Steuer und Finanzen Betriebsergebnisse: Steigende Preise erhöhen Liquidität

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Berlin - Die positive Preisentwicklung für Agrargüter führt im Wirtschaftsjahr 2010/2011 vorraussichtlich zu einer Stabilisierung der landwirtschaflichen Unternehmen.

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Der Deutsche Bauernverband lehnt die Vorschläge zum „Greening“ der Direktzahlungen ab.
 
Trotz steigender Betriebskosten seien die landwirtschaftlichen Unternehmensergebnisse auf hohem Niveau. Es gibt allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Betriebsformen. Diese Prognose hat der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) anhand der Buchführungsergebnisse des Vorjahres, der Resultate der ersten sechs Monate und von Trendanalysen erstellt. Der VLK erklärte, dass Acker- oder Futterbaubetriebe 2010/11 nach zwei enttäuschenden Vorjahren wieder mit Zuwächsen ihrer Unternehmensergebnisse zwischen 20 Prozent und 40 Prozent rechnen könnten. Das biete ihnen die Möglichkeit, Liquiditätsreserven zu bilden.

Preise für Marktfrüchte ziehen an

Weltmarkt- und nachfragebedingt stiegen die Preise für Getreide um bis zu 50 Prozent, bei Raps um bis zu 40 Prozent, über 80 Prozent bei Kartoffeln und 15 Prozent bei Feldgemüse an. Je nach Verkaufszeitpunkt der Ernte konnten die Landwirte unterschiedlich davon profitieren. Negative Effekte, mit Erlösen rund 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau, werden bei Zuckerrüben auf Grund der geringeren Ernte, leicht gesunkener Erlöse (niedriger Zuckergehalt, Abzüge wegen Verschmutzung) erwartet.

Milch: Begrenztes Angebot bei belebter Nachfrage

Nach einem zwei Jahre andauernden Preisverfall zeigt sich der Milchpreis in diesem Jahr wieder erholt. Für das erste Halbjahr wiesen die amtlichen Notierungen eine kontinuierliche Preisverbesserung seit dem Sommer 2010 auf. Gegenwärtig pendelt der Preis zwischen 32 bis 34 Cent netto. Sofern dieses Niveau annähernd gehalten wird, ist für 2010/11 ein Preisanstieg im Südwesten von 17 Prozent und 23 Prozent im Norden zu erwarteten.
 
Schlachtrinder tendieren freundlicher
In der Rindeischproduktion sind höhere Preise bei Schlachtkühen, speziell bei Jungbullen und auch bei Färsen zu erwarten, während sich die Nutzkälberpreise nur auf Vorjahresniveau bewegen.

Deutlich höhere Kosten

Der gestiegene Ölpreis und größere Verbrauchsmengen (Trocknung) führen zu einem Kostenanstieg für Heizstoffe und Diesel zwischen acht bis 15 Prozent. Änderung der Stromsteuerermäßigung und der frühe Wintereinbruch lassen die Stromausgaben um zehn bis 20 Prozent ansteigen. Auch (Kraft-) Futter (+ 30 Prozent) und Handelsdünger (+ 25 Prozent) werden teurer. Die angespannte Finanzlage vieler Betriebe im Vorjahr führte zwar zu einer Abnahme der Investitionstätigkeit. Jedoch befanden sich zahlreiche Anlagen im Bau, die im laufenden Wirtschaftsjahr aktiviert werden. Daher muss mit höherem Aufwand bei den Abschreibungen gerechnet werden. Die bessere Liquidität lässt aufgeschobene Ersatzinvestitionen bei Maschinen und Geräten sowie Gebäuden und baulichen Anlagen erwarten. Insgesamt werden alle sonstigen Betriebsaufwendungen um fünf Prozent steigen.

Ackerbau ist wieder kostendeckend

Die erfreulichen Marktpreise im laufenden Wirtschaftsjahr haben die Mindererträge und die erhöhten Ausgaben im Ackerbau überkompensiert, so dass der Gewinn um etwa 10.000 Euro steigen wird. In Niedersachsen und in Nordrhein- Westfalen wird damit die vollständige Entlohnung der eingesetzten Faktoren (Arbeit, Kapital und Boden) gegebenenfalls nur geringfügig verfehlt. Im Kartoffelanbau werden die deutlichen Umsatzsteigerungen die negativen Effekte überkompensieren. Die anderen Hackfruchtbetriebe erzielen eine Umsatzsteigerung von circa 20 Prozent. Das erwartete Betriebseinkommen wird dennoch nur fünf Prozent über dem fünfjährigen Durchschnitt liegen. Die Druschfrucht-Spezialisten verbessern ihre Ergebnisse im Vergleich zum schlechten Vorjahresergebnis um 50 Prozent.

Futterbaubetriebe wieder in sicherem Fahrwasser

Die spezialisierten Futterbaubetriebe können die Gewinnrückgänge der beiden Vorjahre von zusammen 45 Prozent voraussichtlich ausgleichen, wenn der Milchpreis im ersten Halbjahr 2011 das derzeitige Niveau hält. Bei einem vorsichtig kalkulierten Preiszuwachs für Milch von 17 Prozent beziehungsweise 23 Prozent ist angesichts höherer Produktion und weiterer Leistungssteigerungen eine deutliche Zunahme des Unternehmensergebnisses von etwa 15.000 Euro anzunehmen. Die Futterbau- Betriebe erzielen dann Gewinne zwischen 50.000 Euro bis 65.000 Euro und können die eingesetzten Faktoren damit wieder voll entlohnen. Die reinen Milchviehbetriebe erhöhen den Gewinn überproportional. Die Rindeischproduzenten benden sich in einer relativ stabilen Situation mit erfreulich steigender Tendenz. Für den Ackerbau und mehr noch für den Futterbau wird sich ein insgesamt gutes Jahr ergeben, welches die Möglichkeit bietet, Liquiditätsreserven zu bilden.

Schweinehaltung noch unkalkulierbar

Selbst ohne Dioxinfunde in Futtermitteln und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen wäre es für die Schweinehaltung ein schwieriges Jahr geworden. Die Ferkelpreise hätten voraussichtlich zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Die Mastschweinepreise schienen in etwa konstant zu bleiben. In Verbindung mit den erheblichen Kostensteigerungen wären die Gewinne ohnehin stark eingebrochen. Die aktuell wieder anziehenden Preise lassen auf ein Ende der Krise hoffen. Da aber die Auswirkungen auf die Unternehmensergebnisse zur Zeit noch nicht abschließend bewertet werden können, wird die Prognose für diesen Bereich ausgesetzt.
 
Regionale Auswirkungen verschieden
Die strukturellen Unterschiede der Haupterwerbsbetriebe spiegeln sich erneut in der erwarteten Entwicklung der Unternehmensergebnisse wider. Dabei zeigen sich zwei große Trends: Regionen mit überwiegend Ackerbau oder spezialisierter Milch-viehhaltung können sich mit Zuwächsen zwischen 20 Prozent und 50 Prozent konsolidieren und den langjährigen Durchschnitt überbieten. Sehr schlecht sieht es dagegen in den Veredlungshochburgen aus.

Fazit: Betriebsergebnisse sind ordentlich

Das Wirtschaftsjahr 2010/11 wird als viertes Jahr in Folge mit extremen Einkommensentwicklungen und deutlichen Unterschieden zwischen den Betriebsformen gekennzeichnet sein. Kartoffeln, Getreide, Körnermais und Raps brachten deutlich bessere Preise ein. Nach zwei enttäuschenden Vorjahren sorgt der deutliche Preisanstieg der Milch wieder für Entspannung in den Futterbaubetrieben. Steigende Ausgaben bremsen aber den Einkommenszuwachs erheblich. Am Ende werden immer noch sehr ordentliche Betriebsergebnisse erzielt. Die meisten Futterbaubetriebe sollten nun ihre Liquiditätsengpässe hinter sich gelassen haben. Die bereits angespannte Lage in der Veredlung wurde durch den Dioxinfall zusätzlich verschärft. Wie stark sich die Preiseinbrüche im Unternehmensergebnis auswirken werden, hängt jetzt entscheidend von der weiteren Erholung der Märkte ab. (AgE)   
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