Geflügel BfR: Antibiotikaeinsatz in Tierproduktion bedenklich

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Das Bundesinstitut für Risikobewertung ist von Funden antibiotikaresistenter Keime auf Hähnchenfleisch nicht überrascht. Dennoch empfiehlt es, den Einsatz von Humanantibiotika in der Tierproduktion zu überprüfen.

© siepmannH/pixelio Bild vergrößern
Auf dem Hähnchenmarkt herrrscht reger Absatz.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat bei einer Stichprobe auf zehn von 20 gekauften Fleischproben ESBL-Keime gefunden, zwei Proben waren mit MRSA-Keimen belastet. "Der Fund von derartigen resistenten Keimen auf Hähnchenfleisch ist keine neue Erkenntnis", erklärt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
 
Bereits 2009 sei im Rahmen des Zoonosen-Monitoring auf 22,3 Prozent der Hähnchenfleischproben und auf 42,2 Prozent der Putenfleischproben MRSA nachgewiesen worden. Auch Fleisch von Schweinen (15,8 Prozent) und Kälbern (12,9 Prozent) war mit MRSA belastet. 

Infektion von Menschen über Lebensmittel möglich

Da ESBL-bildende Bakterien auch in Nutztierbeständen nachgewiesen wurden, ist eine Infektion von Menschen mit ESBL-bildenden Erregern über Lebensmittel nach Ansicht des BfR möglich. (ESBL-bildende Bakterien können einige Antibiotika, wie Penicilline und Cephalosporine der 3. und 4. Generation durch Enzyme zerstören und sind dadurch gegen diese Wirkstoffe unempfindlich. )Wie bedeutend der Beitrag der Infektionsquellen Lebensmittel, Nutz- und Haustiere sowie der Bereich Nutztierbestände in der Landwirtschaft für die ESBL-Problematik bei Erkrankungen des Menschen ist, lässt sich aus den bisher vorliegenden Daten nicht abschätzen.
 
Aus den vorliegenden molekularbiologischen Erkenntnissen ist aber bereits jetzt abzuleiten, dass ein Gesundheitsrisiko für den Menschen von ESBL-bildender Bakterien aus der Tierhaltung besteht. Eine besondere Problematik liegt in der Übertragbarkeit der Gene für die Antibiotikaresistenz zwischen verschiedenen Bakteriengruppen. Resistenzgene, die über harmlose Darmbewohner in den Darm des Menschen gelangen, können dort auf andere Keime übertragen werden, die dann im Falle von Infektionen schwerer zu behandeln sind. 

Anwendung von Human-Antibiotika in der Tierproduktion hinterfragen

Das BfR begrüßt das Maßnahmenpaket, das von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vorgestellt wurde und empfiehlt die Anwendung von Antibiotika, insbesondere von Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Humanmedizin, in der Tierproduktion kritisch zu hinterfragen. Haltung und Management der Tierbestände müssen so verbessert werden, dass die Tiere gesund bleiben und eine Behandlung nicht erforderlich ist. Die Methoden der Schlachtung müssen so weiterentwickelt werden, dass die Übertragung von Keimen von den Tieren auf die Lebensmittel verringert wird.
 
Den Verbrauchern empfiehlt das BfR, Fleisch nur gut durcherhitzt zu verzehren und durch Beachtung der Regeln der Küchenhygiene eine Übertragung von Keimen auf andere Lebensmittel zu verhindern.
 
Verbände weisen darauf hin, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung bereits stark rückläufig sei. Mehr Reaktionen lesen Sie hier ...
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