Spezielles Produkte mit Schlagkraft

© Mühlhausen/landpixel Bild vergrößern
von

Der Markt für Weidezaungeräte wurde durch die Norm EN 60335-A12 durcheinander gewirbelt. Ob dadurch die Sicherheit gesteigert wurde, ist umstritten. Dennoch haben alle Hersteller ihr Sortiment angepasst.

Weidezaungeraete_Werkfoto.jpg © Werkfoto Bild vergrößern
Weidezaungeräte müssen heute strengen Standards entsprechen.
Der Weidezaun von heute soll nicht nur ausbruchsicher, sondern auch stabil und langlebig sein, sowie für die Tiere keine Risiken verursachen. Darüber hinaus wird auf eine einfache Bedienung und einen möglichst geringen Stromverbrauch Wert gelegt. Und zu guter Letzt soll das Gerät natürlich auch nicht zu teuer sein.
 
Ich denke, jeder Fachhändler, der diese Produkte vertreibt, ist diesen Forderungen schon vielfach in den unterschiedlichsten Konstellationen begegnet: Unvereinbar, scheint es auf den ersten Blick. Betrachtet man aber die heutige Technik, stellt man fest, dass die Hersteller in den vergangenen Jahren nicht geschlafen haben. Die Lösungen von heute werden jedem Einsatzzweck gerecht. Die produzierende Industrie hat eine Lösung parat, egal ob es sich bei den zu hütenden Tieren um Rinder, Pferde oder Schafe handelt, egal wie groß die Weide ist. Aber diese Entwicklung ist natürlich nicht kostenfrei gewesen. AGRARTECHNIK hat sich mit führenden Herstellern über die gegenwärtige Situation auf dem Markt für Weidezaungeräte unterhalten.

Profis und Hobbyanwender

Günter Herkert, von der Patura KG in Laudenbach berichtet, dass, bedingt durch den Trend zu größeren Betriebsstrukturen, verstärkt leistungsstärkere Geräte nachgefragt werden. "Sehr gut angenommen wird das Konzept der Multifunktionsgeräte (Zwölf Volt + 230 Volt) in Verbindung mit den zwei Produktlinien (Standardgerät und Geräte mit Komfortausstattung)."
 
Axel Schäfer, von der horizont group GmbH, äußert sich ähnlich: "In den letzten Jahren ist ein Trend zu 230-Volt- Netz und Zwölf-Volt-Akkugeräten zu verzeichnen. Beide Betriebsarten sind bei hohen Leistungen kostengünstig im Betrieb. Zunehmende Nachfrage an Solargeräten und Solarkombinationen bestätigen die Vorteile durch Zeit- und Kostenersparnis. Beim Einsatz von Neun-Volt-Trockenbatteriegeräten werden kostensparende Modelle mit Stromsparschaltung gewünscht."
 
Markus Öxle von der AKO-Agrartechnik GmbH & Co. KG umschreibt die Gesamtsituation. Er erklärt, dass Billiganbieter zugenommen haben." Zudem hat die Gerätesicherheit einen deutlich höheren Stellenwert erreicht. Gleichzeitig stellen die Anforderungen der neuen Sicherheitsnorm eine technische Herausforderung vor allem für die Hersteller leistungsfähiger Geräte dar. Weitere Innovationen, vor allem auf dem Gebiet der intelligenten Überwachung des Zauns und der Gerätefunktion sind zu erwarten." Er berichtet, dass vor allem moderne Betriebe mehr Wert auf technische Neuerungen, wie zum Beispiel Kontrolle und Steuerung der Weidezaungeräte via Handy (iPhone) legen. Aber auch Hobbyanwendungen (Schafe, Geflügel, Ziegen, Reiherabwehr, Hunde) sind ansteigend. Zudem sei die Wildschweinabwehr mit Weidezaungeräten mittlerweile gängige Praxis.

Mehr Sicherheit oder Luftnummer

Bei der von Markus Öxle angesprochenen neuen Sicherheitsnorm EN 60335-A12 scheiden sich zwischen den Herstellern und Fachhändlern die Geister. Hans Kaltenegger von Gallagher beschreibt die Entwicklung der Norm aus seiner Sicht. Zunächst ging es dabei um den Anhang A11. "A11 schreibt vor, dass Weidezaungeräte, welche nach dem Stichtag 1. September 2010 in der EU erzeugt, beziehungsweise in sie eingeführt werden:
a) nicht mehr als fünf Joule Impulsenergie abgeben dürfen und
b) der Spitzenstrom nicht größer als 20 Ampere sein darf.
 
Die Vorschrift mit den 20 Ampere hat die größten Änderungen nach sich gezogen. Fast alle am Markt befindlichen Weidezaungeräte haben der 20-Ampere-Vorschrift nicht mehr entsprochen. Daher musste Gallagher fast alle Weidezaungeräte dieser Vorschrift anpassen und der Behörde (VDE) zur Genehmigung vorlegen. Dies hat die Hersteller mit erheblichen Kosten belastet. Der Besitzer eines Gerätes kann die 20-Ampere-Konformität übrigens einfach selbst nachprüfen: Bei einer Belastung mit 100 Ohm darf ein A11-Gerät maximal eine Spannung von 2 000 Volt aufweisen. Bei einer Belastung mit 50 Ohm darf ein A11-Gerät maximal eine Spannung von 1 000 Volt aufweisen. Alle Geräte, welche eine höhere Spannung haben, entsprechen nicht der Norm A11.
 
Unter den von der neuen Vorschrift betroffenen Kreisen (Bauern, Handel und Hersteller) herrschte Übereinstimmung, dass mit der Vorschrift A11 in der modernen Landwirtschaft kein Auskommen sei. Um den neuen Sicherheitstrends entgegenzukommen, jedoch gleichzeitig eine vernünftige Hütesicherheit zu ermöglichen, wurde eine zusätzliche neue Norm A12 auf den Weg gebracht. Diese Vorschrift überwindet die Fünf-Joule-Grenze unter Einhaltung spezieller Vorgaben. Die wichtigsten Punkte von A12:
  1.  Die maximale Impulsenergie wird auf 15 Joule angehoben.
  2. Die Geräte müssen mit einer Zeitverzögerung bei hohem Belastungswechsel ausgerüstet sein.
  3. Die Geräte müssen bei einer plötzlichen hohen Belastung einen akustischen und optischen Alarm geben.
  4. Die Impulsenergie muss sich der Belastung anpassen.
  5. Die Geräte müssen als Geräte mit Zeitverzögerung gekennzeichnet (Sanduhr) sein."

 

Die komplette Marktübersicht über Weidezaungeräte ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
 

Rinder-Leasing: 'Wir wollen dem Kunden Qualität liefern'

Schlagwörter
Technikboerse