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[ » LAND & Forst » Content » Aus den Regionen » Mineralölwirtschaft: Autobauer müssen über E10 informieren = ]
Freitag, 25.05.2012
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Aus den Regionen | 07.03.2011

Mineralölwirtschaft: Autobauer müssen über E10 informieren

München/Leipzig - Der Verband der Mineralölwirtschaft hat im Informationschaos um den Biosprit E10 auf die Autobauer verwiesen. «Wir sind nicht in der Lage, eine kompetente Auskunft zu geben», sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Klaus Picard, am Montagmorgen im Bayerischen Rundfunk. Bei Problemen könnten deshalb nur die Hersteller haften. Die Mineralölwirtschaft sieht er in einer undankbaren Situation: «Wir müssen die Vorgaben der Politik gegen den Wunsch der breiten Bevölkerung umsetzen.» Problematischer als der Informationsmangel sei die fehlende Akzeptanz von E10. Den ökologischen Nutzen des Biosprits nannte Picard «sicherlich gering».
 
Industrie: E10 treibt Lebensmittelpreise nach oben
 
Die Verbraucher in Deutschland müssen sich nach Ansicht der Ernährungsindustrie wegen der Einführung des Biokraftstoffs E10 auf stärker steigende Preise einstellen. «Wir haben die Sorge, dass die Konkurrenz auf den Anbauflächen weiter zunimmt und dass sich das auf die Preise auswirkt», sagte Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Sie bekräftigte zugleich die Forderung der Branche nach einem Abbau von Subventionen beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe.
   
Landwirte können sich beim Verkauf von Weizen, Mais oder Zuckerrüben entscheiden, ob sie ihre angebauten Produkte an die Ernährungsindustrie oder aber als Rohstoffe an Biogas- oder Biokraftstoffproduzenten verkaufen. Da dies hoch subventioniert wird, ist ein solcher Weg für viele Bauern attraktiver. Inzwischen wird sogar befürchtet, dass sich einige Landstriche in Deutschland - etwa in Niedersachsen - deswegen in Mais-Monokulturen entwickeln. «Dem Verbraucher ist nicht vermittelbar, warum er einerseits mehr für die Lebensmittel bezahlen soll, aber zugleich über seine Steuern diese Entwicklung auch noch subventioniert», betont Sabine Eichner.
   
Zwangsläufig steigende Preise wegen der Einführung des Biosprits erwartet auch der Hamburger Feinkosthersteller Carl Kühne: «Alkohol, den wir für die Herstellung von Essig benötigen, ist deutlich teurer geworden», sagte er der Online-Ausgabe des «manager magazin». Das liege vor allem daran, dass Alkohol dem Benzin beigemischt werde.
«Plötzlich ist Zucker, der als Ausgangsprodukt für Alkohol immer billig war, ein teurer Rohstoff geworden. Die Entwicklung ist aber auch beim Öl für Dressings und Mayonnaise deutlich erkennbar», fügte er hinzu.
   
Auch die wachsende Zahl von Biogasanlagen und der damit verbundene Maisanbau stehe «in absoluter Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau» und treibe die Pachtpreise nach oben. Als Folge würden zahlreiche Produkte seines Unternehmens teurer. Die gesamte Nahrungsmittelindustrie sei auch aufgrund steigender Weizenpreise gezwungen, die Preise auf breiter Front zu erhöhen. «Irgendwann in diesem Jahr muss der Dammbruch kommen», prophezeite der Kühne-Chef.
   
Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) betonte indes, die Frage einer Konkurrenz zwischen «Tank und Teller» sei für die Produktion von Bioethanol nicht so entscheidend, die Anbaufläche von Rohstoffen für Biogas sei viel größer.
 
Verbraucher steht als verloren da
 
Verbraucherschützer versprechen sich wenig vom «Benzingipfel» zum Debakel beim umstrittenen Biosprit E10. Egal, was am Dienstag herauskommen werde: «Letzten Endes wird es auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen», sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, Roland Pause am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Leipzig.
   
Die Verbraucher seien verunsichert. Sie wüssten nicht, ob ihr Auto überhaupt E10 verträgt. Die Klimabilanz des Ökokraftstoffs sei umstritten. «Durch die Verunsicherung traut sich der Verbraucher gar nicht, E10 zu tanken, sondern greift lieber zum teureren SuperPlus», sagte Pause. Er mutmaßte zudem, dass schon vor der Einführung von E10 an der Preisspirale gedreht wurde, damit der Ökokraftstoff attraktiver erscheine.
   
Sollte der Kaufstreik an den Zapfsäulen zur Rücknahme von E10 führen, sei wiederum der Verbraucher der Dumme. Dann nämlich müssten die Mineralölkonzerne Strafzahlungen leisten - gerechnet wird mit 2 Cent pro Liter. «Das legen sie sowieso auf die Kunden um und am Ende steht der Verbraucher als verloren da», kritisierte Pause.
   
Vorschläge, wie das Debakel um E10 nachträglich gemildert werden könnte, hat Pause nicht. «Was will man machen, wenn der Verbraucher einmal verunsichert ist?» Er glaube, der Markt werde über das Schicksal des Ökokraftstoffs entscheiden. Der Verbraucherschützer fällt ein vernichtendes Urteil zur E10-Einführung: «Das war eine Schnapsidee.»
 
Bauernverband: Vorwürfe der Klimaschädlichkeit gehen an Realität vorbei 
   
„In Deutschland wird seit Beginn des Jahres 2011 die Nachhaltigkeit der Erzeugung von Biokraftstoffen vom Anbau bis zur Raffinerie überprüft und staatlich zertifiziert“, stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, vor dem morgigen „Benzingipfel“ fest. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung prüfe und zertifiziere. Deshalb gingen Vorwürfe, die Beimischung von Bioethanol zu herkömmlichem Super-Benzin sei nicht klimafreundlich oder gar klimaschädlich, an der Realität vorbei. „Alle Biokraftstoffe, die in Deutschland getankt werden, müssen 35 Prozent weniger Treibhausgase verursachen als herkömmliche fossile Kraftstoffe“, erklärte Sonnleitner. Bioethanol aus deutscher Produktion verursache vom Acker bis in den Tank schon heute nur etwa 50 Prozent der CO2 Emissionen von herkömmlichem Benzin. Mittelfristig seien durch technologische Verbesserungen Einsparungen bis zu 70 Prozent Treibhausgasen möglich.

Die Nachhaltigkeitszertifizierung stelle zudem sicher, so Sonnleitner, dass keine Biokraftstoffe von abgeholzten Wäldern oder trockengelegten Mooren stammen könnten. Die Landwirtschaft habe mit dieser Zertifizierung also ihre Hausaufgaben gemacht, erklärte er. Es grenze an bewusste Verbrauchertäuschung, wenn Umweltverbände plötzlich die Gefahr der Entstehung von Monokulturen durch heimisches Bioethanol an die Wand malten. Denn als Ackerkulturen für die Bioethanolherstellung würden unterschiedliche Getreidearten sowie Zuckerrüben genutzt, die im Fruchtwechsel angebaut würden.

Auch die Teller-oder-Tank-Diskussion sei absurd. Auf den 11 Millionen Hektar Ackerfläche in Deutschland würden nur auf 2 Millionen Hektar nachwachsende Rohstoffe oder Bioenergie angebaut. Bis vor wenigen Jahren habe man noch bis zu 15 Prozent der Fläche stillgelegt. Allein diese Flächen und der technische, züchterische Fortschritt von jährlich 2 Prozent der Erntemenge ermögliche heute Pflanzen für Bioenergie anzubauen ohne die Lebensmittelproduktion einzuschränken.

Die Ursache des aktuellen Debakels um die Markteinführung von E10 sieht der DBV in einem hausgemachten Problem der Mineralölwirtschaft wegen unzureichender Kommunikation. Es liege jetzt an der Mineralölwirtschaft, ihre Hausaufgaben schnellstmöglich nachzuholen. Wenn die Mineralölbranche glaube, eine zehnprozentige Beimischung von Bioethanol in Super-Benzin könne ohne Information über die Verträglichkeit der Autos oder mit Verweis auf Internetseiten im Markt eingeführt werden, sei dies naiv oder lasse den Eindruck entstehen, dem Verbraucher soll der günstigere E10 Sprit madig gemacht werden, betonte der DBV.


 
 
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