Spezielles Gelernt, einer Sache zu dienen

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Tischgespräch mit Thomas Bortz: Das Aufwachsen in einer Unternehmerfamilie empfindet der Geschäftsführer des deutschen Verkaufshauses der Kverneland Group in der Retroperspektive als Vorteil.

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Thomas Bortz, Geschäftsführer des deutschen Verkaufshauses der Kverneland Group, auf seinem Motorrad.
Als der Vater von Thomas Bortz den Metall-Zerspannungsbetrieb Anfang der 70er aufbaute, änderte sich der familiäre Kontext nachhaltig. Nach dem Studium hatte dieser zunächst in Manching bei der Bundeswehr mehrere Jahre am Flugzeugtyp Starfighter gearbeitet, bevor er als Refa-Lehrer zu einer Stiftung wechselte. Ab 1972 hat er im eigenen Keller Lohnarbeiten mit zunächst einer Drehmaschine übernommen und dann sukzessive den Maschinenpark ausgebaut. Thomas Bortz: "In unserem Wohnviertel ist mehr oder weniger das Licht ausgegangen, wenn mein Vater nach der Arbeit als Dozent und dem Abendessen in den Keller ging und die Maschinen hochfuhr.
 
Wenn die Familie – neben meinem Vater und meiner Mutter auch meine zwei Jahre jüngere Schwester Silke – am Esstisch saßen, wurde sehr viel darüber gesprochen, was und zu welchen Preisen der Wettbewerb produziert, was die Kunden so alles erwarten und wie Unternehmen so ticken. Dabei habe ich auch gelernt, was es heißt einer Sache zu dienen, für Wünsche und Ziele zu kämpfen. Mein Moped habe ich mir durch regelmäßiges Mitarbeiten wirklich hart erarbeitet. Gleichzeitig hat es mich besonders stolz gemacht und ich habe es entsprechend gepflegt. Nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen bin ich fest davon überzeugt, dass alles geschenkt zu bekommen, einem das Leben verbaut." Der 46jährige empfindet es im Übrigen als großes Glück auf dem Land und in einem harmonischen Umfeld eine unbeschwerte Kindheit erlebt und frühzeitig Aufgaben zu geteilt bekommen zu haben.

Mit 17 eigenen Hausstand gegründet

Weil sich die Eltern auseinander gelebt hatten – "gute Dinge des Einen kommen einfach nicht mehr beim Anderen an" – und er sich weder von der einen noch von der anderen Seite in der Scheidungsphase vor den Karren spannen lassen wollte, hat er schon mit 17 in der vorhandenen Kellerwohnung seinen eigenen Hausstand gegründet. "Mit allem was dazu gehört, also Kochen lernen, Wäsche waschen und so weiter, da meine Mutter zunächst beleidigt war, dass ich nicht zu ihr hielt. Es hat eine Zeitlang gedauert, bis sie sich damit arrangieren konnte." Dieses früh auf den eigenen Beinen stehen, hat Thomas Bortz geprägt, wie sich im Laufe des äußerst unterhaltsamen Tischgespräches noch herausstellen sollte. So hat er sich beispielsweise nach dem Abitur bewusst gegen die Bundeswehr entschieden und ist den härteren, weil auch längeren Weg über den Zivildienst gegangen. "Ich bin sehr stolz darauf, Europäer mit Deutschen Wurzeln zu sein. Uns geht es hier besser als in den allermeisten anderen Ländern. Ich habe mir seinerzeit aber die Frage gestellt, ob ich mir von jemandem befehlen lassen will auf einen anderen zu schießen. Und diese Gewissensfrage würde ich auch heute noch gleich beantworten, obwohl ich mitnichten Pazifist bin. Es geht hier um eine der grundlegendsten Fragen.
 
Meine frühe Begeisterung für das Judo und die langjährige Zusammenarbeit mit einem japanischen Trainer hat mir bei allem Eifer auch Grenzen aufgezeigt." Die Prüfung zum ersten Meistergrad im Judo hat er interessanterweise erst vor wenigen Jahren absolviert. Und überhaupt, wie bei vielen erfolgreichen Unternehmern, spielt der Sport auch bei Thomas Bortz eine gravierende Rolle. Vom aktiven Fußball hat er sich in der A-Jugend mit Blick auf die Konkurrenz zum Judo verabschiedet, den Rettungsschwimmer hat er noch in der Schule gemacht, zum Tauchen ist er jedoch erst mit 25 gekommen. Die Leidenschaft in den Tiefen auf Erkundung zu gehen, sprüht ihm allerdings beim Erzählen darüber regelrecht aus den Augen. Bei der Ausbildung zum Tauchlehrer hat Thomas Bortz im Übrigen auf Lanzarote seine heutige Frau Milly kennen gelernt, eine Spanierin, die aus ihrer ersten Ehe zwei Kinder mitbrachte.

Was ich liebe, für das habe ich Kraft

Doch noch einmal zurück zu der Entscheidung für den Zivildienst. Thomas Bortz: "Ich wollte es mir nicht einfach machen, und in dieser Zeit habe ich viel gelernt. Eine Erkenntnis ist, dass es sich immer lohnt, sich zu überwinden, wenn es um Belange anderer Menschen geht. Wobei ich mittlerweile der festen Überzeugung bin, dass man sich nicht überwinden muss, wenn man etwas liebt. Was ich liebe, für das habe ich Kraft. Natürlich musste auch ich im 20 monatigen Zivildienst mit mir kämpfen, die behinderten Kinder auf die Toilette zu begleiten. Die Erinnerung, einem spastisch gelähmten Jungen während des Zivildienstes beigebracht zu haben, am Handlauf zu laufen, bekräftigt mich aber heute noch, die richtige Entscheidung für mich getroffen zu haben!"
 
Der komplette Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
 
 

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