An den globalen Spotmärkten geben die Preise für Milchprodukte nach. Ursache ist eine sich deutlich abschwächende Nachfrage. Die Situation am EU-Markt ist jedoch bislang stabil.
Steigender Wettbewerbsdruck stellt Milcherzeuger und Molkereien vor neue Herausforderungen.
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Die Anzeichen für eine Korrektur am internationalen Milchmarkt nehmen zu. Zwei Faktoren bestimmen dabei die Entwicklung an den globalen Spotmärkten. Zum einen geht die Nachfrage der großen Importeure infolge der sich verschlechternden Wirtschaftsaussichten zurück. Zum andern ist das Angebot in den meisten wichtigen Produktionsregionen gewachsen. Damit sind letztlich auch Anpassungsreaktionen bei den Preisen verbunden.
So hat der neuseeländische Milchriese Fonterra die Auszahlungspreise für
seine Milchlieferanten Ende Oktober mit dem Hinweis auf die sich
verschlechternden Erlösaussichten gesenkt. Bereits zuvor hatten die
Auktionspreise der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade in
acht aufeinanderfolgenden Sitzungen nachgeben. Mitte Oktober hatten sich
die Preise dann vorübergehend stabilisiert. Anfang November setzte sich
der rückläufige Preisetrend jedoch fort.
Mittlerweile liegen die Preise
für Vollmilch- und Magermilchpulver 25 % und für Käse um 20 % unter
ihren diesjährigen Höchstmarken. (Grafik 1 GlobalDairyTrade Index)
Auslöser für den Preisdruck ist vor allem die sich abschwächende
globale Nachfrage. So hat der mit Abstand größte Importeur von
Vollmilchpulver China seine Einfuhren spürbar gedrosselt. Während die
Chinesen im April noch 55.000 Tonnen (t) Vollmilchpulver eingeführt haben, fiel
die importierte Menge im September unter die Marke von 8.000 t. Dies war
nach neuseeländischen Angaben der fünfte monatliche Rückgang in Folge
und bedeutet auch, dass die chinesischen Importe wohl deutlich unter der
vom US-Landwirtschaftsministerium für 2011 erwarteten Rekordeinfuhr von
430.000 t bleiben werden. Noch liegt die kumulative Einfuhrmenge zwar
13 Prozent (%) über dem Vorjahr, aber der Vorsprung verringert sich von Monat zu
Monat. Neuseeland ist von dieser Entwicklung ganz besonders betroffen,
denn das Land hat sein Vollmilchpulverproduktion innerhalb eines Jahres
um ein Viertel auf 839.000 t ausgeweitet und ist der der Hauptlieferant
Chinas.
Russlands Importe rückläufig
Auch der für die Europäer besonders wichtige russische Markt zeigt sich
nicht mehr so aufnahmefähig wie zum Jahresbeginn. Insbesondere bei Käse
bleibt die Einfuhrmenge des weltgrößten Importeurs hinter den
Erwartungen zurück. Während das USDA für das Gesamtjahr noch ein
Importvolumen von 335.000 t und damit einen Zuwachs von 10 %
prognostizierte, kauften die Russen von Januar bis August lediglich
186.000 t und damit deutlich weniger als erwartet.
Regelrecht
eingebrochen ist nach den Daten der EU-Kommission die russische Einfuhr
von Magermilchpulver. Von Januar bis August importierte Russland nur
22.000 t und damit ein Drittel weniger als im Vorjahr. Am stabilsten
hält sich bislang der Import von Butter. Dieser übertrifft mit 44.000 t
die Importmenge des Vorjahres noch um mehr als ein Fünftel. Allerdings
hat sich die Dynamik der Einfuhren auch hier abgeschwächt. Im ersten
Halbjahr betrug der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr noch gut ein
Drittel.
Milchpreise in den USA schwächer
Parallel zu den sich verschlechternden Absatzmöglichkeiten muss der
globale Milchmarkt ein deutlich größeres Angebot verkraften. Angetrieben
durch die höheren Erzeuger- und Produktenpreise wurde die Produktion in
vielen Ländern ausgeweitet. Im September übertraf die erzeugte
Milchmenge in den USA den Vorjahreswert um 1,7 %. In Neuseeland rechnet
man für das gerade begonnen Milchwirtschaftsjahr mit einem
Produktionsanstieg von 6 bis 8 %. Dort fließt die Mehrproduktion vor
allem in die Herstellung von Vollmilchpulver für den chinesischen Markt.
In den USA ging der Produktionszuwachs ebenfalls in den Export. So
haben die Amerikaner die Ausfuhr von Käse in den ersten acht Monaten des
Jahres um ein Fünftel gesteigert, die Ausfuhr von Magermilchpulver nahm
um 14 % zu und der Export von Butter stieg um 14 %.
Diese Entwicklung
hat auch die Rohmilchpreise in den USA kräftig nach oben gezogen. Von
Januar bis August kletterte der Preis von 30 US-Ct/kg auf einen neuen
Rekord von 48 US-Ct/kg. Seitdem macht sich jedoch auch für die
Amerikaner der stockende Absatz im Export bemerkbar. Die Rohmilchpreise
gingen von August bis Oktober um 8 Ct auf 40 Ct/kg zurück. Am
US-Terminmarkt rechnet man mit einer Stabilisierung der Preise bei etwa
36 Ct/kg. (Grafik 2 US-Milchpreise)
EU-Binnenmarkt relativ stabil
Am EU-Binnenmarkt ist die Situation bislang noch relativ stabil. Zwar
übertraf die Milchanlieferung den Vorjahreswert im August um 2,4 %,
die Preise für die wichtigsten Milchprodukte hielten sich jedoch bis
Oktober auf hohem Niveau. Auch die Rohmilchpreise in den EU-Ländern
entwickelten sich stabil oder sogar fest. Bei den Exportpreisen machte
sich die abflauende globale Nachfrage allerdings bemerkbar. Hier lagen
die Spotmarktpreise für europäische Milchprodukte zuletzt 10 bis 15 %
unter ihren letzten Hochständen. Vor allem in der abnehmenden
Exportdynamik wurden die Probleme deutlich. So übertrafen die Ausfuhren
bei Magermilch- (+ 28 %) und Molkepulver (+ 13 %) in der Summe (Jan-Aug)
den Vorjahreswert zwar noch deutlich, jedoch wird der Vorsprung von
Monat zu Monat kleiner. Ähnlich ist es beim Käseexport. Hier erreichen
die Ausfuhren der EU 27 in den ersten acht Monaten gerade noch den
Vorjahreswert (434.000 t).
Der deutsche Drittlandsexport von Käse
verfehlt das Vorjahresergebnis sogar um 13 %. Bei Butter (-21 %) und
Vollmilchpulver (-11 %) sind die EU-Ausfuhren (Jan-Aug) deutlich
niedriger als vor einem Jahr.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv