Ernte und Transport Mähdrescher: Wo drückt der Schuh?

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Frankfurt am Main - Die DLG hat bei Landwirten eine Umfrage zur Zufriedenheit mit der vorhandenen Mähdruschtechnik durchgeführt.

CLAAS Mähdrescher
Über die Ergebnisse informierten Roland Hörner, Radu Domnita und Johannes Speer vom DLG-Testzentrum Technik & Betriebsmittel. Sie kommentieren die Befragungsergebnisse der aktuellen Umfrage bei rund 1.000 DLG-Mitgliedern. An dieser Umfrage beteiligten sich überwiegend Ackerbaubetriebe (65 Prozent) mit meist stattlicher Anbaufläche, Tier haltende Betriebe (rund 18 Prozent) sowie Betriebe, die auch als Lohnunternehmer arbeiten (rund 16 Prozent). Allen gemeinsam sei, dass sie mindestens einen Mähdrescher nutzen.
 
Im Durchschnitt bewirtschaften die befragten Betriebe eine Ackerbaufläche von 660 Hektar. Die Spanne reicht dabei von 70 ha bis zu 5.500 Hektar. In Einzelfällen komme es auch vor, dass bis zu fünf Betriebe bewirtschaftet werden. Dabei ergibe sich eine durchschnittliche Schlaggröße von 14,3 Hektar.

Mehr Flächenleistung und leistungsstarke Maschinen

Dementsprechend weit fächern sich die Antworten der befragten Landwirte zur Maschinenauslastung: Druschflächen von 90 Hektar je Mähdrescher und Jahr bis hin zu 1.600 Hektar für einen Mähdrescher mit 9,15 Meter Arbeitsbreite wurden genannt. Teile man diese Hektarangabe durch die ebenfalls angegebenen 300 Trommelstunden, dann müssten je Trommelstunde rund 5,3 Hektar "fallen". Ohne zuverlässige Technik, Ersatzteilversorgung, passende Abfuhrlogistik und Flächenstrukturen sei das kaum vorstellbar. Ein weiterer Blick auf die Umfrageergebnisse zeige, dass die Arbeitsbreite der Mähdrescher in der Umfrage bei 7,4 Meter lag. Seien mehr als nur ein Mähdrescher auf dem Betrieb, so steige der Wert auf über acht Meter an.
 
Werde nur mit einem Mähdrescher gefahren, so fielen im Jahr rund 230 Betriebsstunden an, was wiederum im Durchschnitt knappe 190 Trommelstunden bedeuteten (86 Prozent). Demnach drischt jede dieser Maschinen rund 400 Hektar und damit etwas mehr als 2,1 Hektar je Trommelstunde. Landwirte mit mehreren Maschinen erreichten sogar knappe 260 Einsatzstunden und im Schnitt 220 Trommelstunden. Hier fielen rund 3,2 Hektar pro Stunde.
 

Weniger Schüttlersysteme

Während bis heute bei kleineren Mähdreschern noch überwiegend klassische Trommeldreschwerke mit Hordenschüttlern zum Einsatz kämen, seien in Großmähdreschern der gehobenen und obersten Leistungsklasse inzwischen auch in Deutschland verstärkt Rotor- oder Hybriddreschwerke im Einsatz. Die befragten Landwirte nutzen zu 44 Prozent reine Schüttlermaschinen, während 27 Prozent Rotor- und rund 29 Prozent Hybriddrescher die eindeutige Tendenz weg vom Schüttler erkennen ließen.
 
Manches Hybriddreschwerk sei in der Umfrage jedoch als Rotordreschwerk eingestuft worden, deren Anteile seien daher "mit Vorsicht zu genießen". Das Durchschnittsalter aller Mähdre-scher in der Umfrage liege zwischen fünf und sechs Jahren. Dabei nutzten drei Viertel der Betriebe die Druschtechnik, bis die Reparaturen überhandnehmen, etwa 17 Prozent bis zur Abschreibungsgrenze. Immerhin knappe fünf Prozent geben eine maximale Nutzungsdauer von lediglich drei Jahren an.
 
Sehr stark in der Befragung vertreten sei Claas (47 Prozent), gefolgt von New Holland (21 Prozent) und John Deere (Prozent %). Die restlichen Marken Deutz, Case, Fendt, MF und Fiatagri teilen sich die verbleibenden 14 Prozent. 

Die häufigsten Probleme am Schneidwerk

Grafik 2: Wo sind Probleme aufgetreten?
Der alte Spruch, dass Technik vorzugsweise dann ausfällt, wenn sie gebraucht wird, gilt der DLG zufolge auch heute noch: So hätten 86 Prozent der Befragten angegeben, dass es an ihrer Druschtechnik bereits Festigkeits- und Funktionsprobleme gab – manchmal sogar mehrfach (Grafik 2). Die Probleme beginnen buchstäblich von vorne, also mit dem Schneidwerk. Hier seien bei 41 Prozent der Maschinen Schäden oder Festigkeitsprobleme aufgetreten, die nicht als "normaler Verschleiß" charakterisiert werden könnten. Damit nehme das Schneidwerk den Spitzenplatz in diesem Ranking ein.
 
Die zweite Schwachstelle finde sich am Heck der Mähdrescher: Mit dem Häcksler habe es bei 34 Prozent entsprechende Probleme gegeben. Hydraulik und Drehleistungsübertragung folgten dahinter mit 33 Prozent. Hitze, Staub und Erschütterungen gingen auf Dauer bei rund 26 Prozent der Maschinen nicht an der Elektrik und Elektronik spurlos vorüber. Auch am Dreschwerk entstünden bei 26 Prozent Funktionsprobleme beziehungsweise Festigkeitsprobleme. Motor und Fahrantrieb liegen mit rund 24 Prozent  knapp darunter. Schon fast problemfrei schienen Fahrwerk (elf Prozent ) und Rahmen (sieben Prozent ) zu sein.
 
Erfreulicherweise träten Probleme mit Motor, Rahmen, Fahrwerk, Dreschwerk, Hydraulik und Elektrik meist nur einmalig auf. Probleme mit Strohhäcksler, Schneidwerk, Elektronik und auch der Drehleistungsübertragung treten laut. Umfrage auch öfter auf. Daneben sei eine bunte Palette von Nennungen zu verzeichnen, wie zum Beispiel neue Kühler, zu schwache Wellen, Fahrantriebsprobleme, Verarbeitungsmängel bis hin zu Brandschäden. Letztere wurden häufiger genannt.
 

Hohe Wiederkaufsabsichten

Grafik 3: Welche Kriterien sind beim Kauf eines Mähdreschers entscheidend?
Ob diese Punkte beim Kunden nachhaltig für echte Verärgerung sorgen, zeigt sich laut DLG bei der Entscheidung des Wiederkaufes. Über 80 Prozent der befragten Landwirte würden den jeweiligen Mähdrescher wieder kaufen würden, stünden sie erneut vor der Entscheidung.
 
Beim Ranking der Kaufkriterien stehen die Ersatzteilversorgung und der Service oben an. (Grafik 3). Danach folgen im Ranking die Handhabung und Bedienung der Maschine, noch vor der technischen Ausstattung. Auch die Entfernung und der Kontakt zum Servicepartner spielen eine wichtige Rolle. Erst auf Platz sechs steht der Preis, gefolgt von der Information aus Testberichten, wohl deshalb, weil es kaum solche gibt. Anders als beim Autokauf erscheine die Kaufentscheidung damit sehr rational gesteuert. Ein weiteres Indiz dafür sei, dass die Marke beziehungsweise der Hersteller eine untergeordnete Rolle spielten, ebenso wie die Finanzierungsmöglichkeiten.
 
Beim Kauf selbst lassen sich die befragten Landwirte nur selten auf eine Gebrauchtmaschine ein. Meist werde eine Vorführ- beziehungsweise Neumaschine angeschafft. Da erst verkauft werde, wenn die Reparaturen überhand nehmen, sei ein Gebrauchter mit vielen Risiken behaftet. Diese Verhaltensweise stehe auch künftig nicht zur Disposition: 73 Prozent der befragten Betriebe wollen auch in Zukunft mit eigenem Drescher aufs Feld. Dazu kommen dann noch etwa 15 Prozent, die sich die notwendige Druschleistung per überbetrieblicher Maschinengemeinschaft erschließen wollen. 7 Prozent wollen die Ernte künftig dem Lohnunternehmer oder Maschinenring überlassen. Leasing oder Miete komme nur für knappe 5 Prozent in Betracht.
 

Häckselqualität und Druschverluste im Blickpunkt

Grafik 4: Worauf kommt es Ihnen beim Drusch besonders an?
Die Antworten auf die Frage, worauf es den Landwirten beim Drusch besonders ankommt, ließen teilweise auch einen Entwicklungsbedarf erkennen. Ausgesprochen wichtig und mit den meisten Punkten versehen wurde eine gute Häckselqualität, das heißt eine passende Häcksellänge und eine gleichmäßige Querverteilung. Immer noch sehr wichtig seien niedrige Druschverluste und ein möglichst hoher Durchsatz. Dahinter rangieren möglichst geringe Schneidwerksverluste sowie eine einfache Bedienung und Handhabung. Obwohl Kraftstoff bekanntlich immer teurer wird, landet er erst auf Platz sechs, gefolgt von Nutzungsdauer, Ergonomie und Wartungsaufwand. Allerdings erhielten nahezu alle Merkmale Punktwerte zwischen 4 und 5.
 
Moderne, klimatisierte Mähdrescherkabinen, schmierungsfreie Lager beziehungsweise automatische Schmieranlagen lassen kaum noch Wünsche offen. Rund die Hälfte der Mähdrescher in der Umfrage verfügen über Fahrassistenzsysteme. Lenksysteme seien bei 41 Prozent der Mähdrescher vorhanden. Sogar ein Drittel der Maschinen sei mit einem Ertragskartierungssystem ausgestattet. Bei Mähdreschern, die über Einstellassistenzsysteme verfügen, werden diese etwa von der Hälfte der Betriebe immer genutzt, da ein Zusatznutzen gesehen wird. Auch wenn diese Systeme auf unterschiedliche Weise Unterstützung bieten, wird die Verbesserung der Produktivität im Durchschnitt um + 15 Prozent  eingeschätzt. 
 
Noch derzeit kein absolutes "Must Have" eines Mähdreschers scheint der Umfrage zu Folge die Telemetrie zu sein. Telemetrie kann, wenn vorhanden, dazu genutzt werden, alle möglichen mehr oder weniger wichtigen (Mess-)Daten zu übertragen. Auf die Frage, ob dieses Instrument mehr in Richtung "Kontrolle" von Fahrer und Maschine gesehen, oder ob es als weitere Möglichkeit zur gezielten Produktivitätssteigerung betrachtet wird, fiel 50 : 50, also unentschieden aus.
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