Freitag, 25.05.2012
Internationaler Milchmarkt: Steigende Produktion erwartet
Frankfurt - Am internationalen Milchmarkt könnte sich in der ersten Jahreshälfte 2012 ein preislicher Abwärtsdruck einstellen.
Einsteiger und Aushilfskräfte können Melken im Kurs in Kleve lernen.
© Landpixel
In den USA und in Europa werde sehr viel Milch erzeugt. Diese Mengen könnten sowohl die Export- als auch die jeweiligen Binnenmärkte nicht komplett aufnehmen, stellt die Rabobank in ihrem jüngsten Milchmarkt-Ausblick fest. Es gebe dazu zwei Szenarien, berichten Experten gegenüber dem Informationsdienst Dow Jones News: Entweder würden die Überschussmengen eingelagert oder zu günstigeren Preisen auf den Markt gebracht. So oder so könnte der Überschuss das Preisniveau zunächst drücken. In der zweiten Jahreshälfte wird aber eine Entspannung der Situation erwartet.
Käse-Nachfrage stützt EU-Markt
Die durch die Euro-Schuldenkrise und die schwachen
Entwicklungsperspektiven für die US-Wirtschaft angespannte
weltwirtschaftliche Lage könnte im ersten Halbjahr 2012 für zusätzliches
Abwärtspotenzial auf den Milchmärkten sorgen, prognostiziert die
Rabobank. Dabei würde der EU-Binnenmarkt durch eine gute Nachfrage nach
Käse gestützt. In den USA wiederum bremse der eingetrübte konjunkturelle
Ausblick sowohl die Nachfrage von Käse-Verarbeitern, als auch den
Bedarf der Endverbraucher nach Frischmilch.
Eine Wiederholung des Szenarios aus dem Jahr 2009, als die Preise
kräftig abstürzten, sehen die Milchmarktexperten der Bank aber nicht,
wie Dow Jones News berichtet. Schon im zweiten Halbjahr 2012 rechnen sie
mit einer Erholung der Preise.
Zunächst dürfte die negative Stimmung an den Finanzmärkten nach
Einschätzung der Rabobank nachlassen oder zumindest nicht noch
zusätzlich zunehmen - auch wenn heute niemand sagen könne, wie sich die
Euro-Schuldenkrise weiter entwickeln wird, hieß es dazu. Darüber hinaus
werde die Nachfrage aus wichtigen Importnationen wie China, Indien und
Russland den Markt stützen, sofern sich diese im üblichen Rahmen bewege.
Zudem sei nicht davon auszugehen, dass sich die Milchproduktion in der
südlichen Hemisphäre noch einmal so "perfekt" wie in dieser Saison
entwickeln wird.
EU: Milchanlieferung im Plus
Die Milchanlieferungen an die Molkereien der EU-27 sind in den ersten
acht Monaten 2011 weiter gestiegen, teilt die Agrarmarkt
Informations-GmbH in Bonn mit. Mit schätzungsweise rund 94,5 Millionen
Tonnen wurde das Niveau des Vorjahres um 2,3 % oder rund 2,1 Millionen
Tonnen übertroffen. Im genannten Zeitraum hat sich das Wachstum jedoch
ab Mai abgeschwächt. Das deutliche Plus in der Anlieferung resultiert im
Wesentlichen aus der Mehrproduktion in Frankreich, in Deutschland und
Irland. Allein in diesen drei EU-Staaten haben die Molkereien von Januar
bis August rund 1,8 Millionen Tonnen mehr Milch erfasst als im gleichen
Zeitraum des Vorjahres.
Weltmarkt: Butter und Käse im November billiger - Milchpulver teurer
Wie die EU-Kommission in ihrem jüngsten Commodity-Marktbericht
erläutert, liegt derzeit die Milchproduktion in den wichtigsten
Exportländern noch über dem Vorjahresniveau, obwohl sich das Wachstum in
Neuseeland verlangsamt hat. Die Steigerungen im Export können derzeit
mit der höheren Erzeugung insgesamt nicht ganz Schritt halten, was zum
Teil zu einem Lageraufbau führt. Obwohl China bei den Importen von
Vollmilchpulver bremst, könnte bei diesem Produkt die rückläufige
Erzeugung in Neuseeland die Notierungen stützen.
Insgesamt haben sich im November die internationalen Preise für
Molkereiprodukte laut EU-Kommission unterschiedlich entwickelt: Während
bei Butter und Käse eine sinkende Tendenz festgestellt wurde, konnte bei
Voll- und Magermilchpulver der Abwärtstrend gestoppt werden. Die
Durchschnittspreise (fob Neuseeland) sanken bei Butter auf 3.825
US-Dollar je Tonne gegenüber dem Vormonat Oktober 2011 und bei
Cheddar-Käse auf 3.944 US-Dollar. Bei Magermilchpulver ergab sich ein
minimaler Anstieg auf 3.400 US-Dollar, wogegen bei Vollmilchpulver ein
deutliches Plus zu einer Erhöhung auf 3.588 US-Dollar je Tonne führte.
aiz.info
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