Milchproduktion Umfrage: Melkroboter versus Melkstand

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Bei der Investitionsplanung beschäftigt viele Milchviehbauern die Frage des Melksystems. Die aktuelle Umfrage von agrarheute.com zeigt, in welche Melktechnik die Leser bevorzugt investieren.

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Über 25 Prozent der befragten Landwirte investieren lieber in einen Melkstand.
Laut Deutschem Bauernverband (DBV) werde die deutsche Landwirtschaft im ersten Halbjahr 2012 rund 5,5 Milliarden Euro investieren. Bei Investitionen in Milchviehbetrieben steht die Frage nach der passenden Melktechnik im Raum. Fortlaufend diskutieren Milchviehlandwirte im Online-Forum landlive über das Thema Melkrobotik versus Melkstand.
 
Automatische Melksysteme finden in der landwirtschaftlichen Praxis zunehmend stärkere Verbreitung. Das zeigte auch unsere Umfrage. Die Mehrheit der Befragten, insgesamt 41 Prozent (226 Personen), haben vor, einen Melkroboter anzuschaffen. Das AMS bringt viele Vorteile, ist jedoch nicht für jeden Betrieb geeignet. Die kostenintensive Investition will wohlüberlegt sein.
 
Über 25 Prozent der befragten Landwirte (141 Personen) möchten lieber in einen Melkstand investieren. Knapp 8 Prozent investieren vorerst lieber in einen Melkstand, da sie der Meinung sind, dass sie Melkrobotik noch nicht genug ausgereift ist. In keines der beiden Systeme investieren über 25 Prozent (140 Personen.

Der Investition in Robotik muss sich lohnen

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Automatische Melksysteme haben deutliche Mehrkosten gegenüber konventionellen Systemen.
Laut dem sächsischen Landesamt für Landwirtschaft belaufen sich die Anschaffungskosten für einen Melkroboter zwischen 105.000 und 130.000 Euro pro Maschine ohne Milchkühlung und -lagerung. Gegenüber konventionellen Melksystemen entstehen bei einem Betrieb mit 260 Kühen und vier Melkboxen Mehrkosten von etwa 51.900 Euro pro Jahr. Die hohen Investitionskosten rechnen sich erst bei einer Auslastung von mehr als 650.000 Kilogramm Milch pro Jahr, so die Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft Schwäbisch Gmünd.
 
Vorteile des AMS:
  • Flexibilisierung der Arbeitszeit (keine Arbeitsspitzen durch Melkzeiten)
  • Erhöhung des Tier- und Fressplatzverhältnisses möglich
  • Erhöhung der Anzahl Melkungen je Kuh
  • Einsparung von Arbeitszeit (etwa sechs bis neun Stunden je Kuh und Jahr)
  • Verbesserung der Milchleistung
  • Verbesserung der Eutergesundheit
  • Immer der gleiche "Melker"
  • "Ruhe im Stall"

Melkstand: für manche die bessere Lösung

Das AMS ist jedoch nicht für jedermanns Sache. Der Landwirt muss sich auf ein elektronisches Management umstellen, welches ein hohes Maß an Fachkenntnis insbesondere in den Bereichen Fütterung, Tiergesundheit und Arbeitsorganisation erfordert. Außerdem sollte der Landwirt technikversiert und routiniert im Umgang mit Computern und Software sein. Die Technik kann auch nicht bei jedem Kuhbestand angewandt werden, da die Zitzenform ausschlaggebend ist. Daher entscheiden sich einige für einen Melkstand. Die verschiedenen Melkstandarten haben jeweils ihre Vor- und Nachteile.

Vor- und Nachteile der Melkstandsysteme

Fischgrätenmelkstand
Vorteile:
Ausgereifte Bauform (Standard)
Große Variationsbreite

Gute Melkleistung

Gute Übersicht
 
Nachteile:
Langsamste Kuh bestimmt Gruppenwechsel
Schnellauslass nur mit hohem Aufwand realisierbar
 
Side by Side-Melkstand
Vorteile:
Kurze Wege
Gute Melkleistung
Geringes Verletzungsrisiko für den Melker
Schnellauslass einfach zu integrieren
 
Nachteile:
Langsamste Kuh bestimmt Gruppenwechsel
Schlechte Übersicht über Kühe
Schlechte Kontrolle der Vorderviertel
Melker und Melkeinheit sind stärker der Verschmutung durch Kot ausgesetzt
 
Tandemmelkstand
Vorteile:
Hohe Melkleistung
Beste Übersicht über Kuh und Euter
gleichmäßiger, stressfreier Arbeitsablauf
 
Nachteile:
Hoher Raumbedarf
Grosse Euterabstände
Lange Wege in grösseren Melkständen

agrarheute.com unterwegs: Besuch des Milchviehbetriebs Meerwarth

 
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