Samstag, 26.05.2012
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Nachgefragt: Tierschutz und Auflagen in der Ferkelerzeugung?
Auf die Ferkelerzeuger kommen derzeit viele Haltungs- und Tierschutzauflagen zu, darunter die Umstellung auf Gruppenhaltung oder der Ausstieg aus der unbetäubten Ferkelkastration. agrarheute hat nachgefragt.
Am EU-Schlachtschweinemarkt ist die Preisschwäche immer noch nicht beendet.
© Mühlhausen/landpixel
Überangebot von niederländischen und dänischen Ferkeln, schlechte Preise
Thomas Bröker, 49777 Stavern
Niedersachsen
Wir Ferkelerzeuger haben im Moment eine schlechte Situation. Das Überangebot von Ferkeln drückt mit aller Macht auf den Markt. Es ist aus meiner Sicht nicht das Angebot von deutschen Ferkeln, das zu groß ausfällt, sondern es sind die dänischen und holländischen Ferkel die zahlreich den Weg über die Grenze finden. Und auch wenn uns Ferkelerzeugern immer erzählt wird, wir wären das letzte und schwächste Glied in der Kette, finde ich, dass die Tierärzte, Jungsauenlieferanten, Futtermittelhersteller usw. noch weiter hinten anstehen. Es kann nicht angehen, dass im vor- und nachgelagerten Bereich Geld verdienet wird, nur wir als Ferkelerzeuger Geld zusetzen. So hart es auch ist, der Markt muss es regeln. Betriebe müssen aufhören, damit das Ferkelangebot sinkt. Auch die Schlachthöfe können uns helfen, indem sie die Maskengewichte runter nehmen. So schaffen die Mäster mehr Umtriebe bei besserer Futterverwertung und können schneller und mehr Ferkel wieder einstallen. Wir investieren gerade in einen neuen und modernen Abferkelstall mit einem ökologischen Heizsystem in Form einer Hackschnitzelheizung. Des Weiteren habe ich bereits die Genehmigung für die Umbauten zur Gruppenhaltung vorliegen und beginne nun mit dem Bau. Da ein Größenwachstum in Zukunft immer schwieriger werden wird, werde ich sehen, dass ich im nachgelagerten Bereich investiere. Ich denke hier z. B. an eine Hackschnitzelheizung. Bei der Vermarktung unserer Ferkel setzen wir schon jetzt auf Direktbeziehungen. Das ist für uns eine gute Lösung. Wir setzen darauf, dass auch in Zukunft unsere gute Ferkelqualität gemeinsam mit der Nähe zum Mäster den Absatz entscheidend sichert.
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Im Tierschutz auch Kompromisse eingehen
Philine Göckeritz, 31634 Steimbke
Niedersachsen
Die derzeitige Lage der Ferkelerzeuger ist sehr kritisch,
für viele Betriebe sogar Existenzbedrohend. Wir stehen noch relativ gut
da, weil wir im geschlossenen System produzieren und so wenigstens
keine Absatzprobleme bei den Ferkeln haben. Doch betrachtet man den
Betriebszweig Ferkelproduktion für sich, so ist die Produktion, auf
Grund der hohen Futterkosten momentan unrentabel. Deshalb sollte man
sich grundsätzlich überlegen: Produzieren wir die Ferkel nicht teurer
als wir sie am Markt zukaufen könnten? Ich sehe drei Wege, aus dem
Preistief: Aufhören, Durchhalten oder Aussetzen und auf bessere Zeiten
hoffen. Die gestiegenen Anforderungen im Bereich Tierschutz kommen zu
der schwierigen Marktlage noch hinzu und erschweren die
Wettbewerbsbedingungen für die deutschen Ferkelproduzenten. Tierschutz
ist in aller Munde. Jeder regt sich darüber auf und jeder mischt sich
irgendwie ein und will mitreden. Am Ende verlieren die meisten
Beteiligten den Blick für das eigentlich wichtige: Das es den Tieren
mit den Maßnahmen besser geht. Der
Landwirt wird zu immensen
Investitionen gezwungen, die im Endeffekt hohe Kosten verursachen, auf
der anderen Seite aber keine höheren Erlöse einbringen. Sie bedeuten
mehr Arbeit und sind wie gesagt nicht immer zum Wohle des Tieres. Als
Beispiel sei hier die sogenannte "Bewegungsbucht" im Abferkelstall
genannt. Die Sau wird für drei Wochen fixiert, um Ferkelverluste zu
vermeiden. Darf sich die Sau bewegen steigen die Erdrückungsverluste
sofort rapide. Hinzu kommen hygienische Probleme. Kann die Sau sich
drehen ist die Gefahr groß, dass sie in ihren eigenen Trog kotet. Wie
kann das Tierschutz sein, wenn man es unterstützt, dass neugeborene
Ferkel von ihrer Mutter zerquetscht werden und ist es ein angemessener
Preis dafür, dass sich die Sau in ihrer Bucht umdrehen kann? Der
Ferkelschutzkorb ist ein Kompromiss, doch die Vorteile für Ferkel und
Sauenhalter überwiegen.
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Große Herdengröße, große Ferkelpartien, guter Gesundheitsstatus
Philipp Lütjens, 29664 Walsrode-Idsingen
Niedersachsen
In
Kooperation mit einem weiteren
Landwirt sind wir 2005 auf der grünen
Wiese mit einem neuen Stall in die Sauenhaltung eingestiegen. Zuvor
waren wir Ferkelaufzüchter und bekamen Partien aus vielen verschiedenen
Betrieben. Aus gesundheitstechnischer Sicht eine Katastrophe. Natürlich
geht es uns mit den hohen Futterkosten und den niedrigen Ferkelpreisen
nicht viel besser als unseren Berufskollegen, jedoch können wir im
Hinblick auf die Größenordnung gewisse Kostenvorteile nutzen und eine
geringere Aufstallbereitschaft seitens der Mäster durch feste
Lieferverträge weitestgehend unterbinden. Wir bemühen uns, unsere
Produktionskosten zu optimieren ohne dabei aber langfristig gesehen die
Herdenleistung zu gefährden, beispielsweise durch schlechtere
Futterqualität oder einen verminderten Jungsauenzukauf. Gerade die
Optimierung der biologischen Leistungen halte ich für einen wichtigen
Aspekt um die katastrophale Marktlage zu überwinden. Wir können jetzt
schon einige Vorteile für unseren Betrieb nutzen. Da wäre unser hoher
Gesundheitsstatus, der uns zugleich bei der Verwirklichung von hohen
biologischen Leistungen unterstützt. Wir können mit 800 Sauen relativ
große Ferkelpartien anbieten, die wir an feste Mäster mit unserem
eigenen Transporter abgeben. Wir müssen gute Beratung fordern aber auch
umsetzen. Nicht alle kommen durch die Tiefpreisphase, zumal viele
Betriebe auch noch von hohen finanziellen Umbaumaßnahmen betroffen
sind, sodass sich der Markt langfristig selber regulieren wird. Wir
werden versuchen mit unserem Betrieb zu den "Besseren" zu gehören und
so unsere Existenz zu sichern. Geben Betriebe in dieser Phase auf, wird
sich das Ferkelangebot auch wieder verknappen.
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Angelika Sontheimer, Freie Agrarjournalistin
Jana Püttker, ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands
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