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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Betriebsführung » Produktion und Förderung » FdW-Internetnutzung » Minkel ]
Freitag, 25.05.2012
FdW-Internetnutzung | 18.02.2011 Redaktion agrarheute.com

Nachgefragt: Wie nutzen Sie das Internet beruflich und privat?

Wetterdienst, Warenterminbörse oder Ersatzteilbestellung. Welche Internet-Anwendungen nutzen Landwirte und ihre Familien? Wir fragen Gerlinde Minkel aus Hessen.

Energiewirtschaft, Landwirtschaft und Urlaub auf dem Land

"Mein Name ist Gerlinde Minkel (44), ich wohne mit meinem Ehemann Klaus und drei Kindern 15 km südlich von Kassel in Gudensberg-Dissen. Der landwirtschaftliche Betrieb wird im Vollerwerb von meinem Mann als Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Kartoffelvermehrung, Zuckerrüben und Weizenanbau bewirtschaftet. Beruflich bin ich als Agraringenieurin bei einem großen Düngemittelhersteller in Kassel im Bereich Energiewirtschaft in Teilzeit beschäftigt. Die restliche Zeit gehört der Familie sowie Hof und Garten.

Internet bei der Arbeit, im Betrieb und während der Freizeit

An meinem Arbeitsplatz ist ein Arbeiten ohne Internet nicht mehr vorstellbar, denn der größte Teil der Informationen kommt über den Bildschirm. E-Mails haben weitgehend den Briefverkehr ersetzt und die schnelle Verfügbarkeit aktueller Information ist ein wesentliches Kriterium. Das interne Netzwerk (Intranet) ergänzt das world wide web und zusammen sind diese beiden Säulen die Hauptinformationsquellen, ohne die kaum noch Entscheidungen getroffen oder Verträge abgeschlossen werden. Der Blick auf Börsen und Notierungen oder jüngste politische Entwicklungen ist genauso selbstverständlich wie die Übersetzung eines englischen oder französischen Textes mit Hilfe z.B. der Google-Übersetzungshilfe. Man erwartet von uns, dass aktuelle Informationen punktgenau verwertbar zur Verfügung stehen, das ist fast nur mit Internetnutzung möglich.

Newsletter können die Fachzeitschriften bei uns noch nicht verdrängen

Dank der Zugriffe auf spezielle (und teure) Informationsportale z. B. für Gesetzestexte, weltweite Börsennotierungen oder durch den Zugriff auf exklusive Mitgliedsseiten sammle ich Informationen, die für wettbewerbsfähige Verträge entscheidend sein können. Auf unserem Betrieb haben wir Newsletter abonniert, die bisher aber noch nicht die Fachzeitschriften verdrängen konnten. Wir nutzen die Agrarwettervorhersagen und sind auch bei Preisvergleichen gerne im Internet unterwegs. Für meinen Mann bietet das Internet die Möglichkeit außerhalb der Geschäftszeiten Anfragen und E-Mails zu beantworten und so das 'Hinterher-Telefonieren' für beide Seiten einzugrenzen.

E-Mails können den Faxverkehr nicht ersetzen

Ein Blick in landwirtschaftliche Fachportale ist immer mal drin, allerdings öffne ich die Seiten relativ selektiv und nutze dieses Medium nicht als Ersatz für eine Fachzeitschrift oder die Tageszeitung. Der E-Mail-Verkehr kann in der Hochsaison den Faxverkehr nicht ersetzen, mal eben eine Mitteilung aufs Fax gelegt ist beim Berufskollegen meist genauso schnell am Ziel. GPS hat zwar auf dem Schlepper Einzug gehalten, aber noch kommen wir ohne Blackberry klar und die Emails werden nicht während des Ackerns auf dem Schlepper abgerufen, aber wer weiß wie lange noch… Wenn wir mit unserem Ferienhof-Angebot starten, wird das Internet im Betrieb weiter an Bedeutung gewinnen, denn die Gäste im Landtourismus informieren und buchen sehr stark über das Internet, vor allem in Regionen die abseits der großen Feriengebiete liegen.  

Zugang zu allen Informationen zu jeder Zeit oder der gläserne Kunde?

Das Internet ist ein effizientes Hilfsmittel und der Computer ein Arbeitsgerät, an dem ich im Alltag nicht mehr vorbei komme, aber es gibt auch immer einen Ausschalter. Für mich beginnen dann Auszeit und Urlaub, wenn ich ohne Handy unterwegs bin und keine E-Mails lese und die Heimat-Zeitung als Nachrichtenquelle ausreicht. Eine Gefahr sehe ich in der Glaubwürdigkeit von uns Erwachsenen, zu viel Bildschirm ist nicht gesund, doch wie kann ich von den Kindern erwarten, dass sie rausgehen oder Sport machen, wenn wir auch dem PC den Vorzug geben? 

E-Email-Tsunamis durch endlose Nachrichten

Die Online-Gefahren sind nicht zu unterschätzen und trotzdem sehr schwer einzukalkulieren, das Phishing oder ein Trojaner kann jeden treffen und ruck-zuck sind im Onlinebanking alle Bankverbindungen gekappt! Gut, wer dann eine Hausbank um die Ecke hat. Aber selbst beim E-Mailverkehr finde ich die Gefahr "zugemüllt" zu werden groß, schnell ist kopiert und die Antwort der Antwort usw. geschrieben und dann werden die Emails mit allen Anhängen zur Informationsflut, die vor allem nach Urlaubsende beinahe einen E-Mail-Tsunami am eigenen Rechner auslöst. Trotzdem sehe ich hier eine Chance für viele berufstätige Frauen auf dem Land, denn dank E-Mail und Internet können Heimarbeitsplätze entstehen und die Chance, Familie und Beruf zu verbinden, ist gestiegen. 

In unserer Familie ist der Alltag ohne Internet nicht mehr vorstellbar

Auch Einkaufen im Internet ist eine echte Alternative, falls man Dinge erwerben möchte, die nur für eine kleine Zielgruppe interessant sind. Hier hatte man vor allem auf dem Dorf vor der Welt des Amazon und Ebay oft Schwierigkeiten, das passende Ersatzteil oder das Fachbuch bestellen zu können. Doch dieser Segen hat auch den Nachteil, dass man mit seinen Daten, seinem Einkaufsverhalten und seiner Bankverbindung fast überall registriert ist, man ist gläsern und hat keine Kontrolle, wie diese Informationen genutzt werden. Trotzdem ist auch in unserer Familie der Alltag ohne Internet nicht mehr vorstellbar, egal ob Informationen aus Wikipedia oder die Suche nach einer passenden Fahrradroute, bevor man zu Atlas oder Lexikon greift, sitzt man am Computer …  

Unsere Kinder laden ihre Freunde mit handgemachten Geburtstagskarten ein

Gerade weil ich diese uneingeschränkte Familientauglichkeit des Internets sehe, möchte ich, dass unsere Kinder ihre Freunde mit einer handgemachten Karte zum Geburtstag einladen, keine Fotos von sich ins Schüler VZ stellen und die Zeit am PC nicht uneingeschränkt zur Verfügung haben. Deshalb versende ich selbst noch handgeschriebene Weihnachtspost, deshalb bin in keiner Community eingeloggt und habe auch nicht vor, meine Fotos künftig auf einem virtuellen Fotoalbum allen Verwandten in nah und fern zur Verfügung zu stellen. Doch wie lange werde ich das noch so machen? Vermissen tue ich am Internetzugang nichts - außer einer Zeitschaltuhr am Rechner, die ihn bei 'Zeitüberschreitung' automatisch herunter fahren würde. 

Auch für Senioren bietet das Internet viele Möglichkeiten

Doch was ich schade finde, ist die Tatsache, dass viele ältere Menschen von dieser Welt des Internets abgekoppelt sind. Es gibt eine Menge Senioren auf dem Land, die sich nicht trauen einen PC anzuschaffen und eine Tastatur zu bedienen. Vielleicht weil sie Angst haben, sich zu blamieren oder es scheint ihnen alles zu teuer und zu kompliziert. Dabei wäre für manche das Internet eine schöne Ergänzung zum Fernsehen, eine Möglichkeit trotz eingeschränkter Mobilität miteinander in Kontakt zu treten und sich gezielt Informationen z B. in großer Schrift oder mit lautem Ton zu beschaffen. Entsprechende und ansprechende Angebote habe ich diesbezüglich noch nirgends gesehen…"
 
Gerlinde Minkel, 34281Gudensberg-Dissen/Hessen  
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