Kartoffeln BASF hat Freisetzung von zwei Gen-Kartoffelsorten beantragt

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Limburgerhof - BASF Plant Science möchte seine beiden gentechnisch veränderten Kartoffel-Sorten Modena und Fortuna am Standort Limburgerhof (Rheinland-Pfalz) freisetzen.

© Mühlhausen/landpixel Bild vergrößern
BASF Plant Science hatte die Freisetzung der beiden GV-Kartoffelsorten im August des Vorjahres beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beantragt.
 
Vermutlich nicht ganz zufällig ging die Bekanntmachung dieses Freisetzungsantrags im Bundesanzeiger im Trubel der Vorweihnachtszeit unter: Die damit verbundenen Einsichts- und Einwendungsfristen begannen am 4. Dezember 2012 und enden heute beziehungsweise am 11. Februar 2013.

Freisetzung auf zehn Hektar Ackerfläche

Laut Bundesanzeiger möchte das Tochterunternehmen des Chemieriesen BASF die beiden Genkartoffeln Modena und Fortuna zu Forschungszwecken und zur Vermehrung von Saatgut freisetzen. Die Feldversuche sollen noch in diesem Jahr starten und bis 2017 andauern. Der Versuchsanbau wurde für eine Fläche von maximal zehn Hektar am Standort Limburgerhof in Rheinland-Pfalz beantragt, der Anbau an zusätzlichen Standorten wird jedoch nicht ausgeschlossen. Bei praxisüblicher Pflanzdichte könnten auf einem Hektar Ackerland 80.000 Kartoffelpflanzen kultiviert werden, heißt es im Bundesanzeiger weiter. Bei dem beantragten Feldversuch auf zehn Hektar wäre demnach Platz für rund 800.000 genmanipulierte Kartoffelpflanzen.

Geplante Anwendungbereiche: Papier, Klebstoff und Pommes Frites

Bei der Gen-Kartoffel Modena (Kartoffellinie AV43-6-G7) wurde die Stärkezusammensetzung so verändert, dass sie weniger Amylose und mehr Amylopektin enthält. Mit ihren höheren Stärkeerträgen ist sie für die Anwendung in der Papier- und Klebstoffindustrie gedacht. Die Gen-Kartoffel Fortuna (Linie PH05-026-0048) ist hingegen eine reine Speisekartoffel und könnte auch auf den Tellern der Verbraucher landen. Sie wurde so manipuliert, dass sie sowohl resistent gegen den Erreger der Kraut- und Knollenfäule, den Pilz Phytophtora, als auch gegenüber dem Herbizid Imazamox sein soll. Fortuna soll speziell für die Verarbeitung zu Pommes Frites und Chips vorgesehen sein.

Kritiker fürchten unkontrollierbare Auskreuzung der Gen-Knollen

Das Umweltinstitut sieht die beiden Freisetzungsanträge kritisch: "Eine Koexistenz bei einem Anbau von genmanipulierten Kartoffeln ist völlig unrealistisch. Es gibt zu viele Kontaminationsmöglichkeiten während der gesamten Produktionskette, von der Züchtung neuer Kartoffelsorten bis zum verarbeiteten Produkt. Im Falle einer Auskreuzung in herkömmliche Kartoffeln steigt die Gefahr einer völlig unkontrollierbaren Verbreitung der Gen-Konstrukte". Eine Kontamination der Kartoffelbestände könne gravierende ökonomische Folgen für die deutsche Land- und Lebensmittelwirtschaft haben.
 
Das Umweltinstitut kritisiert ferner, dass die Freisetzung allein wirtschaftlichen Interessen diene. Der Zweck scheine die Erzeugung großer Mengen an Knollenmaterial zu sein. "Nach wie vor gibt es in Deutschland und Europa keinen Bedarf für die genmanipulierte Stärke- oder gar Speisekartoffeln. Vor allem die Verbraucherinnen sind nicht bereit, gentechnisch manipulierte Produkte in ihrem Essen zu akzeptieren."

BASF will sich alle Optionen offen halten

BASF Plant Science machte mit dem Freisetzungsantrag seine Ankündigung vom vergangenen April wahr, in dem es weitere Zulassungsanträge für GV-Pflanzen gemeldet hatte. Damals hatte das Unternehmen berichtet, dass es wegen der ablehnenden Haltung der Verbraucher für den kommerziellen Anbau in Europa mittelfristig zwar keine Chance sehe, um sich alle Optionen offen zu halten, würden die Zulassungsanträge weiter laufen.

Einsichten und Einwendungen

Der Genehmigungsantrag und die Unterlagen für die beiden GV-Kartoffeln liegen bis einschließlich 11. Januar 2013 bei folgenden Stellen zur Einsicht aus: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin, im Rathaus der Gemeinde Limburgerhof sowie bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt an der Weinstraße. Schriftliche Einwendungen können dort noch bis einschließlich 11. Februar 2013 eingereicht werden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gab sich auf Anfrage von www.agrarheute.com bedeckt, bis wann mit einer Entscheidung auf den Antrag zu rechnen ist.
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