Samstag, 26.05.2012
AbL: Bauern verteidigen das Recht auf Nachbau von Saatgut
Lüneburg/Berlin - Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisiert die Reformpläne des EU-Sortenschutzgesetzes als zu einseitig zugunsten der Züchter.
Im Vergleich zum Vorjahr war deutlich weniger Maissaatgut mit Gentechnisch Veränderten Organismen (GVO) verunreinigt.
© Mühlhausen/landpixel
"Wir verteidigen das Jahrtausend alte Bauernrecht auf Nachbau von Saatgut. Wir warnen die EU-Kommission und die EU-Agrarminister vor Reformplänen des EU-Sortenschutzgesetzes, die das Bauernrecht weiter aushöhlen und einseitig für die Pflanzenzüchter Vorteile schaffen sollen", schreibt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Nachbau in einer Stellungnahme zu den jüngsten Ankündigungen aus Brüssel, eine Reform des EU-Sortenschutzrechtes und der Saatgutnachbauregelung vorzunehmen.
"Jetzt wird in Brüssel hinter verschlossenen Türen diskutiert"
Janßen weiter: "Erneut versuchen die Pflanzenzüchter, die
Nachbauregelung beim Saatgut zu ihren Gunsten zu gestalten und für die
Bauern zu verschärfen. Nachdem sie in den letzten Jahren auf politischer
und rechtlicher Ebene dank des entschlossenen Widerstands der IG
Nachbau und der AbL mit ihren Plänen nicht durchgekommen sind, wird
jetzt hinter verschlossenen Türen in Brüssel eine Gesetzesänderung beim
EU-Sortenschutzrecht diskutiert mit dem Ziel, die Nachbauregelung
'effektiver, einfacher und gerechter' zu machen. Übersetzt heißt das,
dass die Züchter einfacher an die Nachbaugebühren kommen wollen."
Ganz sind die Brüsseler Türen aber nicht geschlossen, denn es sitzen auch Vertreter der Europäischen Bauernverbände (COPA) und der Europäischen Genossenschaften
(COGECA) mit am Tisch, erklärte eine
EU-Kommissionsvertreterin gegenüber einer Delegation der IG Nachbau. Schon in den 90er Jahren hatten sich die Spitzen des
Bauernverbandes und der Pflanzenzüchter auf eine Nachbauregelung
mit Gebühren verständigt, die in der Folgezeit für heftige
Auseinandersetzungen zwischen Züchter und Bauern gesorgt hatte.
Was haben die Züchter aktuell vor?
Laut AbL fordern sie:
- die Auskunftspflicht für
Landwirte/Aufbereiter unabhängig von Anhaltspunkten
- Unterstützung durch
öffentliche Stellen (z.B. Nennung der Sorten bei Förderanträgen)
- die
Aufbereitung von Saatgut soll nur bei Sortenkenntnis bzw. Musterziehung
erfolgen
- auch Kleinlandwirte sollen Nachbaugebühren zahlen
- die
nachbaufähigen Arten sollen eingeschränkt
- der Nachbau soll mengen-
und flächenmäßig begrenzt werden
- die Nachbaugebühren sollen kräftig
steigen.
IG Nachbau fordert einen Saatgut-Fonds
IG Nachbau fürchtet, dass die Rechte, die sie für die Landwirte in
diversen Prozessen vor dem Europäischen Gerichtshof in
Luxemburg und dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe erkämpft hat, durch die
Reform des Sortenschutzgesetzes geschliffen werden. Die AbL weißt aber
darauf hin, dass das Ganze kein Wunschzettel der Züchter sei, sondern in
einer Arbeitsgruppe der Europäischen Züchterverbände (ESA)
erarbeitet werde, wo nicht nur mittelständische Züchter sondern auch
große
Gentechnikkonzerne wie Monsanto und BASF mitmischten.
Die Arbeitsgemeinschaft kündigt deshalb schon jetzt an: "Wir werden
politisch und rechtlich mit allen unseren Mitteln für das Recht auf
freien Nachbau kämpfen. Saatgutzüchtung ist eine Aufgabe der
Gesellschaft und deshalb fordern wir einen Saatgut-Fonds, in dem der
Staat, die Züchter, Bauern und der Handel einzahlen sollen und dann
demokratisch entschieden wird, für welche Züchtungsprojekte Geld
ausgegeben wird".
pd
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