Milchmarkt International: Robuste Nachfrage, hohe Preise
Berlin - Der globale Milchmarkt ist derzeit in guter Verfassung. Überraschend schnell hat er sich von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise erholt.
Die meisten Kühe gibt es in Bayern, Brandenburg allerdings hat die größten Bestände je Betrieb.
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Vor allem in den großen Schwellenländern wächst der Konsum und treibt den Welthandel an. Davon profitieren europäische Exporteure und Milcherzeuger ebenso wie Neuseeländer und Australier.
Der Einfluss der internationalen Märkte auf den europäischen und deutschen Milchmarkt hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Das hat zum einen mit der Öffnung und Liberalisierung des europäischen Milchmarktes zu tun, zum anderen aber mit der wirtschaftlichen Dynamik in den großen Schwellenländern und den davon auf den Konsum von Milchprodukten ausgehenden Impulsen.
Zwar wird Rohmilch international kaum gehandelt, doch die Handelsanteile der wichtigsten Milchprodukte, in Relation zu den herstellten Produktionsmengen, sind größer als bei vielen anderen Agrarprodukten. So wird von dem weltweit hergestellten Magermilchpulver, im Schnitt ein Drittel am Weltmarkt gehandelt, bei Vollmilchpulver sind es sogar mehr als 40 Prozent (%), bei Käse und Butter knapp zehn Prozent. Demgegenüber liegen die Handelsanteile bei Weizen bei knapp 20 %, bei Mais bei gut 10 %, Soja erreicht 36 %, Rindfleisch 13 % und bei Schweinefleisch sechs Prozent.
Die hohen Handelsanteile bei den Milchprodukten machen die Abhängigkeit des Milchmarktes von der internationalen Nachfrage und den am Weltmarkt erzielten Preise deutlich. Dies gilt insbesondere auch für die großen Exporteure, wie die EU und Neuseeland. Veränderungen bei den Weltmarktpreisen schlagen sich relativ stark auch auf die jeweiligen nationalen Märkte und auf die dort von den Verarbeitern gezahlten Rohmilchpreise nieder.
Weltmarktpreise auf hohem Niveau
Globaler Preisindex für Milchprodukte
Derzeit befinden sich die globalen Preise für Milchprodukte auf dem
höchsten Stand seit dem Frühjahr 2008. Der von der FAO monatlich an den
internationalen Handelsplätzen für die wichtigsten Milchprodukte
ermittelte Preisindex, hat sich von seinem letzten Tiefpunkt im Februar
2009 bis Juni 2011 verdoppelt.
Zwar haben
die Milchpulverpreise in den letzten Wochen etwas nachgegebenen, jedoch
bleibt das internationale Preisniveau relativ hoch und die Notierungen
für Käse und Butter legten zum Teil sogar weiter zu. Auch die globale
Nachfrage hält sich ungeachtet saisonaler und produktspezifischer
Schwankungen weiterhin auf hohem Niveau. Das
US-Landwirtschafsministeriums war in seiner ersten Schätzung für das
Jahr 2011, bei allen wichtigen Milchprodukten, von global wachsenden
Verbrauchsmengengen und auch von einem zunehmenden Welthandel
ausgegangen. Haupttriebkraft für dieses Wachstum ist der von der
wirtschaftlichen Erholung der großen Schwellenländer (beispielsweise China und
Russland) ausgehende Nachfrageschub bei Milchprodukten. Bei einigen
Produkten könnten die Handelsprognosen des USDA sogar übertroffen
werden, wie die bisherigen Handelsstatistiken zeigen.
Für die Europäische Union, den bedeutendsten globalen Exporteur von
Käse, der Nummer 2 bei der Ausfuhr von Butter, der Nummer 3 bei
Magermilchpulver und der Nummer 2 bei Vollmilchpulver, liegen die von
der EU-Kommission bis März 2011 ausgewiesenen Exportzahlen, bei vielen
Erzeugnissen, erheblich über den Werten von 2010.
Drittlandexporte von Milchprodukten der EU 27.
So exportierten die
EU-Länder in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 rund 25 % mehr
Magermilchpulver, das Wachstum bei Käse im Vergleich zum Vorjahr lag bei
14 %, bei Molkepulver bei 18 % und bei Kasein bei 44 %. Lediglich
Vollmilchpulver und Butter wurden zu diesem Zeitpunkt etwas weniger
exportiert als 2010.
Für Deutschland, den größten Käseexporteur der EU,
haben die Ausfuhren bei Käse um 2 % und bei Magermilchpulver um 65 %
zugelegt.
Export stützt Rohmilchpreise in der EU
Die starke Dynamik an den Exportmärkten wirkt sich über die
Weltmarktpreise natürlich auch auf die Rohmilchpreise in der EU aus. So
ermittelte die EU-Kommission für die Länder der EU 27 im März 2011
einen Rohmilchpreis (natürliche Inhaltstoffe) von 33,3 Ct/kg und für
Deutschland von 34,06 Ct. Damit halten sich Milchpreise in der EU etwa
seit dem zweiten Halbjahr 2010 auf hohem Niveau stabil und liegen rund 5
Ct über dem Niveau vom März 2010 und fast 10 Ct höher als während der
Wirtschafts- und Finanzkrise 2009.
Entwicklung der Rohmilchpreise in der EU und in Deutschland.
Auch zwischen den Ländern haben sich
die Preise zuletzt angeglichen, auch wenn durchaus Preisunterschiede
bestehen. Aus Frankreich meldet die Kommission für März einen Preis von
32,30 Ct, aus den Niederlanden von 36 Ct, aus Dänemark von 34,50, aus
Tschechien von 32,7 Ct und aus dem Vereinigten Königreich von 29,8 Ct.
Die Milchanlieferung in der EU war in den ersten drei Monaten des Jahres
2011 rund 2,6 % höher als im Vorjahreszeitraum. In Frankreich war die
Anlieferungsmenge im ersten Quartal sogar 7 % größer als vor einem Jahr,
in Deutschland betrug der Zuwachs immerhin 2,8 % und im Vereinigten
Königreich 4,5 %. In den großen Milchproduktionsländern Nordwesteuropas
dürfte die ausgeprägte Trockenheit im Frühjahr jedoch Spuren in der
Produktionsbilanz hinterlassen. Erste Hochrechnungen zeigen, dass die
Anlieferungsmenge im Mai in Frankreich nur noch 2 % über dem Vorjahr lag
und in Deutschland möglichweise sogar darunter.
Eine ähnliche
Entwicklung zeichnet sich im dürreplagten Süden der USA ab. Insgesamt
könnten die Trockenheit in Teilen Europas und der USA das globale
Angebot an Milchprodukten zumindest zeitweise drosseln und damit die
Preise zusätzlich stützen. Hinzu kommt, dass Getreide und Eiweißfutter
weiterhin teuer sind und eine Produktions- und Angebotsexpansion
ebenfalls bremsen.
Expansion auf der Südhalbkugel
Anders als in Europa, wo die Produktionskurve derzeit auf ihren Zenit
zuläuft, befindet sich die Produktion auf der Südhalbkugel an ihrem
saisonalen Tiefpunkt. Das Milchwirtschaftsjahr endet in Neuseeland am
31. Mai und in Australien am 30. Juni. Für Europas Exporteure sind
Neuseeländer und Australier die wichtigsten Konkurrenten im globalen
Wettbewerb. Neuseeland, ein Land das nur knapp 15 % der europäischen
bzw. 60 % der deutschen Milchmenge erzeugt, dominiert bei
Vollmilchpulver, Butter und Magermilchpulver den Welthandel. Auch beim
Käseexport sind die Neuseeländer, nach den Europäern, weltweit die die
Nummer 2.
Australien erzeugt lediglich halb so viel Milch wie in Neuseeland,
rangiert aber zumindest im Export von Käse und Butter (noch vor den USA)
weltweit auf Position 3.
Insgesamt verlief die zurückliegende Saison
für die Milchproduktion der ozeanischen Länder ausgesprochen
erfolgreich. Zwar mussten die Neuseeländer zur Mitte ihrer
Produktionssaison eine ausgeprägte Trockenheit auf der Nordinsel
verkraften, jedoch waren sowohl die Witterungsbedingungen als auch
die globalen Absatzmöglichkeiten in den darauf folgenden Monaten
außergewöhnlich gut. Derzeitige Hochrechnungen gehen von einem Anstieg
der Milchproduktion für die abgeschlossene Saison von zwei bis drei Prozent für
Neuseeland und von knapp einem Prozent für Australien aus.
Angesichts der
anhaltend robusten Nachfrage vom Weltmarkt und der ebenfalls hohen
Erzeugerpreise sowie der günstigen Witterungsbedingungen, rechnet man
für beide Länder in der kommenden Saison mit einer Expansion der
Milchkuherden, der Milchproduktion und vor allem auch des Exports.
Derzeit erwarten die Neuseeländer für 2011 eine neue Rekordmarkte bei
ihren Exporten (vor allem bei Milchpulver).
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dr. Olaf Zinke war bei der ZMP Abteilungsleiter für Internationale Märkte. Bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI war er als Marktanalyst für Internationale Märkte und Agrarrohstoffe.
Künftig wird er auf agrarheute.com in loser Reihenfolge über Entwicklungen am europäischen und internationalen Milchmarkt berichten.
Dr. Olaf Zinke
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