete seine Einfuhren um 17 % auf
etwa 97.000 Tonnen (t) aus,
- Japan als die Nummer 2 unter den Importeuren,
steigerte seine Einfuhren um vier % auf 69.000 t,
- die USA importiere mit
46.000 t etwa ein Viertel mehr Käse und
- Südkorea erhöhte die Importe um
26 %.
Marktanteile hinzugewinnen konnten hier neben den Europäern mit
einem Zuwachs von + 10 % auf 223.000 t, vor allem die die USA mit einer
Steigerung um 70 % auf 80.000 t, während Neuseeland (-15. %, auf 82.000
t) Marktanteile verlor.
Milchmarkt International: Gefahr einer Preiskorrektur steigt
Die sehr dynamische Entwicklung im Welthandel schlug sich natürlich in
den Milchpreisen der wichtigsten Exportländer nieder. So zogen die
Erzeugerpreise sowohl in Ozeanien als auch in Europa und in den USA im
ersten Halbjahr 2011 kräftig an, bzw. behaupteten ein hohes Niveau.
Trotz
der relativ hohen Preise blieben die erwirtschaften Margen allerdings
oftmals recht schmal, denn die hohen Getreide- und Eiweißfutterpreise
haben auch die Futterkosten auf ein sehr hohes Niveau getrieben. In den
von der Trockenheit betroffenen Regionen Europas und der USA, muss durch
die knappe Versorgung mit Grundfutter, mehr teures Mischfuttermittel
bzw. Getreide zugekauft werden.
In der EU behaupteten sich die
Milchpreise im April bei 33,03 Euro/100 kg und damit nur knapp unter dem
Vormonatswert. In den USA erreichten die Erzeugerpreise im März, mit 43
USD/100 kg, ein zuvor nicht erwartetes Zwischenhoch. Bis Mai gaben die
US-Milchpreise dann zwar wieder auf 36 USD/100 kg nach, für die nächsten
Monate rechnet man jedoch noch einmal mit einem kräftigen Preisanstieg.
So kosten die Milchkontrakte am Terminmarkt in Chicago für den Monat
Juli derzeit umgerechnet 45 USD/100 kg. Danach sollen die Preise bis zum
Jahresende allmählich auf 37 USD/100 kg zurückgehen. Das heißt jedoch auch,
die US-Prognose für den Milchmarkt ist, zumindest was die Preise
betrifft, relativ optimistisch.
Internationale Beobachter wie die
Rabobank rechnen jedoch spätestens im vierten Quartal, wenn die
ozeanische Produktion auf vollen Touren läuft, mit einer deutlicheren
Korrektur der Preise am globalen Markt und damit auch bei den
Milchpreisen.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dr. Olaf Zinke
Marktanalyst