Bio BÖLW: Ökolandbau muss Normalität werden

Berlin - Biolandbau soll das Leitbild für die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2014 sein. Das fordert der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Beihilfen seien nur durch Umwelt- und Naturschutz zu rechtfertigen.

Felix Prinz zu Löwenstein: "in der Politik wird die Dringlichkeit dieses Themas noch immer zu wenig gesehen"
"Die Agrarausgaben der EU müssen dem Prinzip 'öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen' folgen", erklärte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. Er stellte vergangene Woche das  Positionspapier "Den Ökologischen Landbau stärken!" vor. Agrargelder von 59,5 Milliarden Euro jährlich seien künftig nur dann zu rechtfertigen, wenn sie an Leistungen für Klima-, Boden-, Wasser- und Artenschutz und die Erhaltung einer bäuerlichen Landwirtschaft geknüpft würden. Spätestens ab 2020 müsse dieser Grundsatz voll verwirklicht werden.
 
Dafür sei es unabdingbar, dass ab 2014 mehr Mittel von den Direktzahlungen in die ländliche Entwicklung überführt würden, einschließlich einer verpflichtenden, zu 80 Prozent EU-finanzierten Ökolandbauförderung.
 
Mit einer Wirtschaftsform des ökologischen Landbaus könne man optimal ein ganzes Bündel von Zielen erreichen, so der BÖLW-Vorsitzende. Der Ökolandbau sei durch europäisches Recht klar definiert, verfüge über ein bewährtes Kontrollsystem und schaffe es seit Jahrzehnten, die Verbraucher durch ihr Kaufverhalten an der Zielerreichung zu beteiligen. Deshalb müsse im Interesse der Allgemeinheit dafür gesorgt werden, dass sich möglichst viele Bauern entschlössen, Biolandbau zu betreiben.
 
BÖLW: Ökolandbau das nachhaltigste Anbausystem
 
Prinz zu Löwenstein bezeichnete die ökologische Landbewirtschaftung als das nachhaltigste Anbausystem, das zu den geringsten Umwelt- und Klimabelastungen führe, am effizientesten mit Ressourcen umgehe, die höchsten Tierschutzstandards habe und zur Artenvielfalt auf Feldern und Wiesen beitrage.
 
Ferner würden dadurch im ländlichen Raum besonders viele Arbeitsplätze gefördert und eine hohe Wertschöpfung unterstützt. Darüber hinaus plädierte der BÖLW-Vorsitzende für ein Greening, das über die Vorschläge der Europäischen Kommission hinausgeht.
 
Neben der Einhaltung einer mindestens dreigliedrigen Fruchtfolge und eines Grünlandumbruchverbots sollen Bauern wenigstens zehn Prozent Eiweißpflanzen anpflanzen. Gleichzeitig tritt der BÖLW für ein Anbauverbot gentechnisch veränderter Organismen (GVO) ein. Das ab 2014 vorgesehene Umbruchverbot für Grünland soll bereits rückwirkend ab 2011 greifen, um einer massiven Flächenumwidmung in den kommenden zwei Jahren zuvorzukommen.

Die Kernforderungen auf einen Blick


Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat sich zu den Vorschlägen der EU-Kommission über die künftige Agrarpolitik positioniert. Die Kernforderungen lesen Sie hier.


  1. Keine Kürzung des Agrarhaushalts.

  2. Sukzessive Überführung der Ersten Säule in die Zweite Säule von 2014 bis 2020. Kurzfristig Verdoppelung der EU-Finanzmittel für die Zweite Säule.

  3. Mindestens 50 Prozent des Budgets der Zweiten Säule muss zur Förderung der umwelt- und tiergerechten Produktion zur Verfügung stehen.

  4. Ökolandbauförderung muss verpflichtender Förderbestandteil in der Zweiten Säule werden.

  5. Beim "Greening" der Ersten Säule sind folgende Aspekte umzusetzen:
    - Einhaltung einer mindestens dreigliedrigen Fruchtfolge
    - eine Frucht darf dabei maximal 50 Prozent der Ackerfläche einnehmen,
    - Mindestanteil von zehn Prozent Eiweißpflanzen (Leguminosen),
    - EU-weites Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen,
    -Vorverlegung des Termins für das Umbruchverbot von Grünland.

  6. Einführung eines neuen Kofinanzierungsmodells für die Zweite Säule mit Anhebung des Anteils der EU-Förderung auf mindestens 80 Prozent bei der Honorierung von besonderen Leistungen, wie sie der Ökologische Landbau erbringt.

  7. Der Ökologische Landbau als nachhaltigste Form der Landwirtschaft muss Leitbild einer modernen und zukunftsfähigen europäischen Agrarkultur werden.
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