Samstag, 26.05.2012
Nutzflächenverlust verringern
München – Unter dem Motto „Was das neue Jahr den Bauernfamilien bringt“, lud der Bayerische Bauernverband gestern zur jährlich stattfindenden Neujahrs-Pressekonferenz.
Sonnleitner: "Landwirte nehmen Antibiotika-Einsatz sehr ernst"
Am Dienstag, den 10. Januar 2012 fand das Neujahrs-Pressegespräch des Bayerischen Bauernverbandes im Generalsekretariat in München statt. Gerd Sonnleitner berichtete zum letzten Mal in seiner Funktion als Bayerischer Bauernpräsident über die Situation in der Land- und Forstwirtschaft und gab einen Ausblick auf das kommende Wirtschaftsjahr.
Sonnleitner warnt vor falschen Schuldzuweisungen
Die zur Internationalen Grünen Woche erneut aufgekommene Diskussion zum Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung war zentrales Thema des Gesprächs. Sonnleitner wies ausdrücklich darauf hin, dass die alleinige Schuld für die steigende Anzahl von multiresistenten Keimen nicht in der Landwirtschaft gesucht werden dürfe. „Die Hälfte der Antibiotika, die eingesetzt werden, gehen in die Haustiere“, sagte der Bauernpräsident. Hauptgefahrenquelle sei die Übertragung der Keime von Mensch zu Mensch, vor allem in Krankenhäusern. Außerdem sei der Antibiotikaeinsatz bei steigender Tierzahl zurückgegangen. Bei der Lösungsfindung müsse die Komplexität des Themas beachtet werden.
Unterschriftenaktion zum Flächenschutz gestartet
Um den Verlust an Nutzflächen zu verringern, hat der Bayerische Bauernverband eine Unterschriftenaktion „Flächenschutz“ angestoßen, die nun bundesweit läuft und eine Petition an den Deutschen Bundestag zum Ziel hat. Hintergrund dieser Initiative ist der enorme Flächenentzug: Seit 1970 hat die landwirtschaftliche Nutzfläche allein in Bayern um 500.000 Hektar abgenommen. Das entspricht der heutigen Acker- und Grünlandfläche Niederbayerns. Hinzu kommt, dass immer mehr Fläche für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen beansprucht werde: In Bayern stieg hier der Flächenverbrauch von rund 16 Hektar pro Tag im Jahr 2009 auf über 20 Hektar pro Tag im Jahr 2010. Jeden dritten Tag verschwindet damit die Fläche von zwei bayerischen Durchschnittsbetrieben. In Deutschland beträgt der Flächenverlust rund 90 Hektar täglich.
Die geplante Zwangsstilllegung von sieben Prozent der Ackerflächen im Rahmen der Greening-Maßnahmen könnte die Situation noch verschärfen. Das würde auch an den vor- und nachgelagerten Bereichen nicht spurlos vorübergehen und Arbeitsplätze, vor allem im ländlichen Raum, gefährden. Weiterhin befürchtet der Bauernpräsident negative Folgen durch übertriebene Bürokratie. So soll zum Beispiel künftig etwa jeder zweite Landwirt seine kompletten Einkünfte in der Antragsstellung ausbreiten. Die bisherigen Vorschläge von EU-Agrarkomissar Dacian Ciolos würden den bürokratischen Aufwand um mehr als 30 Prozent steigen lassen.
Landwirtschaft als ökonomischer Faktor
Sonnleitner äußerte sich erfreut darüber, dass die Landwirtschaft auch endlich als ökonomischer Faktor wahrgenommen wird. Die Bauernfamilien stellten 2011 über 700.000 Arbeitsplätze und haben einen Anteil von 15 Prozent am Umsatz der Gesamtwirtschaft. „Damit sind drei mal Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, als in der Automobilindustrie“, sagte der Präsident. Der Arbeitsplatzzuwachs beträgt bundesweit rund 12.000, davon allein 3.000 Arbeitsplätze in Bayern.
Auch beim durchschnittlichen Monatseinkommen ist ein Aufwind zu verzeichnen. Es stieg im vergangenen Jahr von 1.500 Euro auf 2.150 Euro je Familienarbeitskraft, ausgenommen davon sind Ferkelerzeuger und Schweinehalter. Die Erwartungen für das kommende Wirtschaftsjahr sind vor allem durch die gestiegenen Kosten für Energie, Kraftstoffe und Dünger eher gedämpft.
Präsidentenwahlen und Jubiläum
Auf den deutschen Bauerntagen die vom 26. bis 28. Juni in Fürstenfeldbruck stattfinden, steht die Wahl des neuen Bauernpräsidenten an. Gerd Sonnleitner wird, wie bereits angekündigt, für das Amt nicht mehr zur Verfügung stehen.
Ein weiteres wichtiges Ereignis 2012 wird das Zentrallandwirtschaftsfest sein, das sein 125 jähriges Jubiläum feiert. Unter dem Motto „LebensMittelPunkt Landwirtschaft“ findet die Veranstaltung vom 22. bis 30. September parallel zum Oktoberfest in München statt. Im Zentrum wird die Nachbildung einer begehbaren Erdkugel stehen. Damit soll die globale Bedeutung der Landwirtschaft symbolisiert werden.
vm
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