Biogas Experten diskutieren Bioenergie-Strategien

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Hannover - Die Bioenergie ist fester Bestandteil der Fachmesse "EuroTier", die vom 16. bis 19. November in Hannover stattfindet. Der Fachteil "BioEnergy Decentral" befasst sich mit der Biogasverwendung.

Eurotier.jpg © Mühlhausen/landpixel.de Bild vergrößern

Im Rahmen der Osteuropakonferenz, die hier ebenfalls schon Tradition hat, stand die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Rinderproduktion in der neuen Zollunion Russland, Weißrussland und Kasachstan auf dem Programm.

573 Aussteller aus 20 Ländern - klar führend sind deutsche Unternehmen - beschicken die "BioEnergy Decentral". Schwerpunkt ist die dezentrale Energieversorgung, für die sich nachwachsende Rohstoffe und andere erneuerbare Energieträger besonders eignen.

6.000 Biogasanlagen im Einsatz 

In Deutschland steht dabei die Stromversorgung aus Biogas, Fotovoltaik und gebietsweise Windkraft absolut im Vordergrund. Aus agrarischer Sicht dominiert Biogas, denn dafür werden sowohl Mais als auch andere Pflanzen eingesetzt, die teilweise zugleich auf dem Agrarsektor marktentlastend wirken. Fast 6.000 Biogasanlagen sind bereits im Einsatz. Die Entwicklung ist dabei keineswegs abgeschlossen.

Feinarbeit zur Effizienzsteigerung  

Vielmehr scheint jetzt die Feinarbeit zur Effizienzsteigerung in der Biogas-Produktion und -Verwertung zu kommen. Angeboten werden sowohl Mikroorganismen, die eine bessere Gasausbeute versprechen, als auch ausgeklügelte Messmethoden, die das jeweilige Substrat bis zur Grenze ausnützen und vor allem rechtzeitig vor Schwankungen in der Gasproduktion (bis zum teuren Ausfall der Anlage) warnen sollen.

Kleine Biogasanlagen im Fokus 

Verstärkt werden auch wieder Kleinanlagen propagiert, um insbesondere die Gülle aus kleineren Tierbeständen nützen und zugleich Transportwege, die bei Großanlagen auch erhebliche Kosten verursachen, verkürzen zu können. Die Hersteller von Gasmotoren reagieren bereits: Marken-Motoren ab 40 KW sind schon verfügbar.

Biogas-Verwertung 

Ein noch keineswegs gelöstes Problem stellt die bestmögliche Biogas-Verwertung dar. Die derzeit nur für Großanlagen ab 1.000 Kilowatt finanzierbaren Gasaufbereitungen sind Bauern in aller Regel nicht zumutbar. Dass es in Deutschland erst rund 40 Biogas-Einspeiseanlagen gibt, zeigt den vorläufigen Engpass. Im Hintergrund steht auch eine kommende Senkung der Strompreise über das neue EEG (Erneuerbare Energien-Gesetz), um das Deutschland bisher beneidet wurde.

Starkes Besucherinteresse 

Vor einem Investitionseinbruch fürchten sich die Anlagenbauer derzeit aber dennoch nicht, denn es gibt starke Förderinteressen in Italien, Frankreich und Tschechien, ist zu hören. Sehr viele Messebesucher verfolgen die täglichen Vorführungen im Bereich Hackschnitzelproduktion sowie die Aufbereitung von Zuckerrüben für die Biogasproduktion. Letztere wird von den im Kontingent beengten Rübenbauern mit größtem Interesse verfolgt.

Osteuropakonferenz mit
Schwerpunkt Rinderproduktion

Mit der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Rinderproduktion in der neuen Zollunion Russland, Weißrussland und Kasachstan setzte sich die Osteuropakonferenz - eine seit acht Jahren bestehende Diskussionsveranstaltung - mit prominenten Teilnehmern aus Russland, der EU und Deutschland im Rahmen der "EuroTier" auseinander. Insbesondere deutsche Züchter wollen bei diesem Bestandsumbau dabei sein. In Weißrussland sind 55 bis 60 Prozent des möglichen Potenzials nicht genutzt. Im Milchsektor liegt die Jahresleistung einer Kuh bei 4.000, in Kasachstan nur bei 3.000 Liter.

Russland als interessanter Rindermarkt

Vasiliy Schapotschkin, Leiter der Tierproduktion im Agrarressort der russischen Föderation, bezeichnete die deutsche Hilfe als besonders wichtig, denn man will die Milchleistung auf 6.000 Liter pro Jahr steigern. Seit 2008 werden deutsche Zuchtrinder in diese Richtung geprüft. Auch die Rindfleischproduktion soll kräftig gesteigert werden: von 50.000 auf 100.000 Tonnen. Geplant ist daher die Forcierung einer Milch- und einer eigenen Fleischrasse, während derzeit die Ein-Kuhhaltung aus der Selbstversorgung vieler Familien weit verbreitet ist. Neben bereits bestehenden Großbetrieben sollen im Zuge der Privatisierung Betriebe mit 50 bis 100 Kühen entstehen. (aiz)

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