Samstag, 25.05.2013
Milchmarkt: Europäer verlieren Marktanteile im Export
Alle Signale von den internationalen Märkten lassen derzeit eine weitere Korrektur der Preise für Milchprodukte und letztlich auch der Rohmilchpreise erwarten.
Der Schweizer Milchverarbeiter Emmi hat im vergangenen Jahr ein deutliches Umsatzplus erwirtschaftet.
© Konstantin Fedorov
Dabei zeigen die Handelsmengen zum Jahresbeginn keineswegs einen Einbruch beim internationalen Handel mit Milchprodukten. Bei einigen Erzeugnissen liegen die Handelsmengen sogar über dem Vorjahr. Vielmehr ist es das deutliche größere Angebot an Rohmilch und Milchprodukten sowie die sehr starke Expansion des neuseeländischen Exports, der die Preise unter Druck setzt.
Dies hat nicht nur die letzte Auktion der internationalen Handelsbörse Global Dairy Trade gezeigt, wo die Preise um fast fünf Prozent nachgaben und den niedrigsten Stand seit August 2010 erreichten.
Auch an den internationalen Exporthäfen gaben die Preise weiter nach und zuletzt rutschen die Notierungen sowohl am EU-Binnenmarkt als auch an den europäischen Terminbörsen deutlich nach unten.
Großhandelspreise in der EU unter Druck
Die Daten der EU-Kommission über die Entwicklung der Großhandelspreise
für Milchprodukte am europäischen Binnenmarkt spiegeln nach einer
langen Phase der Stabilität jetzt ebenfalls die rückläufigen Trends vom
Weltmarkt wider. Seit Mitte Februar geben die Preise für eine Reihe von
Produkten deutlich nach und zeigen bis Mitte März eine weiterhin nach
unten gerichtete Tendenz.
Milchmarkt: Europäer verlieren Marktanteile im Export
Am stärksten sind die Preisabschläge weiterhin
bei Butter. Hier waren die Preise am EU-Binnenmarkt Mitte März rund zehn Prozent
niedriger als Anfang Februar.
Für Magermilchpulver haben die Preise in
diesem Zeitraum um sechs bis sieben Prozent (%) nachgegeben und für Vollmilchpulver um fünf bis sechs Prozent. Nur leicht rückläufig waren die Preise für die verschiedenen
Käsearten.
Terminaktpreise geben deutlich nach
Die von der Kommission für die EU erfassten Rohmilchpreise gaben im
Januar erneut nach und lagen mit 34,4 Ct rund ein Prozent unter dem
Dezemberpreis. In Deutschland waren die Preiseabschläge zu diesem
Zeitpunkt mit zwei Cent (fast fünf Prozent) am stärksten. Das Ife-institut in
Kiel hat auf Basis der Rohstoffverwertung für Deutschland einen weiteren
Rückgang der Milchpreise im Februar von mehr als einen Cent (vier Prozent) auf
30,6 Ct/kg errechnet (4 % Fett). Für die EU errechneten die
ife-Experten auf Basis der Rohstoffwerte ebenfalls rückläufige Preise.
Diese Entwicklung kommt natürlich auch in den europäischen
Terminmarktpreisen zum Ausdruck. An der Eurex sind die Milchpulverpreise
seit Februar um rund zehn Prozent auf 2.060 Euro/t gefallen.
Die Butterpreise
sind in dieser Zeit sogar um 15 % unter die Marke von 3.000 Euro/t
gerutscht. Ähnlich war die Preisentwicklung in diesem Zeitraum an
den europäischen und ozeanischen Exporthäfen.
Weltweit mehr Milch erzeugt
Hauptursache für den anhaltenden Preisdruck ist die deutlich gewachsene
Milchproduktion in den großen Produktions- und Exportländern. Aus den
USA meldet man beispielsweise für den Monat Februar eine Mehrproduktion
von 4,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Beim weltgrößten Exporteur
Neuseeland beträgt der kumulierte Produktionszuwachs für den Zeitraum
Juni bis Januar sogar 9,6 %. Auch in Australien ist die Milchmenge von
Juli bis Januar um 3,8 % gewachsen.
Auch in der EU ist die Situation
nicht viel anders. Die Kommission meldete für Januar folgende Produktionszuwächse:
- Deutschland 3,8 %,
- Frankreich 2,9 %,
- Dänemark 4 %,
- Niederlande 2,7 % und
- Polen knapp zehn Prozent.
Diese zusätzliche Milchmenge fließt im wesentlichen auf die
Exportmärkte und drückt auf die Preise, auch wenn die Nachfrage im
Vergleich zum Vorjahr gar nicht sehr viel schlechter ist.
Neuseelands Exporte wachsen stark
Die für den Januar vorliegenden Handelsdaten lassen keinen Einbruch im
Welthandel erkennen. Vielmehr baut vor allem Neuseeland über
Preiszugeständnisse bei etlichen Produkten seine Marktanteile aus. So
ist der europäische Export von Butter im Januar um rund 19 %
zurückgegangen während der Marktführer Neuseeland seine Ausfuhren sehr
deutlich um 44 % ausgebaut hat.
Ähnlich ist die Situation bei Butteröl.
Hier nahmen die neuseeländischen Exporte im Januar um 57 % zu, während
die Europäer 42 % weniger Butteröl am Weltmarkt absetzen konnten. Eine
gewisse Ausnahme bildet die Ausfuhr bei Magermilchpulver. Hier konnten
alle wichtigsten Exporteure ihre Ausfuhren im Januar steigern.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dagegen
findet sich bei Vollmilchpulver eine ähnlich Entwicklung wie bei Butter.
Die Ausfuhr Neuseelands wächst im Januar um knapp 30 % währen die
Europäer 14 % weniger exportieren. Bei Käse steigert Neuseeland seine
Exporte sogar um 17 %, während die Europäer fünf Prozent weniger exportieren,
auch wenn sie Marktführer bleiben
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