Allgemeines Gerstenernte: Startschuss kommt zwei Wochen zu früh

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Stuttgart - Fast zwei Wochen zu früh beginnt vielerorts in Deutschland die Gerstenernte. agrarheute.com hat zwei Landwirte in Baden-Württemberg besucht.

 
An vielen Orten in Deutschland sind bereits die Mähdrescher im Einsatz - die Gerstenernte beginnt. agrarheute.com hat zwei Landwirte im Norden Baden-Württembergs besucht. Rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen die Erträge bei Lohnunternehmer Gerhard Guthörle in der Nähe von Heilbronn.
 
Rund 30 Prozent Ertragseinbußen im Süden
 
Bei der angelaufenen Ernte zeichnen sich für Getreide und Raps Ertrags- und Qualitätseinbußen ab; die Maiserzeuger scheinen dagegen vorerst aufatmen zu können. Darauf deuten zumindest Berichte aus einzelnen Regionen hin. So erklärte die Landwirtschaftskammer Rheinland- Pfalz am vergangenen Mittwoch, bei Wintergerste würden derzeit weniger als 400 ährentragende Halme pro Quadratmeter gezählt, für gute Erträge seien aber mindestens 700 Halme notwendig. Die Kammer rechnet daher bei Winterbraugerste mit einem Minus von gut 35 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt aus und vermutet bei Futtergerste noch größere Verluste, da diese meist auf weniger guten Standorten angebaut wird. Die Ernte hat in Rheinland-Pfalz etwa zehn Tage früher als üblich begonnen. Im Süden des Landes sind die ersten Gerstenfelder laut Kammer bereits abgeerntet. Auch der erste Raps des Jahres ist eingebracht. Dort werden die Einbußen auf rund 30 Prozent beziffert. In den Mittelgebirgsregionen könnten wegen des Vegetationsrückstands und der Niederschläge Anfang Juni die Verluste etwas kleiner ausfallen. Bei der Sommergerste rechnet die Kammer im Süden mit Verlusten bis zu 50 Prozent. Die Mittelgebirgsstandorte dürften etwas besser abschneiden.
 
Preise lassen hoffen
 
Zum Erntestart in Nordsachsen betonte der Präsident des Sächsischen Bauernverbandes (SLB), Wolfgang Vogel, die Pflanzen hätten sich wegen Auswinterungsschäden und Frühjahrstrockenheit nicht optimal entwickeln können. Daher geht der SLB derzeit von Ertragseinbußen in Höhe von zehn Prozent bis 30 Prozent aus. Auf den leichten Standorten in Nordund Ostsachsen könnten die Ertragsausfälle durchaus noch höher ausfallen. Von Verlusten besonders betroffen seien Kulturen wie Raps und Wintergerste, betonte der SLB. Erste Analysen des Getreides deuteten auf teilweise mindere Qualitäten hin. "Aber noch ist die Ernte nicht in der Scheune", räumte Vogel ein. Die aktuellen Preisentwicklungen der Getreidekulturen würden von den Landwirten mit Spannung verfolgt. Landwirtschaftsminister Frank Kupfer unterstrich, für den geschäftlichen Erfolg sei nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität ausschlaggebend. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Landwirte Ernteverluste mit einer geschickten Vermarktung teilweise ausgleichen könnten.
 
Zwangspause durch Regen
 
Die Landwirtschaftskammer Niedersachen rechnet ebenfalls mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte. Aufgrund des extremen Witterungsverlaufs mit lang anhaltenden Trockenperioden hätten insbesondere die Kulturen auf leichten Standorten gelitten, betonten die Kammerfachleute. Anfang vergangener Woche und damit 14 Tage früher als gewöhnlich starteten die Mähdrescher in Niedersachsen mit der Wintergerstenernte. Heftige Niederschläge verordneten den Erntemaschinen jedoch zur Wochenmitte eine Zwangspause. Ertragseinbußen befürchtet auch der Hessische Bauernverband (HBV). Dessen Präsident Friedhelm Schneider unterstrich, auf sandigen Böden, die im hessischen Ried stark verbreitet seien, würden nach den jetzt vorliegenden ersten Ergebnissen zum Teil nur rund 30 dt/ha geerntet statt der durchschnittlichen 65,6 dt/ha. Damit hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. "Die Juni-Niederschläge sind zu spät gekommen", stellte Schneider fest. Sie wirkten sich nur an den Standorten ertragssteigernd aus, an denen die Kornfüllungsphase noch nicht abgeschlossen war. Auf die viehaltenden Betriebe sieht der HBV Futterengpässe zukommen. Die Heuernte, die jetzt vielerorts stattfindet, sei ebenfalls unterdurchschnittlich. Der zweite Grünlandschnitt zur Silagebereitung bringe ähnlicheMindererträge wie der erste Schnitt. Je nach Region fielen die Erträge dort um 30 Prozent bis 60 Prozent kleiner aus.
 
Nord-Süd-Gefälle im Mais
 
Nach Einschätzung des Deutschen Maiskomitees (DMK) bereiten allein Mais und Zuckerrüben gegenwärtig den landwirtschaftlichen Erzeugern Freude. Der größte Teil der Maisflächen habe die Trockenphase im Frühjahr gut überstanden und erhole sich seit Beginn der Niederschläge, hob das DMK hervor. Ein Großteil der Tierhalter setze in den kommenden Monaten für die Futterversorgung der Tiere nun verstärkt auf Mais. Das Grünland habe wegen der Trockenheit fast durchweg enttäuscht. Die Zwischenfrüchte hätten das Defizit nicht ausgleichen können. Mit dem guten Stand bei Mais entspannt sich laut DMK die Situation der Biogas-Betriebe, so dass diese nun ausreichend Mais für ihre Biogas-Anlagen erwarten dürften. Trotz der erfolgten Niederschläge fehle dem Mais aber noch Wasser. Bei der Bestandsbeurteilung registriert das DMK ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Während im Süden häufig von einer Normalsituation die Rede sei, oder der Wachstumsstand sogar, beispielsweise in Teilen Bayerns, mit sehr gut bezeichnet werde, würden die positiven Einschätzungen nach Norden hin seltener. Außergewöhnlicher Unkrautdruck oder Schädlingsbefall sei mit Ausnahme von Brandenburg bisher nicht zu spüren.
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