Allgemeines Bodenleben: Wie oben, so unten

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Jena - Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben Zusammenhänge zwischen einer artenreichen Flora und gesundem Bodenleben entdeckt. Geringere Pflanzenvielfalt heißt geringere Artenvielfalt im Boden.

Eine grausige Entdeckung: Ein Landwirt fand eine stark verweste Leiche im Getreidefeld.
In einem Beitrag auf der Seite des Onlineportals Pflanzenforschung.de werden die Ergebnisse dargestellt. Die Entstehung eines fruchtbaren Bodens dauert mehrere Tausend Jahre. Zerstört werden kann er schnell: Durch Versiegelung, Erosion oder einen zu intensiven Ackerbau. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf den Boden könnte die Vielfalt des Bewuchses, also die Biodiversität sein.
 
Wissenschaftler der Universität Jena um den Ökologen Prof. Nico Eisenhauer nahmen diesen Einflussfaktor unter die Lupe. Ihre Untersuchungen haben gezeigt, dass eine verarmte Pflanzenschicht das Leben im Boden empfindlich stören und aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Untersuchungen in der Prärie

Die Forscher untersuchten in der Studie den Einfluss der Vegetation auf Anzahl und Artenreichtum der im Boden lebenden Organismen. Sie untersuchten Bodenproben von über 200 Versuchsflächen im Rahmen des BioCON-Experiments in Minnesota/USA. Dort werden seit den 90er Jahren zwei Meter große Parzellen erforscht, die mit einer unterschiedlichen Anzahl von einheimischen Kräutern und Gräsern bepflanzt wurden. Einige von ihnen wurden zusätzlich regelmäßig mit CO2 und Stickstoff behandelt. Die für die Studie ausgewählten Flächen hatten sandigen Boden und umfassten renaturiertes, ehemals landwirtschaftlich genutztes Grasland bis hin zu ungestörter Prärie.
 
Diese Flächen wurden mit jeweils einer, vier und neun verschiedenen, auch natürlich vorkommenden Arten bepflanzt. Die zufällig ausgewählten Pflanzenarten bestanden aus C3- und C4-Gräsern, Hülsenfrüchten und Hochstauden.

Vielfalt bringt Vielfalt

Dabei zeigte sich: Bei hoher Pflanzenvielfalt (neun Arten) erhöhte sich die Bakterienmenge im Boden signifikant. Zusätzlich stiegen sowohl Anzahl als auch Artenzahl der Mikro- sowie der Mesofauna. Kohlendioxid und Stickstoff hatten dagegen keinen großen Effekt auf die Bodenlebewesen. Lediglich bei den Mikroorganismen konnte unter erhöhten CO2-Konzentrationen ein Zuwachs beobachtet werden, während die Anzahl der Thripse sogar um 35 Prozent sank.

Belastbare Ergebnisse erst nach Jahren

Die Ergebnisse widersprechen älteren Untersuchungen, bei denen bisher nur geringe Effekte der pflanzlichen Artenvielfalt auf das Bodenleben nachgewiesen werden konnten. Der Grund liegt nach Meinung der Jenaer Wissenschaftler in der Dauer der Experimente. Bisherige Untersuchungen dauerten maximal drei Jahre. Erste Effekte seien aber erst nach vier bis sechs Jahren zu erkennen, weil die Bodenlebewesen einige Zeit brauchen, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Die untersuchten Versuchsflächen bestehen seit 15 Jahren. Allerdings konnten die Forscher noch keine Antwort darauf geben, welche Prozesse zu diesen Ergebnissen führen. Vergleiche mit anderen Langzeitexperimenten sollen darüber Aufschluss geben, wie sich das Bodenleben bei Artenverarmung verändert und ob die Ergebnisse auch auf andere Gegenden übertragbar sind. Aber die Experimente zeigten schon jetzt, dass eine zunehmende Artenverarmung einen deutlich negativeren Effekt auf die Vitalität und damit auch auf die Produktivität von Böden hat als bisher angenommen.

Hofreport: Zwischenfruchtanbau aus Überzeugung (Aug 2012)

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