Bienensterben Neue Studienergebnisse: Neonikotinoide für Bienenbrut schädlich

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Gerstern veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen, dass Neonikotinoide sich negativ auf die Bienenpopulationen auswirken. Selbst in geringen Konzentrationen schädigen sie die Larvenaufzucht von Honigbienen.

Neue Studienergebnisse von Wissenschaftlern aus Mainz und Frankfurt zeigen, dass Neonikotinoide möglicherweise doch eine Rolle für das Bienensterben spielen. In Versuchen haben sie nachgewiesen, dass Neonikotinoide selbst in geringen Konzentrationen nachweisbare negative Auswirkungen auf Bienen haben. Laut den Ergebnissen vermindern Neonikotinoide den im Futtersaft von Ammenbienen enthaltenen Acetylcholingehalt.

Das Signalmolekül Acetylcholin ist für die Larvenaufzucht von Honigbienen wichtig. Dieser schädigende Mechanismus war laut Universitätsmedizin Mainz bislang nicht bekannt. Höhere Dosen der Neonikotinoide schädigen sogenannte Mikrokanäle in der Futtersaftdrüse, in denen Acetylcholin gebildet wird.

Feldrelevante Dosis halbiert Acetylcholingehalt

Um die Wirkung von Neonikotinoiden auf den Acetylcholingehalt im Futtersaft genauer zu untersuchen, wurden Bienenvölker in Flugzelten verschiedenen Konzentrationen von Neonikotinoiden ausgesetzt (Clothianidin 1, 10 und 100 µg/kg Zuckerlösung; Thiacloprid 200 und 8800 µg/kg). „Diese Exposition führte zu einer deutlichen Reduktion des Acetylcholingehalts im Futtersaft. So konnten wir feststellen, dass die feldrelevante Dosis des Neonikotinoidwirkstoffs Thiacloprid (200 µg/kg) den Acetylcholingehalt halbiert.

Höhere Dosen verminderten den Acetylcholingehalt sogar nachweislich um 75 Prozent und zogen ausgeprägte Schäden an den Mikrokanälen und sekretorischen Zellen der Futtersaftdrüse nach sich“, erklärte Professor Ignatz Wessler vom Institut für Pathologie an der Universitätsmedizin Mainz .

Hinweis für anstehende Neubewertung

Weil sehr hohe Dosen der Neonikotinoide den Bestand von Wildbienen, Hummeln und Königinnen reduzieren können, hat die Europäische Union Ende 2013 den Einsatz der drei Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam bereits vorübergehend eingeschränkt. Befürworter des Insektizids machen für das Bienensterben hingegen die Varroamilbe verantwortlich. "Die aktuellen Forschungsergebnisse sind jetzt ein neuer Beleg für den schädigenden Einfluss von Neonikotinoiden auf Bienenvölker und muss bei der anstehenden Neubewertung dieser Substanzklasse bedacht werden", erklärte Wessler.

Weitere Informationen zu den Forschungsergebnissen finden Sie auf der Seite der Universitätsmedizin Mainz.


Insekten - das Futtermittel der Zukunft?
  • Insekten haben keine hohen Futteransprüche und wandeln im Prinzip minderwertigen Bioabfall in hochwertiges Protein um.
  • Für die industrielle Produktion eignen sich vor allem die Larven der Soldatenfliege (Hermetica illucens), der Hausfliege (Musca domestica) sowie der gelbe Mehlwurm (Tenebrio molitor).
  • Die Maden der Hausfliegen stellen eine gute Proteinquelle für Geflügel.
  • Die Larven der Soldatenfliege haben einen sehr hohen Gehalt an Eiweiß und Fett und eignen sich laut den Forschungsergebnissen gut für die Tier- und Fischfütterung.
  • Der gelbe Mehlwurm (Tenebrio molitor) lässt sich gut an Masthühner verfüttern.
  • Glaubt man den Experten, ist der Einsatz und die Herstellung im großen Maßstab in naher Zukunft realisierbar.
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