Milchproduktion Milchmarkt: Experten erwarten Trendwende für 2012

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Berlin - Nach einem für die Milcherzeuger außerordentlich positiven Jahr 2011, könnte es im laufenden Jahr zu einer Schwächephase kommen. Außerdem werden die Märkte deutlich volatiler.

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"Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach unseren Milchprodukten weltweit kräftig gestiegen. Bei gleichzeitig verhaltenem Angebot führte das zu deutlich höheren Preisen für unsere Milchbauern. Ich denke, dass wir auch in diesem Jahr einen sehr aufnahmefähigen Markt haben werden." Dies erklärte Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), am vergangenen Freitag beim 3. Berliner Milchforum. Eine Expertin der ZMB (Zentrale Milchmarkt-Berichterstattung) sprach bei der Tagung von einer Trendwende am Markt.

Märkte volatiler

"Die Beiträge der Fachleute zeigen aber auch, dass Milchbauern und Molkereien gleichsam auf der Hut sein müssen. Für eine gute Marktlage gibt es keine Garantie von Dauer. Wir beobachten, dass die Märkte deutlich volatiler geworden sind. Daher brauchen wir Molkereien, die mit Qualität und Innovation unsere Kunden auf dem heimischen Markt begeistern. Die deutsche Milchwirtschaft braucht aber auch immer wieder neue Ideen und Strategien, um mit Milchprodukten im Ausland zu überzeugen", sagte Folgart. Er betonte, dass Exportmärkte entwickelt und gepflegt werden müssen, "wofür letztlich auch Geld in die Hand genommen werden muss". 

Produktion deutlich ausgeweitet

Der Monat März habe am internationalen Milchmarkt eine Wende eingeläutet: Auf das Boomjahr 2011 könnte eine Schwächephase folgen. Diese Einschätzung traf Monika Wohlfarth, Geschäftsführerin der Zentralen Milchmarkt-Berichterstattung (ZMB), beim Milchforum. Die Preissteigerungen in den Jahren 2010 und 2011 hätten Erzeuger in vielen Regionen der Welt angeregt, ihre Produktion deutlich auszuweiten, begründete Wohlfahrt laut Dow Jones News ihre Einschätzung. EU-weit seien im vergangenen Jahr 2,1% mehr Milch erfasst worden als 2010. Neuseeländische Erzeuger hätten 2011 sogar 10,5% mehr Milch ermolken. Dieses höhere Angebot an Milch treffe am Weltmarkt auf eine gedämpfte Nachfrage. Das Kaufverhalten sei zurückhaltender geworden, in der Folge sei ein Preisrückgang eingetreten. Die eingetrübten Aussichten für die Entwicklung der Weltwirtschaft sendeten zusätzliche Schwächesignale.
 
Am deutschen und europäischen Buttermarkt machen sich nach dem preislichen Höhenflug der Jahre 2010 und 2011 die Auswirkungen fehlender internationaler Konkurrenzfähigkeit bemerkbar, und zwar in Form von rückläufigen Exporten und nachgebenden Preisen, so Wohlfarth. Da Milchprodukte schwächer notierten, sei in der Folge auch eine Korrektur der Erzeugerpreise für Milch zu erwarten.

Warenterminbörsen gewinnen auch für Milch an Bedeutung

Folgart sieht die Situation optimistischer: "Trotz vieler Unsicherheiten, die an den Märkten bestehen, überwiegen doch die Chancen", machte er deutlich. Er sehe einerseits Möglichkeiten für den Milchstandort Deutschland bei einem fairen internationalen Wettbewerb, andererseits auch in der weiterhin steigenden Weltnachfrage. Als eine wichtige Erkenntnis der Branchentagung in Berlin bezeichnete Folgart, dass die Warenterminbörsen auch für den Milchbereich an Bedeutung gewinnen. "Diese bieten nicht nur für Molkereien, sondern auch für Milcherzeuger eine ernst zu nehmende Möglichkeit der Absicherung gegen unerwünschte Preisschwankungen. Wir Milchbauern brauchen ein Sicherheitsnetz", betonte Folgart.
 
Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Politik gefordert ist, den Milchbauern Flankenschutz zu geben, zum Beispiel mit einer Risikoausgleichs-Rücklage. Folgart kündigte vor den mehr als 350 Teilnehmern an, dass das nächste Berliner Milchforum für den 14. und 15.03.2013 geplant ist. Diese Fachtagung wird wiederum vom Deutschen Bauernverband, dem Milchindustrie-Verband, der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) und dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) veranstaltet.

Deutsche Milchproduktion erreicht neuen Höchststand

Deutsche Bauern haben im 2011 rund 29,3 Mio. Tonnen Milch produziert - 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Niemals zuvor haben Milchbauern mehr gemolken als im vergangenen Jahr. Mit Ausnahme von Thüringen, wo sich die Milchanlieferungen der dortigen Milchbauern um 0,6 Prozent verringerten, wurde in allen anderen Bundesländern mehr gemolken, zitiert Agra-Europe die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Am stärksten wurde die Produktion in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgedehnt (+ 3,5 Prozent). Die Milchproduktion nahm in den neuen Bundesländern weniger stark zu (+1,3 Prozent) als im Westen (+ 2,7 Prozent).
 
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