Aus der Wirtschaft Comeback für Australiens Rindfleischbranche

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Canberra - Die Rindfleischbranche in Australien hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die Marktexperten gehen von einem Anstieg der Produktion und Exporte in den nächsten Jahren aus.

Milchkuehe_Herde_Weide.jpg © Albrecht E. Arnold/pixelio Bild vergrößern
Das stetige Wachstum des indischen Marktes für Milchprodukte bietet international aktiven Molkereiunternehmen gute Chancen, sich in dem Land zu engagieren.
Sowohl die Exportförderorganisation Meat and Livestock Association (MLA) als auch das Amt für die Land- und Rohstoffwirtschaft (ABARES) gehen in ihren aktuellen Markteinschätzungen von einem Anstieg der Produktion und Exporte in den nächsten Jahren aus. In der Vergangenheit hatten schwere Dürreperioden in Australien zu einem deutlichen Rückgang des Schlachtviehangebotes geführt und den Erzeugern herbe Einkommensverluste beschert.
 
Im noch bis Ende Juni laufenden Wirtschaftsjahr dürfte nun aber laut der aktuell publizierten Prognose von ABARES der Tiefpunkt erreicht werden. Die Marktanalysten erwarten für 2011/12 ein Schlachtrinderaufkommen von 7,94 Millionen Tieren; das wären 162.000 Stück oder 2,0 Prozent weniger als in der vorherigen Periode und der tiefste Stand seit mehr als zehn Jahren. Doch 2012/13 soll die Produktion steigen und 8,09 Millionen Rinder an den Haken kommen, was einem Plus von 2,0 Prozent entsprechen würde.

Rinderbestand so groß wie seit 30 Jahren nicht mehr

Entwicklung des Rindfleischmarktes in Australien.
Für die Folgejahre bis 2016/17 wird dann von einem stetigen Anstieg der Schlachtmenge bis zu einem Volumen von 8,93 Millionen Tieren ausgegangen. Grundlage für die höhere Erzeugung wird die Aufstockung der Rinderbestände sein, die bereits seit 2010/11 im Gang ist. Die Experten des Rohstoffamtes rechnen zum 30. Juni 2012 mit einer Herdengröße von insgesamt 30,2 Millionen Tieren; das wären fast 1,4 Millionen Stück oder 4,8 Prozent mehr als zum Saisonanfang; zugleich wäre es der höchste Rinderbestand seit mehr als 30 Jahren.
 
Für die folgenden zwei Wirtschaftsjahre wird ein weiterer Herdenaufbau vorhergesagt, bevor ab 2015/16 wieder mit einem leichten Rückgang der Rinderzahlen gerechnet wird. Mit prognostizierten 31,2 Millionen Rindern Ende Juni 2017, darunter 28,5 Millionen reine Fleischrinder, würde der für Juni 2012 vorausgesagte Bestand noch um eine Million Tiere oder 3,3 Prozent übertroffen.

Künftig mehr weibliche Schlachtrinder

Nicht ganz so dynamisch wie die Zahl der Schlachtungen, wird sich nach Einschätzung der ABARES-Experten die Rindfleischerzeugung in den kommenden fünf Jahren entwickeln. Der Grund sind die mittelfristig voraussichtlich sinkenden Schlachtgewichte, da sich der Anteil weiblicher Rinder und Kälber an den Schlachtungen erhöhen soll. Das Schlachtviehangebot an Kühen und Kälbern fiel seit 2009/10 bis zuletzt unterdurchschnittlich aus, da die Tiere für den Bestandsaufbau genutzt wurden. Das Übergewicht schwerer männlicher Rinder in dieser Periode führte dazu, dass trotz niedrigerer Schlachtzahlen die Fleischproduktion relativ stabil blieb. Für das aktuelle Wirtschaftsjahr schätzt ABARES die australische Rindfleischerzeugung auf etwa 2,15 Millionen Tonnen, das wäre nur wenig mehr als 2010/11. Für die nächste Kampagne wird jedoch ein Anstieg der Nettoerzeugung um 2,1 Prozent auf 2,19 Millionen Tonnen prognostiziert, der sich auch in den Folgejahren fortsetzen soll. Bis 2016/17 könnte die Rindfleischerzeugung "down under" auf 2,31 Millionen Tonnen anwachsen; das wären 7,7 Prozent oder 165.000 Tonnen mehr als in der laufenden Saison produziert werden dürften.

Inlandsbedarf wächst

Ein kleiner Teil des höheren Fleischaufkommens wird zur Deckung des wachsenden Inlandsbedarfs benötigt. ABARES geht davon aus, dass nach einer Phase sinkenden Konsums der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch im bevorstehenden Wirtschaftsjahr um ein Kilogramm auf 32,7 Kilogramm zunehmen wird, was bei rund 22 Millionen Einwohnern einer zusätzlichen Nachfrage von 22.000 Tonnen entsprechen würde. Für die späteren Jahre des Prognosezeitraums wird jedoch wieder mit einem leichten Rückgang des Konsums pro Kopf gerechnet; für 2016/17 werden 31,9 Kilogramm unterstellt. Allerdings wächst die Einwohnerzahl Australiens stetig, so dass die heimische Rindfleischnachfrage am Ende des Prognosezeitraumes um etwa 35.000 Tonnen größer als im laufenden Wirtschaftsjahr 2011/12 ausfallen soll. Für das Gros der zusätzlichen Rindfleischerzeugung müssen jedoch am internationalen Markt Käufer gefunden werden.

Export von gut eine Million Tonnen 2016/17 erwartet

Rund zwei Drittel der australischen Rindfleischproduktion werden laut ABARES außerhalb der eigenen Landesgrenzen vermarktet. Der Rindfleischexport hat sich zuletzt positiv entwickelt; für das aktuelle Wirtschaftsjahr wird eine Ausfuhrmenge von 955.000 Tonnen erwartet; das wären 18.000 Tonnen oder 1,9 Prozent mehr als 2010/11. Aufgrund des höheren Preisniveaus werden die Export- erlöse etwas stärker zulegen, und zwar nach der ABARES- Prognose um 3,2 Prozent auf 4,33 Milliarden Australische Dollar (3,42 Milliarden Euro). Ähnlich positiv sieht die Vorhersage für das kommende Wirtschaftsjahr aus. Die Analysten aus Canberra rechnen dann mit einem weiteren Anstieg des Ausfuhrvolumens um 1,6 Prozent auf 970.000 Tonnen sowie der Exporterlöse um 1,4 Prozent auf 4,53 Milliarden Australische Dollar (3,58 Milliarden Euro). Mit Blick auf die Saison 2016/17 wird von den australischen Marktanalysten eine Zunahme der Rindfleischausfuhren auf 1,04 Millionen Tonnen für wahrscheinlich gehalten.

Lieferungen nach Japan rückläufig

Gute Absatzchancen sieht ABARES dabei kurz- wie mittelfristig auf dem US-amerikanischen Rindfleischmarkt. Die Produktion dort sei rückläufig, der Rinderbestand in den Vereinigten Staaten auf dem niedrigsten Niveau seit 1958; dennoch blieben die US- Rindfleischexporte auf historisch hohem Niveau, was in den kommenden Jahren einen anhaltenden Importbedarf schaffe, von dem australische Exporteure profitieren würden, heißt es in dem ABARES-Report. Die Rindfleischausfuhren in die USA sollen 2012/13 um 5,9 Prozent auf 180.000 Tonnen ansteigen und bis 2016/17 auf 230.000 Tonnen anwachsen; das wäre rund ein Drittel mehr als für das aktuelle Wirtschaftsjahr geschätzt. Bescheidener werden die zukünftigen Absatzmöglichkeiten beim zweit-wichtigsten Kunden Japan beurteilt. Bereits für 2011/12 wird hier mit einem Rückgang der Exportmenge um 13.000 Tonnen oder 3,7 Prozent auf 338.000 Tonnen gerechnet, der sich im kommenden Wirtschaftsjahr mit 2,4 Prozent auf 330.000 Tonnen fortsetzen soll. Zu schaffen machen den australischen Anbietern neben dem stagnierenden Rindfleischverbrauch der Japaner deren steigenden Bezüge aus den USA, wobei die Aufwertung des australischen Dollars gegenüber dem US-Dollar nachteilig wirkt. Bis zum Wirtschaftsjahr 2016/17 wird tendenziell mit sinkenden Absatzmengen auf dem japanischen Markt gerechnet.

Mehr Ware in die EU

Die australischen Rindfleischlieferungen nach Südkorea dürften sich in den nächsten Jahren ABARES zufolge ebenfalls leicht rückläufig entwickeln. Auf diesem Markt werde das Freihandelsabkommen zwischen Seoul und Washington und die damit verbundene Senkung der Einfuhrzölle für US-Rindfleisch zu einer Verdrängung des australischen Angebotes führen, heißt es in dem Bericht der Behörde. Verstärkt werde der Wettbewerbsdruck durch die Wiederzulassung kanadischen Rindfleisches seit Januar 2012. Insgesamt könnten die australischen Ausfuhren nach Südkorea von 145.000 Tonnen im Wirtschaftsjahr 2011/12 auf 135 000 t in der Periode 2016/17 abnehmen. Größeres Absatzpotential sieht ABARES dagegen in anderen Staaten Asiens und im Mittleren Osten. Die Rindfleischexporte in die sogenannten Schwellenländer sollen bis 2016/17 einen Anteil von 35 Prozent an den gesamten Ausfuhren erreichen; das würde einer Menge von etwa 365.000 Tonnen entsprechen. Auch Europa dürfte in Zukunft mehr Rindfleisch aus Australien erhalten. Laut Angaben der EU-Kommission nahmen die betreffenden Bezüge im vergangenen Jahr bereits um 32 Prozent auf 18.000 Tonnen Schlachtgewicht zu; die australische Exportstatistik weist für die ersten beiden Monate dieses Jahres einen Zuwachs der Lieferungen in die Europäische Union um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus.

Indonesien will weniger Rinder kaufen

Für Australiens Rinderwirtschaft spielt auch die Ausfuhr lebender Rinder traditionell eine wichtige Rolle. Allerdings nahm deren Volumen zuletzt deutlich ab. Im Wirtschaftsjahr 2009/10 wurden noch 871.000 Tiere jenseits der Landesgrenzen verkauft; nur zwei Jahre später dürften es ABARES zufolge noch 500.000 Stück werden. Maßgeblich für diesen Einbruch sind neben einer Verschärfung der Exportregularien, die die Einhaltung der Standards des Internationalen Tierseuchenamtes (OIE) im gesamten Absatzkanal bis hin zum abnehmenden Schlachthof vorschreiben, Absatz- schwierigkeiten beim Hauptabnehmer Indonesien. Im Dezember 2011 erklärte das indonesische Landwirtschaftsministerium seine Absicht, die Einfuhr im Jahr 2012 auf 283.000 Rinder begrenzen zu wollen; im Vergleich zu 2011 wären dies 237.000 Rinder, gegenüber 2010 sogar 437.000 Stück weniger. Auch der Verkauf in die Türkei lief zuletzt schwächer, da die Regierung in Ankara kürzlich die Einfuhr von Rindern aus Mexiko, Ungarn Rumänien und Frankreich wieder erlaubte. ABARES geht zwar davon aus, dass ab 2013/14 insgesamt wieder etwas mehr lebende Rinder exportiert werden können, doch sollen die früheren Ausfuhrzahlen bis 2016/17 mit dann erwarteten 575.000 Tieren nicht erreicht werden.

Preisdruck prognostiziert

Der schwächere Lebendrinderexport dürfte zusammen mit der erwarteten Produktionssteigerung zu einem größeren Schlachtviehangebot in Australien in den kommenden Jahren führen, was nach Einschätzung von ABARES die aktuell überdurchschnittlich hohen Erzeugerpreise etwas unter Druck setzen sollte. Für das laufende Wirtschaftsjahr rechnet das australische Rohstoffamt mit einem mittleren Erlösniveau für Fleischrinder von 3,30 Australische Dollar je Kilogramm Schlachtgewicht (2,61 Euro je Kilogramm). Im kommenden Wirtschaftsjahr 2012/13 wird sich der Durchschnittspreis bezogen auf das Kilogramm Schlachtgewicht aus Sicht der Rindermäster nach der Prognose der Behörde um 1,5 Prozent auf 3,25 Australische Dollar (2,57 Euro) verschlechtern; für 2016/17 wird ein Preisniveau von 3,12 Australische Dollar (2,47 Euro) angenommen.
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