Produktion und Förderung Bodenforum: Müssen wir uns vor Investoren schützen?

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Berlin - Beim zehnten Bodenforum im ICC-Berlin spielten die außerlandwirtschaftlichen Investoren eine große Rolle. Da stellte sich die Frage, welchen Schutz die Landwirtschaft braucht.

Zum 10. Mal findet unter der Leitung von Prof. Klaus Böhme das Bodenforum statt.
Zum zehnten Mal fand das Bodenforum im Fachprogramm der Internationalen Grünen Woche statt. In diesem Jahr lautete das Thema: Unser Boden - was ist er wert? Wie auch in den vergangenen Jahren war das Forum gut besucht und die Diskussion zwischen den einzelnen Vorträgen angeregt. Die Moderation übernahm auch in diesem Jahr Prof. Klaus Böhme von der Zeitschrift agrarmanger.

Böhme: Bodenpreise sind so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr

Böhme übernahm auch die einführenden Worte und skizzierte die Bewegungen am Bodenmarkt. Abgesehen davon, dass die Bodenpreise generell steigen, hätten sich in Deutschland sogenannte Hot Spots herausgebildet. So würden zum Beispiel in Oberbayern über 40.000 Euro für einen Hektar bezahlt. Der Spitzenwert kommt mit 61.120 Euro aus Mühlendorf in Bayern. Ein weiterer Hots Spot befinde sich in Nordrhein Westfalen, erklärt Böhme weiter. Auch in den östlichen Bundesländern habe es eine rasante Entwicklung gegeben. Hier stiegen vor allen in den Bundesländer die Preise an, in denen die BVVG noch Flächen verkauft. "Fakt ist, die Preise sind so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr."

Aeikens: Sachsen-Anhalt könnte eigene Wege gehen

Dr. Hermann Onko Aeikens ist der Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Sachsen-Anhalt. Er sieht in außerlandwirtschaftlichen Investoren große Gefahren für den ländlichen Raum.
Einen spanenden und polarisierenden Impuls lieferte Dr. Hermann Onko Aeikens, Minister für Landwirtschaft und Umwelt aus Sachsen-Anhalt. Für ihn gibt es mehrere Gründe, warum die Preise für den Boden immer weiter steigen. Allerdings spielen die außerlandwirtschaftlichen Investoren für ihn eine wichtige Rolle. Investoren, die Boden kaufen, in Fonds investieren und Teile der Betriebe übernehmen. Der Wertschöpfungsverlust für die einzelnen Regionen, die Folgen für den ländlichen Raum und das Dorfleben seien groß.
 
Aeikens kann sich vorstellen, dass Sachsen-Anhalt künftig eigene Wege im Bodenrecht geht. Er forderte eine Novellierung des Grundstücksverkehrsgesetzes um den Zugang Externer zum landwirtschaftlichen Boden zu erschweren. Er will die landwirtschaftlichen Betriebe schützen. Das Gesetz sei über 50 Jahre alt und unter ganz anderen Bedingungen geschaffen, betonte Aeikens. Ende Januar wird der Minister eine Expertengruppe einberufen, um das Thema strengerer Gesetze zu überprüfen.

Birnstengel: Pacht als Vorzugsoption

Jurec Birnstengel ist Landwirtschaftlicher Sachverständiger und Unternehmensberater in Sachsen. Für ihn liegen die Kaufpreise für Boden über der betriebswirtschaftlichen Vernuft.
Für Jurec Birnstengel, Landwirtschaftlicher Sachverständiger und Unternehmensberater in Sachsen ist die Preisbildung auf oder über der Grenzertragsbasis kaum noch finanzierbar. "Hier liegen die Kaufpreise über der betriebswirtschaftlichen Vernuft", gibt der Berater zu denken, denn das Geld könne man auf der Fläche nicht mehr verdienen. Die Folgen für den Betrieb sind: dass die Kapitalrendite sinkt, Liquiditätsprobleme auftreten, die Fähigkeit zur Eigenfinanzierung geschwächt wird und die Chancen einen Kredit von der Bank zu bekommen, sinken. Er benennt die Pacht als Vorzugsoption unter anderem aus folgenden Gründen: der Finanzierungsbedarf ist kurzfristig geringer, der Umlaufkapitalbedarf ist leichter finanzierbar und die Pacht ist steuerlich wirksam.
 

Diskussion: Sonderstellung Landwirtschaft?

Die anwesenden im Saal waren sich nach dem Vortrag von Aikens nicht ganz einig. Zum einen gehörten immer zwei dazu, wenn landwirtschaftlicher Boden verkauft wird und zum anderen kann Geld von einem externen Investor den Betrieb auch am Leben erhalten. Fraglich sei auch, inwieweit die Landwirtschaft immer noch eine Sonderstellung in der Gesellschaft habe und der Boden besonderen Schutz bedürfe. Ein Landwirt aus Brandenburg schilderte hingegen recht anschaulich, was passiert, wenn fremde den Boden und Teile von Betrieben übernehmen. "Die Dörfer sterben aus, es gibt kaum noch Jugendliche, von einer Eckkneipe ganz zu schweigen". Die Funktionen, die heimische Landwirte in ihren Dörfern übernehmen seien für die diese Regionen lebenswichtig.
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