Allgemeines Ratgeber: Zwischenfrüchte selber mischen - so geht's

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Die neuen Greening-Vorschriften verlangen ab 2015 den Anbau von mindestens zwei Zwischenfrüchten. Wie man Zwischenfruchtmischungen selbst herstellt und was es zu beachten gibt, erfahren Sie hier.

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Die Phacelia nutzt mit ihrem dichten Wurzelsystem die Nährstoffvorräte im Boden gut aus und übergibt sie nach Verrottung leicht an die Nachfolgefrucht. Sie hinterlässt eine dicht durchwurzelte, gare Krume.
Einige Landwirte bauen Zwischenfrüchte und Zwischenfruchtmischungen schon seit langer Zeit an, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu verbessern oder um ihn vor Erosion zu schützen. Aufgrund der neuen Greening-Vorschriften bekommt das Thema Zwischenfruchtanbau nun auch für die breite Masse Bedeutung.
 
Landwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 15 Hektar Ackerfläche bewirtschaften, müssen ab 2015 fünf Prozent ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche vorweisen, wenn sie ihre Greening-Prämie und ihre Direktzahlungen sichern wollen. Ökologische Vorrangflächen können unter anderem Zwischenfrüchte, Stilllegungen, Randsteifen oder Landschaftselemente sein.
 
Zwischenfruchtmischungen können leicht selbst hergestellt werden, allerdings muss man etwas Zeit in das Thema investieren und Interesse für den Boden mitbringen, um die richtigen Einzelkulturen auszuwählen:

1. Vorgehen beim Selbermischen

  • Überlegen: Was ist einem selbst wichtig? Welchen Boden hat man? Welche Hauptfrüchte und Fruchtfolge? Wofür sollen die Zwischenfrüchte verwendet werden: Gründung, Futter, Biomasse, Bodenverbesserung, Grundwasser- und Erosionsschutz?
  • Wer noch keine Erfahrung mit Zwischenfruchtmischungen hat, sollte eventuell zuerst mit einer Fertigmischung beginnen und diese durch einzelne Komponenten ergänzen
  • Wer komplett selbst zusammenmischen möchte: Im Internet bieten Saatgutfirmen Tabellen zum Tausend-Korn-Gewicht der verschiedenen Kulturen an.
  • Ist die Mischung ausgewählt, dann die Einzelkomponenten in einem Betonmischer oder einer alten Saatbeize zusammenmischen.
  • Der mechanische Mischvorgang sollte nicht zu lange dauern, da dabei das Saatgut beschädigt werden kann und die Keimfähigkeit darunter leiden würde.
  • Manche Landwirte schütten die Einzelkomponenten auch einfach gemeinsam in die Sämaschine und rühren kurz mit der Hand durch.

2. Diese Zwischenfrüchte sind greeningfähig:

Soll die Zwischenfruchtmischung greening-fähig sein, muss beachtet werden, dass keine Art einen höheren Anteil als 60 Prozent (%) an den Samen der Mischung haben darf. Zudem wird der Anteil von Gräsern auf 60 % begrenzt. Als frühestmöglichen Aussaattermin für die Kulturpflanzenmischungen nennt die Direktzahlungsdurchführungs-Verordnung den 16. Juli.
 
Die Liste der zugelassenen Zwischenfruchtkulturen finden Sie beim Bundesjustizministerium: http://www.gesetze-im-internet.de/direktzahldurchfv/anlage_3_53.html

3. Vorteile des Selbermischens:

  • Finanziell günstiger, vor allem, wenn man die Kulturen selbst nachbaut
  • Mischung kann nach den eigenen Vorstellungen zusammengestellt werden 
  • Mischung kann individuell nach den Bedürfnissen des Bodens zusammengestellt werden.

    4. Nachteile des Selbermischens:

    • Es ist noch nicht ganz sicher, ob Eigenmischungen beim Greening anerkannt werden, vermutlich müssen die angebauten Zwischenfrüchte schriftlich nachgewiesen werden. Am besten beim zuständigen Amt für Landwirtschaft nachfragen.
    • Zeitaufwändig, da man sich mit der Vielzahl der Kulturen, ihrer Vor- und Nachteile sowie dem eigenen Boden beschäftigen muss.
    • Mehrere Experimentier-Jahre einplanen, denn die Erfahrung macht's.

      Beispielbetriebe und ihre Individuellen Zwischenfruchtmischungen

      Milchvieh- und Ackerbaubetrieb (Landkreis Pfaffenhofen/Oberbayern) 
       
      Hauptfrüchte: Winterweizen (100 ha), Mais (55-60 ha), Raps (55-60 ha)
      Nebenfrüchte: Dinkel (16 ha), Winterdurum (6-7 ha), Ackerbohnen (5-6 ha), Wintergerste (13 ha)
       
      Zwischenfruchtanbau:
      • immer vor Mais und je nach Zeitkapazität vor Getreide
      • seit der Betrieb auf pfluglos umgestellt hat, vor über zehn Jahren
      Zwischenfruchtmischung:
      • Hauptmischung vor Mais: Ackerbohnen, Winterwicken, Roggen
      • Mischung vor Dinkel und Wintergerste: Winterrübsen, Alexandrinerklee, Phazelia
      • Sonstige Mischung: Ackerbohnen, Ramtillkraut, Wicken
      Grund für Zwischenfruchtanbau:
      • Erosionsschutz, da der Betrieb im terziären Hügelland liegt und es früher in den Hanglagen häufig Erosionsprobleme gab
      • Humuserhalt und -aufbau
      • Weniger Dünger bei Leguminosen notwendig
      Vorgehensweise:
      • Zwischenfruchtmischung wird auf die abgeernteten Weizenstoppeln gesät und eingegrubbert
      • im Frühjahr werden die Pflanzenreste mit der Scheibenegge oder Grubber flach eingearbeitet

      Wechselnde Böden: von Sand und Kies bis schwerer Lehm, Bodenpunkte 30 - 75

        Kartoffelbaubetrieb, viehlos (Neuburg an der Donau/Schwaben)

        Hauptfrüchte: Kartoffeln (50 ha), Zuckerrüben (50 ha), Getreide (150 ha)
         
        Zwischenfruchtanbau:
        • immer vor Kartoffeln Zwischenfruchtmischung. Mischung: Ackerbohnen, Rauhafer, Ölrettich + Fertigmischung Sola-Rigol TR
        • Mischung vor Zuckerrüben: Rauhafer, Ackerbohnen + Fertigmischung MS 100a (BSV)
        Kosten für Zwischenfruchtmischungen: ca. 60 Euro/ha durch Eigenanbau von Ackerbohnen (sonst vermutlich über 100 Euro/ha bei ausschließlicher Verwendung von Fertigmischungen)
         
        Grund für Zwischenfruchtanbau:
        • organische Düngung, seit der Betrieb pfluglos arbeitet
        Vorgehensweise:
        • Ackerbohnen werden mit dem Düngerstreuer auf die Getreidestoppel ausgebracht
        • dann Bodenbearbeitung mit dem Grubber oder der Scheibenegge
        • Aussaat des restlichen Zwischenfruchtsaatguts, das einfach in die Sämaschine geschüttet und mit der Hand umgerührt wird
        Wechselnde Böden: von Sand und Kies bis Ton, Bodenpunkte von 28 - 68.

        Ackerbaubetrieb mit Viehhaltung (Landkreis Landshut/Niederbayern)

        Hauptfrüchte: Weizen, Mais
        Nebenfrüchte: Gerste, Raps
         
        Zwischenfruchtmischung:
        • Vor Mais: Gerste: Alexandrinerklee (20 %), Ölrettich Compass (10 %), Phacelia (6 %), Sommerwicken (27 %), Sonnenblumen (5 %), Lupinen (27 %), Serradella (5 %)
        Kosten für Zwischenfruchtmischung: ca. 50 - 60 Euro/ha
         
        Grund für Zwischenfruchtanbau:
        • Erosionsschutz
        • Humusaufbau, Bodenverbesserung
        • Geringerer Dieselverbrauch, durch leichteres Pflügen
        • Weniger Stickstoffdünger durch Lupinen
        Vorgehensweise:
        • nach der Weizenernte wird zuerst flach gegrubbert
        • danach wird tief gegrubbert und mit der hinten angehängten Sämaschine gleich die Zwischenfruchtmischung ausgesät
        • Landwirt sät maximal 1-2 Hektar auf einmal aus, weil sonst alle kleinen Samenkörner schnell draußen sind und die großen übrig bleiben
        • Einzelkulturen wurden zuvor in einer alten Saatbeize kurz zusammengemischt

        Wechselnde Böden: Sand bis Lehm, Bodenpunkte 55 - 60.



        Zahlreiche Kleearten sind als greeningfähige Zwischenfrüchte anerkannt. Eine Auswahl davon stellen wir Ihnen hier vor. Klee (Trifolium) ist eine 245 Arten umfassende Pflanzengattung. Sie wird zu den Hülsenfrüchtler gezählt.

        Diese Kleearten sind greeningfähig
        • Schwedenklee (Bastardklee) (Trifolium hybridum). Foto: Aiwok/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Alexandriner Klee (Trifolium alexandrinum). Foto: Fornax/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Jungpflanzen des Bockshornklees (Trigonella foenum-graecum). Foto: Magnus Manske/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Blühender Erdklee (Trifolium subterraneum). Foto: Hans Hillewaert/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Hopfenklee (Medicago lupulina). Foto: Tigerente/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Hornschotenklee (Lotus corniculatus). Foto: C. Mühlhausen/landpixel
        • Inkarnatklee (Trifolium incarnatum). Foto: Tigerente/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Michelsklee (Trifolium michelianum). Foto: Chernandez69/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Persischer Klee (Trifolium resupinatum). Foto: C. Mühlhausen/landpixel
        • Rotklee (Trifolium pratense). Foto: hapo/landpixel
        • Schabziger Klee (Trigonella caerula). Foto: Flyout/cc-by-sa-3.0 wikimedia
        • Alle Arten der Gattung Steinklee (Melilotus spp.) sind greeningfähig. Hier ist der Echte Steinklee (Melilotus officinalis) zu sehen. Foto: hapo/landpixel
        • Alle Arten der Gattung Steinklee (Melilotus spp.) sind greeningfähig. Hier ist der Weiße Steinklee (Melilotus alba) zu sehen. Foto: hapo/landpixel
        • Weißklee (Trifolium repens). Foto: hapo/landpixel
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