Samstag, 26.05.2012
Friedrich-Loeffler-Institut: Neues Rindervirus entdeckt
Insel Riems - Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat bei der Untersuchung von Milchrindern in Nordrhein-Westfalen Hinweise auf ein neues Virus gefunden.
Der Export von Milchprodukten bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau und liegt zumindest für die USA sogar über den Vorjahreswerten.
© Krick/agrar-press
Seit den Sommermonaten waren dort bei Milchrindern die Symptome Fieber über 40°C, reduziertes Allgemeinbefinden sowie starker Milchrückgang beobachtet worden. Erbmaterial eines bisher unbekannten Erregers wurde am FLI, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, aus Proben erkrankter Tiere mit Hilfe der neuen Technik der Metagenomanalyse nachgewiesen. Erste vergleichende Untersuchungen weisen darauf hin, dass es sich um einen Erreger aus der Gattung Orthobunyavirus handelt, der mit der Gruppe der Akabane-ähnlichen Viren verwandt ist.
Diese Erreger werden wie das Virus der
Blauzungenkrankheit hauptsächlich von Gnitzen (Bartmücken), einer Mückenart, übertragen. Aufgrund der Probenherkunft wird das Virus vorläufig als „Schmallenberg-Virus“ bezeichnet. Bisher konnte der Erreger allerdings noch nicht isoliert werden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den beschriebenen Symptomen und dem „Schmallenberg-Virus“ gibt, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Zudem ist unklar, ob es sich um einen Neueintrag dieses exotischen Virus handelt oder ob Orthobunyaviren schon seit längerer Zeit unerkannt bei Rindern in Europa vorkommen. Weitere Untersuchungen zur Charakterisierung des Virus und zur möglichen Ausbreitung laufen.
Metagenom-Analyse brachte Klarheit
Orthobunyaviren des Rindes sind in Ozeanien, Australien und Afrika
verbreitet und rufen dort in der Regel zunächst nur eine sehr milde
Klinik hervor. Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können
zeitverzögert zum Teil erhebliche angeborene Schäden, Frühgeburten und
Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen auftreten. Das FLI hatte die aus
Nordrhein-Westfalen eingesandten Proben zunächst auf eine Reihe von
bekannten Viren untersucht (z.B. Virus der Maul-und Klauenseuche oder
das Virus der Blauzungenkrankeit), konnte aber keinen dieser Erreger
nachweisen. Daraufhin wurde die neue Technik der Metagenom-Analyse
eingesetzt, die den ungezielten Nachweis von Erbmaterial (Genom)
potentieller Infektionserreger erlaubt. Diese aufwändige Technik führte
zum Nachweis von Teilen des Erbguts des neuen Erregers, worauf dann eine
Polymerasekettenreaktion als empfindliche und erregerspezifische
Nachweismethode entwickelt werden konnte. Das Erbgut des Erregers konnte
mit dieser Methode bisher in neun Tieren aus vier Beständen
nachgewiesen werden.
pd
Um ein Kommentar zu schreiben müssen Sie sich einloggen.