Milchproduktion FAO: Welthandel mit Milchprodukten wächst

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Der globale Handel mit Milchprodukten soll dieses Jahr nochmals um vier Prozent (zwei Millionen Tonnen) wachsen. Zu dieser Einschätzung kommt die Welternährungsorganisation FAO.

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Der Milchindustrie-Verband MIV rechnet mit einem durchschnittlichen Erzeugermilchpreis von 30 bis 31 Cent für das Jahr 2015.
Das erwartete Nachfragewachstum findet in der FAO-Markteinschätzung von Anfang Mai insbesondere in Asien und Nordafrika statt. So rechnet die FAO für 2012 mit einer Zunahme der chinesischen Importe von fast zehn Prozent (%). Zwar wächst auch die chinesische Inlandproduktion kontinuierlich weiter. Bislang hält der chinesische Produktionszuwachs (fünf Prozent) mit dem Nachfragewachstum jedoch nicht Schritt. Mehr als zehn Prozent der Verbrauchmengen kommen mittlerweile aus dem Ausland.
 
Mit einer Einfuhrmenge von 5,9 Millionen Tonnen (Milchäquivalent) ist China der bedeutendste Importeur von Milchprodukten (insbesondere von Milchpulver) am Weltmarkt. Auch andere große Importeure wie Ägypten (3,5 Mio. t), Saudi-Arabien (3,2 Mio. t), Algerien (2,7 Mio. t), Mexiko (2,5 Mio. t) und Russland (2,1 Mio. t) werden nach Einschätzung der FAO ihre Einfuhren in diesem Jahr ausweiten oder das Niveau zumindest halten.

Angebot ebenfalls deutlich größer

Allerdings hat die globale Produktion infolge der im letzten Jahr kräftig gestiegenen Preise in fast allen Weltregionen ebenfalls deutlich zugenommen. Insgesamt geht die FAO für 2012 von einem Produktionszuwachs von 2,7 % oder rund zehn Millionen Tonnen aus. Dabei wächst die Milchproduktion sowohl in den Importländern als auch in den Exportländern.
 
Der Produktionsschub den die guten Absatzmöglichkeiten am Weltmarkt auf einige Exportländer ausgeübt haben, war jedoch besonders kräftig. So veranschlagt die FAO im Jahresvergleich 2012 zu 2011 für den weltgrößten Exporteur
  • Neuseeland einen Produktionszuwachs von neun Prozent (1,6 Mio. t),
  • für Australien von gut drei Prozent,
  • für Argentinien von vier Prozent,
  • für Europa von rund einem Prozent und
  • für die USA von zwei Prozent.
Betrachtet man allerdings die Entwicklung in den ersten Monaten des Jahres 2012, liegen die derzeitigen Produktionszuwächse in fast allen Exportländern deutlich über den FAO-Prognosen. 

Neuseeland dominiert den Welthandel

Derzeit liegt der Anteil Neuseelands an den weltweit gehandelten Milchprodukten (in Milchäquivalent) bei rund einem Drittel (32 %). Der Marktanteil der EU-Länder am Welthandel erreicht nach den Daten der FAO knapp ein Viertel (23 %) und die USA kommen auf etwas weniger als zehn Prozent Marktanteil.
 
Für dieses Jahr geht die FAO davon aus, dass die neuseeländischen Ausfuhren erneut um rund acht Prozent (1 Mio. t) zunehmen. Dagegen sollen die Exporte Europas und der USA auf hohem Niveau stagnieren. Zum neuseeländischen Wachstum trägt wohl auch ein Freihandelsabkommen mit China bei. Dieses bedeutet für die neuseeländischen Produkte sinkende Zölle und damit einen Wettbewerbsvorteil.
 
Mittlerweile ist das Reich der Mitte der größte Absatzmarkt für Neuseeland und auch für die Europäer wird die Ausfuhr nach China immer wichtiger.

Preise unter Druck

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Offensichtlich nimmt der Weltmarkt die größeren Mengen jedoch nur zu nachgebenden Preisen auf. Das lassen zumindest die ebenfalls von der FAO erfassten Preise für die wichtigsten international gehandelten Milchprodukte und der daraus gebildete Index erkennen. Besonders kräftig sind die Preise danach in diesem Jahr von März bis April zurückgegangen. Von Mitte 2011 bis einschließlich April 2012 beträgt der Preisrückgang im Mittel rund 20 %. Ähnlich niedrig lag der Index im März 2010 und unter dem jetzigen Niveau bewegten sich die Preise zuletzt im Herbst 2009.
 
Dabei rechnet die FAO in ihrer aktuellen Einschätzung mit weiterem Druck auf die Preise. Danach zögern einige große Importeure zunehmend mit dem Abschluss von Lieferkontrakten, in der Hoffnung auf weiter fallende Preise. Für die EU könnte der im Vergleich zum Dollar schwache Euro die Wettbewerbsposition zwar stärken, gleichzeitig jedoch auch Druck auf die Preise der anderen Exporteure ausüben.
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