Dorf und Familie Erlebnisbauer: Zweites Standbein für den Betrieb

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München – Der Bayerische Agrarminister Brunner möchte einen Bauernhoftag für alle Grundschulkinder einführen. Dazu werden Erlebnisbauern gesucht, die ihren Hof für Besucher öffnen.

 
Bayerische Grundschulkinder sollen künftig mindestens einen Tag auf dem Bauernhof verbringen. Das kündigte Agrarminister Helmut Brunner (CSU) in einer Regierungserklärung im Landtag an. Es sei eine öffentliche Aufgabe, "dass unsere Kinder ganz konkret in der Praxis mehr über die Herkunft und das Entstehen unserer Lebensmittel erfahren", betonte der Politiker. Den Bauernhoftag möchte Brunner noch in diesem Jahr einführen. Geplant ist darüber hinaus eine entsprechende Förderung des Programms. Zu diesem Zweck werden in Bayern Landwirte gesucht, die ihren Betrieb für Schulklassen öffnen. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Landwirte zu Erlebnisbauern ausbilden lassen. Die überregionale Qualifizierung wird von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) angeboten. Heute ein Beispiel aus dem Landkreis Kelheim, AELF Abensberg.

Vielseitige Angebote möglich

Elisabeth Resch vom Pettenhof bei Mainburg ist Erlebnisbäuerin. Zu dem Hof der Familie Resch gehören Waldflächen, die selbst bewirtschaftet werden sowie Ackerflächen, die verpachtet sind. Neben Besuchen von Schulklassen und Kindergärten bietet die Bäuerin Kindergeburtstage, Eltern-Kind-Gruppen, Ferienprogramme und Familiennachmittage an. "Besonderen Spaß macht es mir, den Kindern die Natur auf spielerische Art und Weise näher zu bringen. Es ist immer wieder schön zu sehen wie begeistert manche Kinder sind, beispielsweise ein Huhn zu streicheln", sagt Elisabeth Resch. Sie ist seit knapp einem Jahr Erlebnisbäuerin.

Erschließung neuer Einkommensquellen

Mit dem Aufbau eines Erlebnisbauernhofes können sich Landwirtsfamilien neue Einkommensquellen erschließen. Hofgröße und Bewirtschaftungsform spielen dabei kaum eine Rolle. Der neue Betriebszweig kann auch eine schon bestehende Erwerbskombination, wie Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung oder Bauernhofgastronomie, ergänzen. Die Qualifizierungsmaßnahme zum Erlebnisbauer findet an 15 Seminartagen über ein Jahr verteilt statt. "Bei der Qualifizierung zur Erlebnisbäuerin waren bayernweit Bauern und Bäuerinnen vertreten. Wir haben viel gelernt, zum Beispiel über Existenzgründung, Angebotsgestaltung, Erlebnispädagogik, Vermarktung und Vernetzung erlebnisorientierter Angebote. Es war eine schöne Zeit", berichtet Elisabeth Resch.

Unterstützung bei praktischer Umsetzung

Bei der praktischen Umsetzung im eigenen Betrieb werden die Landwirte von dem zuständigen Berater des jeweiligen Amtes unterstützt. "Am Anfang hat es auch ein paar Schwierigkeiten gegeben. Es war ein sehr hoher Zeitfaktor zum Beispiel einen Kindergeburtstag zu planen. Es war immer wieder ein Geduldspiel. Allerdings hat mich meine Familie sehr gut unterstützt und heute hat sich eine gewisse Routine entwickelt", sagt Elisabeth Resch. "Auch die Vernetzung mit anderen Erlebnisbauern hat sich bewährt und bei Problemen hilft man sich gegenseitig."
 
  • Landwirtschaftliche Betriebe, die in diesen Betriebszweig einsteigen möchten, können sich in einer eintägigen Veranstaltung in Ingolstadt (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) am 12. Juli 2012 über die Erwerbskombination und den Lehrgang informieren.
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