Dorf und Familie Der 'Fisch des Jahres 2014': der Stör

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In Deutschland gilt der ehemals heimische Stör heute als ausgestorben. Nun will man durch die Wahl zum "Fisch des Jahres" auf diese Situation und laufende Wiederansiedlungsprojekte aufmerksam machen.

Stör600x480.jpg © Eva Eckinger Bild vergrößern
Der ehemals heimische Stör gilt heute in Deutschland als ausgestorben.
Bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts waren Störe in deutschen Flüssen heimisch. Doch nicht nur die steigende Nachfrage nach Kaviar, sondern auch der zunehmende Verlust von Laichplätzen, starke Wasserverschmutzung, Überfischung sowie Aufstiegshindernisse durch Gewässerverbauung wie Wehre und Wasserkraftanlagen dezimierte den Bestand drastisch. Seit 1968 gelten Störe in Deutschland als ausgestorben.

Umfassende Projekte

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Eine haifischähnliche Schwanzflosse ist charakteristisch für den Stör.
Seit Jahren versucht man nun, die Fischart durch intensive Bemühungen wieder anzusiedeln. Forscher, Artenschützer und Angler gründeten 1994 die Gesellschaft zur Rettung des Störs e.V.. Mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz startete man zahlreiche Projekte. Ziel ist es, Störe wieder in der Nord- und Ostsee anzusiedeln und sich selbst reproduzierende Bestände aufzubauen.
 
Steckbrief: Stör
 
Die besondere Erscheinung des Störs ist geprägt von seiner langen Schnauze, einer haifischähnlichen Schwanzflosse sowie fünf Reihen von Knochenplatten auf dem Körper. Die urtümlichen Wirbeltiere sind mit einem stammesgeschichtlichen Alter von 250 Millionen Jahren sogar älter als die Dinosaurier. Mit einer Maximallänge von über fünf Metern war der Stör die größte in Deutschland heimische Fischart.
 
Die vier Barteln helfen ihm, Nahrung wie Würmer, Krebse und kleine Fische am Gewässergrund zu suchen und aufzunehmen. Er kann ein Alter von mehr als 60 Jahren erreichen.

Laichwanderungen

Zum Laichen steigt er, wie Lachse oder Meerforellen, die Flussläufe auf. Danach wandern die Tiere wieder ins Meer oder Brackwasser, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbringen. Früher erstreckte sich das Verbreitungsgebiet vom Ostatlantik über Nordskandinavien bis nach Marokko. Das einzige heute in Europa noch existierende Fortpflanzungsgebiet befindet sich in Frankreich, im Gironde-Garonne-Dordogne Flusssystem.

Interesse wecken

Mit der Wahl des Störs zum "Fisch des Jahres 2014" soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Verbau von Fließgewässern die Vermehrung und Wiederansiedlung heimischer Wanderfischarten beinahe unmöglich macht, so der Deutsche Angelfischverband (DAFV). Gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz, dem Verband Deutscher Sporttaucher und dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz hatte man diese Entscheidung getroffen.

Finanzhilfe für den Stör

In Mecklenburg-Vorpommern werden Projekte zur Aufzucht und Auswilderung finanziell besonders unterstützt. Seit 1992 habe man laut Agrarministerium in Schwerin eine Million Euro in das Vorhaben investiert. Auch Brandenburg beteiligt sich intensiv daran. Mehr als 500.000 Larven seien bereits ausgesetzt worden und kleine Erfolge, wie Wiederfänge, stimmen die Projektmitarbeiter positiv. Ohne dem Fischartenschutz bei der anstehenden Novelle des EEG jedoch mehr Beachtung einzuräumen, wird der Weg sehr schwer werden, so der DAFV.
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